Hamilton siegt in seinem Wohnzimmer, Strafe für Vettel

Sport / 14.07.2019 • 19:56 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lewis Hamilton triumphierte bei seinem Heim-Grand-Prix in Silverstone zum sechsten Mal und feierte seinen 80. Sieg in der Formel 1.gepa
Lewis Hamilton triumphierte bei seinem Heim-Grand-Prix in Silverstone zum sechsten Mal und feierte seinen 80. Sieg in der Formel 1.gepa

Der Ferrari-Star crasht in Silverstone mit Verstappen.

Silverstone Ein spektakulärer Crash zwischen dem am Ende einsichtigen Ferrari-Star Sebastian Vettel und Max Verstappen und ein grandioser Heimsieg von Lewis Hamilton: Vor 141.000 Zuschauern im Hexenkessel von Silverstone nutzte der Weltmeister cool bis ans Herz seinen Heimvorteil. Vor der Rekordkulisse raste der Mercedes-Star wie entfesselt zu seinem nächsten Sieg in der Formel 1 und kam seinem sechsten WM-Titel mit seinem sechsten Silverstone-Sieg ein gutes Stück näher.

Hinter Hamilton schafften es sein Silberpfeil-Teamkollege Valtteri Bottas und Charles Leclerc im Ferrari noch auf das Podium. „Danke, Jungs, vielen Dank für alles“, rief Hamilton den Boxenfunk, ehe er seine von stürmischem Beifall begleitete Ehrenrunde fuhr.

„Das war schon doof“

Größter Aufreger eines spektakulären Rennens war eine Szene aus der 38. Runde: Vettel fuhr dem Red Bull von Verstappen im Duell um Platz drei ins Heck. Die Rivalen, die sich in der Vergangenheit schon öfter miteinander angelegt hatten, schoben sich unmittelbar gegenseitig die Schuld zu. „Was zur Hölle?“, funkte Verstappen verärgert an die Box. Und Vettel meinte: „Was hat er da gemacht?“ Später nahm Vettel den Unfall „auf meine Kappe. Ich war auch schon bei Max und hab mich entschuldigt.“

Die Rennkommissare brummten dem Deutschen eine Zehn-Sekunden-Strafe auf. Am Ende wurde Vettel, der sich auch noch einen neuen Frontflügel abholen musste, nur 16. Verstappen konnte ohne größere Schäden sein Rennen fortsetzen und wurde Fünfter. „Ich dachte, ich hätte eine Chance auf der Innenseite, aber in dem Moment ist die Lücke wieder zugegangen, da war ich dann zu dicht dahinter und zu spät“, sagte Vettel. „Ich bin natürlich nicht zufrieden, das war schon doof, weil ich glaube, das Ergebnis wäre gut gewesen.“

Vom Chaos völlig unbeeindruckt gewann Hamilton nach einer starken Vorstellung in seinem Wohnzimmer bereits zum sechsten Mal und ist nun alleiniger Rekordsieger beim GP von Großbritannien. Mit seinem siebten Triumph in diesem Jahr baute der 34-Jährige zudem seine ohnehin schon komfortable WM-Führung weiter aus. „Ich kann nicht sagen, wie stolz ich bin“, sagte Hamilton, den Union Jack um die Schultern: „Man denkt, man kann sich an sowas gewöhnen, nein, es ist jedes Mal wie das erste Mal.“

Hamilton fuhr von Beginn an mit ordentlich Wut im Bauch, nachdem ihm Bottas vor den eigenen Fans die Pole weggeschnappt hatte. 24 Stunden später war der Weltmeister allerdings nicht zu schlagen und konnte es sich sogar leisten, eine Teamanweisung zum Reifenwechsel am Ende zu ignorieren.

Duell der Mercedes

Beim Start, durchgeführt von Justin Whiting, dem zwölfjährigen Sohn des verstorbenen Ex-Rennleiters Charlie Whiting, behauptete Bottas seine Führung vor Hamilton. Dahinter machte Vettel einen Platz gut und schob sich an Pierre Gasly vorbei auf Rang fünf. In der Folge jagte Hamilton Bottas, übte massiv Druck aus – doch der Finne konnte sich in einem packenden Fight zunächst verteidigen. Auch Leclerc und Verstappen lieferten sich über Runden eine spektakuläre Verfolgungsjagd um Platz drei mit hart geführten Rad-an-Rad-Duellen.

Unter den Top-Fahrern blieben Hamilton und Vettel am längsten auf ihrem ersten Reifensatz draußen – und profitierten dann in der 21. Runde von einer Safety-Car-Phase. Beide holten sich die härteste Reifenmischung ab, Hamilton übernahm daraufhin die Führung. Vettel wurde auf Rang drei nach vorne gespült. Als große Verlierer standen Leclerc und Verstappen da, nachdem sie erst kurz zuvor an der Box gewesen waren.

„Man denkt, man kann sich an sowas gewöhnen, nein, es ist jedes Mal wie das erste Mal.“

Sebastian Vettel (r.) schiebt Max Verstappen von der Strecke, beide landen im Kiesbett, können aber das Rennen zu Ende fahren.reuters
Sebastian Vettel (r.) schiebt Max Verstappen von der Strecke, beide landen im Kiesbett, können aber das Rennen zu Ende fahren.reuters