Als ob es gestern gewesen wäre

Sport / 17.07.2019 • 20:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Francesco Molinari ist der Titelverteidiger bei den British Open.reuters
Francesco Molinari ist der Titelverteidiger bei den British Open.reuters

Rory McIlroy kommt mit speziellen Erinnerungen zu den British Open.

Portrush Die Golfprofis aus den USA haben zuletzt bei den vier Major-Turnieren den Ton angegeben. Neun der jüngsten zehn Bewerbe gingen an Spieler aus den Vereinigten Staaten. Einzige Ausnahme ist der Italiener Francesco Molinari als Gewinner der British Open. Bei deren 148. Auflage in Royal Portrush tritt der 36-Jährige ab heute als Titelverteidiger an. Rory McIlroy kommt mit besonderen Erinnerungen.

„Diese Woche wird besonders speziell“, erklärte Molinari. „Ich will es so viel wie möglich genießen und wie beim Ryder Cup die Atmosphäre aufsaugen.“ Die Rückkehr der Open Championship nach Portrush nach 68 Jahren wird einen enormen Ansturm der Fans erleben. Alle vier Tage sind ausverkauft.

61 Schläge im Alter von 16 Jahren

Für den erhofften Heimsieg könnte Rory McIlroy sorgen. Den vierfachen Major-Gewinner, der die Open 2014 in Royal Liverpool gewonnen hat, verbindet Besonderes mit dem Links-Kurs in seiner nord­irischen Heimat. Er hatte 2005 als 16-Jähriger dort für Furore gesorgt, als er in der zweiten Qualifikationsrunde für die nordirischen Meisterschaften mit 61 Schlägen einen unglaublichen Platzrekord fixierte. 14 Jahre später war es bei der Proberunde auf dem für das Major veränderten Kurs so, als ob es gestern gewesen wäre.

„Die Tribünen stehen, aber es ist immer noch der gleiche Kurs. Als ich am ersten Tee stand, kam alles zurück, am zweiten visiere ich das braune Haus an. Es fühlt sich wie der alte Kurs an, auf dem ich aufgewachsen bin und das ist nett“, erklärte der 30-Jährige. Der bisher letzte Major-Erfolg McIlroys liegt allerdings schon fünf Jahre zurück.

Mann der Stunde bei den vier bedeutendsten Turnieren des Kalenders ist Brooks Koepka. Der 29-jährige US-Amerikaner hat zur aktuellen Serie der US-Golfer vier Siege beigetragen und seit 2017 mindestens einen Erfolg pro Saison gefeiert. Der Weltranglisten-Erste ist ein Spezialist für Großereignisse, abseits der Majors hat er auf der PGA-Tour erst zwei Turniere gewonnen.

Zu Royal Portrush hat Koepka einen besonderen Bezug, der eine wertvolle Hilfe auf dem Weg zur Siegestrophäe, dem Claret Jug, sein kann. Es sei ein „großer Vorteil“, einen Caddie zu haben, der als Golfspieler in Portrush aufgewachsen sei. Ricky Elliott, der seit sechs Jahren die Golftasche des 29-Jährigen trägt, gebe ihm wertvolle Insider-Informationen, sagte der Mitfavorit, der eine Anfrage des heurigen Masters-Siegers Tiger Woods für eine gemeinsame Proberunde unbeantwortet ließ.

Ein schöner Lauf

Nur wenige Spieler kennen den Par-71-Kurs an der Küste so gut wie der frühere Amateurspieler Elliott. „Als er hier aufgewachsen ist, hat er nie daran gedacht, dass hier das Open stattfinden könnte. Jetzt ist er Caddy und kann gewinnen“, sagte Koepka. „Es wäre cool, ihn siegen zu sehen.“

Ein Jahr ohne den Sieg eines Europäers in einem Major-Turnier hatte es zuletzt 2015 gegeben. Heuer haben Woods (Masters), Gary Woodland (US Open) und Koepka (PGA Championship), der zudem bei den zwei anderen Turnieren jeweils Zweiter war, die großen Titel erobert. „Das ist ein schöner Lauf“, meinte Englands Olympiasieger Justin Rose, „und hoffentlich findet er ein Ende.“

„Ich will so viel wie möglich genießen und wie beim Ryder Cup Atmosphäre aufsaugen.“