Lefebvre bringt frischen Wind

Sport / 15.07.2019 • 22:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Patrice Lefebvre auf der Trainerbank von Gröden und inmitten von NHL-Allzeitgrößen: Pierre Larouche, Mike Bossy, Guy Lafleur, Mario Lemieux, Denis Savard, Patrice Lefebvre und Dale Hawerchuk.GEPA, QMJHL
Patrice Lefebvre auf der Trainerbank von Gröden und inmitten von NHL-Allzeitgrößen: Pierre Larouche, Mike Bossy, Guy Lafleur, Mario Lemieux, Denis Savard, Patrice Lefebvre und Dale Hawerchuk.GEPA, QMJHL

Der 52-jährige Italo-Kanadier wird neuer Coach bei der VEU Feldkirch.

Feldkirch Patrice Lefebvre heißt der neue Trainer der VEU Feldkirch. Der 52-Jährige aus Montreal tritt beim Klub der Alps Hockey Liga die Nachfolge von Nik Zupancic an. Der Vertrag läuft für die kommende Saison, Lefebvre gab für die Montfortstädter seinen Vertrag beim italienischen Zweitligisten Pergine auf. „Er soll wieder mehr Emotionen in die Kabine bringen, nachdem es in der vergangenen Saison eher ruhig zugegangen ist“, begründet VEU-Manager Michael Lampert die Wahl von Lefebrve. „Es geht von ihm auch die Bereitschaft aus, viel und intensiv mit jungen Spielern zu arbeiten.“

Für die NHL fehlte es an Größe

Lefebvre startete die Trainerkarriere vor genau zehn Jahren als Assistenzcoach bei den Junioren von Val-d‘Or Foreurs in der Quebec Major Junior Hockey League (QMJHL). Como, die Damenmannschaft des HC Lugano, Sierre, Olten (Co-Trainer), Eppan, Asiago und Gröden waren die weiteren Arbeitgeber. In Wolkenstein arbeitete er drei Jahre lang, beerbte dort zuerst Ulli Egen, dann Lee Gilbert, ehe er 2018/19 als Alleinverantwortlicher die Mannschaft übernahm. Mit Torhüter Misa Pietilä und Torjäger Linus Lundström vertraute er auf zwei ehemalige Cracks des EC Bregenzerwald. Im Jänner wurde der Italo-Kanadier, der 13 Mal das Azzurri-Nationalteamtrikot trug, durch den ehemaligen Lustenau-Coach Timo Keppo abgelöst.

Bekannter ist Lefebvre freilich für seine Karriere als Spieler, die mehr als nur außergewöhnlich verlief. Der nur 1,68 Meter große Stürmer wurde nie von einem Klub aus der NHL gedraftet, spielte aber in der Saison 1998/99 drei Mal für die Washington Capitals. Bei den Junioren erlangte er beim Klub von Shawinigan (QMJHL) Kultstatus. Seine 595 Punkte im Grunddurchgang während vier Saisonen sind ein Ligarekord für die Ewigkeit.

In der Canadian Hockey League (CHL, bestehend aus QMJHL, WHL, OHL) gewann er in der Saison 1987/88 mit exakt 200 Punkten (darunter 64 Toren) die Topscorerwertung, damit ist er einer von nur vier Spielern (darunter Mario Lemieux), die die 200-Punkte-Schallmauer knacken konnten.

Als die QMJHL im vergangenen April die Top-10-Stars aller Zeiten wählte, war Lefebvre darunter. Guy Lafleur, Mario Lemieux, Sindney Crosby, Pat Lafontaine, Pierre Larouche, Mike Bossy, Dale Hawerchuk, Brad Richards, Denis Savard und Lefebvre hieß die Reihung. Der neue Feldkirch-Trainer ist der Einzige in dem erlauchten Kreis, der keine NHL-Karriere hingelegt hat.

Für die beste Liga der Welt war Lefebvre zu klein. In Kanada wurde er wegen seiner Kreativität auf dem Eis als Mini-Version von Wayne Gretzky gepriesen. Damals war es bei den NHL-Klubs aber ein ungeschriebenes Gesetz, dass Spieler mindestens 1,85 Meter groß sein müssen. Im Scherz sagt er jetzt: „Ich habe meine NHL-Karriere zweimal verpasst. Vor dreißig Jahren war ich zu klein, heute bin ich zu alt.“

Karriere in Europa

In Paris startete Lefebvre ins Profi­leben, holte mit dem Klub gleich den Titel. Wanderjahre führten ihn über Ajoie (NLB), Louisville (ECHL), Milwaukee (IHL), Springfield (AHL), Langnau (NLB), Kloten (NLA), Sierre (NLB), Billingham (England) nach Las Vegas. Sechs Saisonen lang spielte er beim Klub in der nicht mehr existenten nordamerikanischen IHL, damals die stärkste Liga hinter der NHL, war viermal der Klub-Topscorer. Auch bei den nächsten Stationen Frankfurt (DEL), Rodovre (Den), Biel, Lausanne (NLB) stand der Name Lefebvre zuoberst in der Punkteliste. In einer Inlineliga hat Lefebvre ebenfalls gespielt. Als er 1997 den Montreal Roadrunners wegen einer Verletzung für zwei Spiele nicht zur Verfügung stand, wurde er durch den damaligen VEU-Legionär Daniel Gauthier ersetzt. Letzterer ist übrigens auch ins Trainergeschäft eingestiegen, er betreut in Kanada das Nachwuchsteam der Vikings de Saint-Eustache.