Hermans wiederholt seinen Triumph

12.07.2019 • 19:14 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Hände in die Höhe: Platz sieben am Kitzbüheler Horn reichte Ben Hermans zum Sieg bei der Ö-Tour, rechts dahinter der Österreicher Riccardo Zoidl.gepa
Die Hände in die Höhe: Platz sieben am Kitzbüheler Horn reichte Ben Hermans zum Sieg bei der Ö-Tour, rechts dahinter der Österreicher Riccardo Zoidl.gepa

Der Belgier, Teamkollege von Matthias Brändle, gewinnt Ö-Tour 2019 – Team Vorarlberg geschlossen stark.

Kitzbüheler Horn Riccardo Zoidl hat am Schlusstag der 71. Österreich-Rundfahrt nochmals alles versucht. Doch der Gewinner von 2013 ging nach einer Soloflucht im Schlussanstieg zum Kitzbüheler Horn mit fliegenden Fahnen unter und landete an siebenter Stelle. Der Belgier Ben Hermans hielt beim Etappensieg des Russen Alexander Wlasow, knapp vor Vorarlberg-Santic-Fahrer Patrick Schelling, seine Rivalen in Schach und wiederholte seinen Gesamt-Erfolg von 2018.

Zoidl ließ auf der finalen Klettertour die negativen Erfahrungen der vergangenen Jahre auf dem 7,1 km langen und bis zu 22 Prozent steilen Anstieg zum Alpenhaus (1670 m) hinter sich. Als Sechster gestartet, wollte der Oberösterreicher in der Gesamtwertung noch auf das Podest. Er attackierte 3,5 km vor dem Ziel und holte auch einen Vorsprung auf die besten Kletterer heraus. Doch nach der steilsten Stelle wurde der Profi des CCC-Teams eingeholt, er war mit seinen Kräften am Ende und fiel nach dem achten Etappenrang mit 38 Sekunden Rückstand im Ziel völlig erschöpft vom Rad.

„Ich hatte zum ersten Mal am Horn gute Beine, aber auf dem letzten Kilometer hat mir das Finish gefehlt“, sagte Zoidl. „Aber wenn man nichts probiert, kann man nichts erreichen“, meinte der Familienvater, der die Rundfahrt mit 1:10 Minuten Rückstand auf dem siebenten Rang abschloss. Zweitbester Österreicher war der Vorarlberger Daniel Geismayr als 18..

Auf der letzten Etappe (116,7 km) verlor Zoidl noch einen Platz an den Russen Wlasow. Der Landesmeister aus dem Team Gazprom gewann zwei Sekunden vor dem Schweizer Patrick Schelling von Vorarlberg Santic. „Ich habe gesehen, dass die anderen Probleme hatten und habe attackiert. Ich liebe die Berge, das ist ein schöner Sieg“, erklärte der 23-Jährige nach seinem ersten Sieg außerhalb der Heimat. Der Dritte der jüngsten Slowenien-Tour will seine Karriere in einem WorldTour-Team fortsetzen.

Emotionaler Sieg

Hermans‘ größte Rivalen Ben O‘Connor (AUS) und Winner Anacona (COL) waren schon bei der Hälfte des Schlussanstiegs aus der Spitzengruppe zurückgefallen. Im Vorjahr hatte der Belgier aus dem Team Israel Cycling Academy auf dem Horn gewonnen, diesmal genügte dem 72 kg schweren Athleten im Kampf gegen die Leichtgewichte der siebente Etappenrang. Als erster ausländischer Fahrer überhaupt und als erster seit Gerrit Glomser 2002/03 wiederholte er seinen Vorjahressieg.

„Der erste Sieg war noch spezieller, weil er unerwartet war“, betonte Hermans, „aber dieser ist sehr emotional.“ Der Flame erinnerte an seine Ende April erlittene Knieverletzung und die folgende sechswöchige Zwangspause. „Jetzt bin ich zum ersten Mal wieder in Form und habe gleich gewonnen“, freute sich Hermans, Teamkollege des nach einem Schlüsselbeinbruch ausgeschiedenen Vorarlbergers Matthias Brändle.

