Novak Djokovic triumphierte im längsten Finale

Sport / 14.07.2019 • 20:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fünfter Erfolg für Novak Djokovic in Wimbledon, in einem Krimi über knapp fünf Stunden besiegte er Roger Federer.ap, apa
Fünfter Erfolg für Novak Djokovic in Wimbledon, in einem Krimi über knapp fünf Stunden besiegte er Roger Federer.ap, apa

Federer ließ zwei Matchbälle aus.

London Am Ende des längsten Endspiels der Wimbledon-Historie kaute Novak Djokovic genüsslich auf einem Stück Rasen und küsste die Trophäe, Roger Federer nahm tröstende Worte von Herzogin Kate entgegen. In einem irren Tennis-Drama über fünf Sätze und fast fünf Stunden hat sich der serbische Weltranglisten-Erste zum fünften Mal zum Wimbledon-Champion gekrönt und die Hoffnungen von Federer auf den nächsten grandiosen Coup zerstört.

Das aufregendste Finale

Der serbische Weltranglisten-Erste rang den achtmaligen Wimbledonsieger aus der Schweiz mit 7:6 (7:5), 1:6, 7:6 (7:4), 4:6 und 13:12 (7:3) nieder. „Das war das aufregendste Finale mit dem größten Nervenkitzel, in dem ich jemals Teil war. Unglücklicherweise musste einer in diesem Spiel verlieren“, sagte Djokovic, der bei 7:8 im fünften Satz zwei Matchbälle Federers abgewehrt hatte.

Aufschlagverluste auf beiden Seiten steigerten die Spannung bis zum allerletzten Punkt, schließlich jubelte nach 4:57 Stunden wie im Vorjahr Djokovic. Zuvor hatten sich 2008 der Spanier Rafael Nadal und Federer mit 4:48 Stunden das bis dato längste Endspiel geliefert, auch damals verlor der Schweizer.„Ich werde versuchen, es zu vergessen“, scherzte Federer und konnte schon wieder lachen: „Das war verrückt. Es war großartig. Ich hoffe, ich gebe anderen Leuten die Chance zu glauben, dass es mit 37 Jahren noch nicht vorbei ist. Ich habe alles gegeben, ich fühle mich gut.“

Um 20.14 Uhr streckte Djokovic die begehrte Trophäe in die Höhe, sein Sohn klatschte auf der Tribüne, seine Eltern lagen sich erlöst in den Armen. Auch Federers vier Kinder waren unter den Zuschauern. Sie mögen die goldene Trophäe lieber, witzelte Vater Federer: „Es ist alles gut.“ Djokovic meinte: „Jeder hat gelitten, denke ich.“

Der 32-jährige Djokovic ist der Erste, der sich nach einem Fünf-Satz-Match in einem Tiebreak zum Wimbledonsieger kürte. Die Regelung wurde erst in diesem Jahr eingeführt. Er wiederholte seinen Erfolg aus dem Vorjahr und trug sich nach 2011, 2014, 2015 und 2018 erneut in die Siegerliste des bedeutendsten Tennis-Turniers ein.

Der frühere Branchenprimus Federer wirkte auch dank seines phänomenalen Aufschlags in dem Traum-Finale gegen den Topgesetzten lange als der bessere Spieler und hatte Chancen, sich zum ältesten Grand-Slam-Sieger der Geschichte bei den Herren zu krönen. Im fünften Satz gab Djokovic zunächst eine 4:2-Führung wieder her, Federer konnte bei 8:7 zwei Matchbälle nicht nutzen: Erst flog eine Vorhand seitlich ins Aus, beim zweiten passierte ihn Djokovic am Netz. „Im Moment schmerzt es“, sagte Federer. „Vielleicht werde ich wie auf 2008 zurückblicken und denken, es war nicht so schlecht.“ Djokovic nutzte gleich seinen ersten Matchball und beendete die diesjährigen Ambitionen von Federer auf den neunten Wimbledon-Titel. Nur Martina Navratilova hat dieses Turnier bislang neunmal für sich entschieden. Djokovic rückte jetzt mit seinem 16. Titel bei einem der vier größten Events bis auf vier an Federer heran. Doch die Tennis-Welt staunt nach diesem Schlussakt des Rasenspektakels auch wieder über den nimmermüden Federer.

„Unglücklicherweise musste einer in diesem Spiel verlieren.“