Extrem starke Leistungen

Eine Tour voller Emotionen, Herz und Leidenschaft erlebte auch das Team Vorarlberg Santic. Nicht allein deshalb, weil Kapitän Patrick Schelling (29) am Kitzbüheler Horn den Etappensieg nur hauchdünn verpasste. „Es hat ganz knapp nicht gereicht, aber ich bin mit meiner Leistung heute sehr zufrieden. Die Rundfahrt war sehr gut besetzt, wir aber haben als Team großartig gekämpft.“ Mit Rang zwei in der Teamwertung fand dies auch im Endklassement seinen Niederschlag. Im Spitzenfeld klassierte sich auch der Vorarlberger Daniel Geismayr. Nicht nur am Horn bewies der Dornbirner seine Kletterqualitäten und fuhr als 18. über die Ziellinie. Auch in der Gesamtwertung klassiert sich der 29-Jährige unter den Top 20. VN-cha

„Heute hatte ich gute Beine. Im Finale kam ich immer näher und wollte Wlasow abfangen.“

Patrick Schelling kämpfte bis zum Schluss und musste sich nur ganz knapp geschlagen mit Rang zwei zufrieden geben.gepa
Patrick Schelling kämpfte bis zum Schluss und musste sich nur ganz knapp geschlagen mit Rang zwei zufrieden geben.gepa

71. Ö-Tour

6. und letzte Etappe, Kitzbühel – Kitzbüheler Horn (116,7 km): 1. Alexander Wlasow (RUS) Gazprom-Rusvelo 2:54:12 Stunden, 2. Patrick Schelling (SUI) Vorarlberg-Santic +0:02 Min., 3. Amanuel Gebreigzabhier (ERI) Dimension Data +0:20, 4. Eduardo Sepulveda (ARG) Movistar 0:24, 5. Stefan de Bod (RSA) Dimension Data 0:29, 6. Jose Manuel Diaz Gallego (ESP) Vorarlberg-Santic 0:38, 7. Ben Hermans (BEL) Israel Cycling Academy, 8. Riccardo Zoidl (AUT) CCC, alle gleiche Zeit, 9. Victor de la Parte (ESP) CCC 0:53, 10. Eliot Lietaer (BEL) Wallonie Bruxelles 0:59. Weiter: 12. Winner Anacona (COL) Movistar 1:06, 16. Ben O‘Connor (AUS) Dimension Data 1:38, 18. Daniel Geismayr (AUT) Vorarlberg-Santic, gleiche Zeit, 37. Benjaminc Brkic (AUT) Felbermayr-Simplon 4:12, 40. Matthias Krizek (AUT) Felbermayr-Simplon 4:42, 47. Hans-Jörg Leopold (AUT) Maloja Pushbikers 5:47

Endstand Gesamtwertung: 1. Hermans 22:31:22 Std., 2. Sepulveda +0:20 Min., 3. De Bod +0:38, 4. Anacona 0:41, 5. Wlasow 0:52, 6. O‘Connor 1:08, 7. Zoidl 1:10, 8. Gebreigzabhier 1:13, 9. Schelling 1:29, 10. De la Parte 1:48, 11. Diaz Gallego 1:56. Weiter: 19. Geismayr 6:06, 24. Colin Stüssi (SUI) Team Vorarlberg-Santic 7:51, 31. Sebastian Schönberger (AUT) Neri Sottoli 14:18, 33. Leopold 14:54, 34. Stephan Rabitsch (AUT) Felbermayr-Simplon 14:57, 42. Gordian Banzer (SUI) Team Vorarlberg-Santic 19:56, 67. Janni Steimle (GER) Team Vorarlberg-Santic 45:54

Endstand Punktewertung: 1. Jonas Koch (GER) CCC 42 Punkte, 2. Jannik Steimle (GER) Vorarlberg-Santic 35, 3. Wlasow 22

Endstand Bergwertung: 1. Georg Zimmermann (GER) Tirol KTM Cycling 45 Punkte, 2. Hermans 24, 3. Thibault Guernalec (FRA) Arkea Samsic 24