Vorarlbergs Topbasketballer Luka Brajkovic plant nächsten Schritt in Richtung NBA

Sport / 17.07.2019 • 21:20 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die Kombination aus seiner Größe und seinen spielerischen Fähigkeiten zeichnet Luka Brajkovic besonders aus. VN
Die Kombination aus seiner Größe und seinen spielerischen Fähigkeiten zeichnet Luka Brajkovic besonders aus. VN

Vorarlbergs Topbasketballer bereitet sich derzeit in seiner Heimatstadt Feldkirch auf die zweite Saison am Davidson College vor.

Feldkirch Wenn es nach seinem Trainer Bob McKillop geht, wird Luka Brajkovic wohl bald in der National Basketball Association (NBA) zu sehen sein, also im Olymp der Basketballwelt. In seiner ersten Saison in der amerikanischen Collegeliga NCAA wusste der 20-jährige Feldkircher zu überzeugen, nun geht es für ihn darum, in seiner zweiten Saison darauf aufzubauen.

„Natürlich muss man
im zweiten Jahr auch mehr die Leader-Rolle
übernehmen.“

Luka Brajkovic, Davidson Wildcats


Zum Saisonabschluss wurden alle Spieler der Wildcats von Trainer McKillop zum individuellen Gespräch gebeten, für Brajkovic fiel dieses mehr als positiv aus. „Ihm hat meine Saison sehr gut gefallen, ich durfte ja auch gleich als Freshmen in jedem Spiel starten“, so Brajkovic während seines Heimatbesuchs. „Er sagte, dass ich sein Vertrauen habe und mein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Er ist der Meinung, dass es zu 100 Prozent die NBA wird. Er hat bereits mit Scouts gesprochen und sagte, dass alles andere für einen Spieler mit meiner Größe und meinen Fähigkeiten eine Enttäuschung wäre.“

Mitfavoriten

Im amerikanischen PreSeason-Ranking liegt Davidson aktuell auf Platz 25 und gehört in Amerika somit zu den besten Uni-Teams. Dementsprechend hoch sind nun auch die Erwartungen. In der Vorsaison wurde die Qualifikation für das große March-Madness-Turnier knapp verpasst, nun soll alles dafür gegeben werden, in der kommenden Saison auf der ganz großen College-Bühne zu spielen. „Ich denke, dass wir es nächste Saison auf jeden Fall schaffen werden. Wir als Team müssen jetzt daran arbeiten, diesen Erwartungen gerecht zu werden“, ist der Center zuversichtlich.

Konstanz und Verbesserung

Änderungen in der Mannschaft gibt es nicht viele, die Starting-Five bleibt voraussichtlich die gleiche. Zwei Neuzugänge auf den Forward-Positionen sind geplant: ein Spieler aus Dänemark, der andere aus Südkorea. Sollte er seine Leistungen aufrecht erhalten, dürfte das aber kein großes Problem für Brajkovic werden: „So wie ich den Trainer verstanden habe, bin ich auf meiner Position gesetzt.“ Hinzu kommt, dass zwei der „Big Men“ aus dem Vorjahr die Uni abgeschlossen haben, dementsprechend dürfte Brajkovic mit seiner Größe von fast 2,10 m besonders gefragt sein.
„In der ersten Saison war die Physis noch ein Problem für mich, die Saison war sehr lange. Inzwischen ist das nicht mehr so, dementsprechend hoffe ich, nun auch noch konstanter liefern zu können“, denkt Brajkovic positiv. „Natürlich muss man im zweiten Jahr auch mehr die Leader-Rolle übernehmen. Fehler die man anfangs noch macht, will der Trainer nun nicht mehr sehen.“
Generell dürfte das System noch mehr auf den Feldkircher zugeschnitten werden. Verbessert hat sich Brajkovic vor allem auch in technischer Hinsicht. „Ich habe ja in Dornbirn schon viel an meinem Distanzwurf gearbeitet. Als ich dann nach Amerika kam, habe ich gemerkt, dass alles noch etwas schneller gehen muss. Da kommt wirklich viel auf einen zu. Im Lauf der Saison wurde das dann immer besser.“
Nicht nur spielerisch hat sich der Feldkircher entwickelt, auch sein Körper hat sich nach seinem ersten Jahr in den USA sichtbar verändert. Seine anfänglichen 102 kg Körpergewicht hat er inzwischen auf knapp 115 kg hochgeschraubt. „Ich hatte schon die Sorge, dass ich mit meinen zusätzlichen Kilos nur noch in der Zone stehe, aber die Athletiksessions liefen wirklich sehr gut und ich konnte mich in allen Bereichen verbessern. Ich habe auch Fett abgebaut, das hilft mir, mich auf dem Feld schneller zu bewegen.“

Tägliche Arbeit

Seit einigen Wochen ist Brajkovic nun zu Hause in Vorarlberg, bis es Ende August wieder in die Staaten geht. Die Zeit hier lässt der Basketballer natürlich nicht ungenutzt, auch während der Sommerpause arbeitet er an seinem Körper und seinen technischen Fähigkeiten. „Vormittags trainiere ich zwei Stunden im Fitnessstudio und mache dann im Waldstadion noch ein paar Sprintübungen. Nachmittags treffe ich mich mit meinem alten Trainer, Nedzad Cehic, und trainiere mit ihm in der Halle“, beschreibt Brajkovic den üblichen Tagesablauf in seiner Heimat.


Nach seiner Rückkehr ins Ländle war Brajkovic bei den Landesliga-Finalspielen der Feldkirch Baskets, seinem Jugendverein, vor Ort. Die Lions konnte er noch nicht besuchen, da sich diese seither bereits in der Sommerpause befinden. Am Sonntag geht es für Brajkovic Richtung Wien-Schwechat. Neo-Teamchef Raoul Korner hat den 20-Jährigen zum ersten Teamlehrgang unter seiner Leitung eingeladen. „Ich habe schon mit Raoul Korner telefoniert. Er will sich jetzt vor allem junge Spieler mit dem Potentzial für das Nationalteam anschauen. Mein Ziel ist es, mit den etablierten Nationalspielern mitzuhalten“, freut sich Brajkovic auf das einwöchige Trainingslager.

Wichtige Erfahrung

Was Brajkovic und seine internationalen Kollegen von vielen College-Spielern unterscheidet, ist die bereits gesammelte Erfahrung im Erwachsenen-Basketball. „Die meisten Mannschaften in unserer Liga bestehen nur aus amerikanischen Spielern. Wir Europäer haben meistens schon mit Erwachsenen gespielt, kennen die Spielzüge besser und gewöhnen uns schneller an das Spielsystem.“ Dafür seien die Amerikaner etwas athletischer als viele internationale Spieler. „Hier in Amerika ist gerade der Point Guard oft schneller und versucht viel mehr zu punkten. Aber auch wenn die Athletik auf einem anderen Level ist, gibt es in Österreich viele Spieler, die auf dem College-Niveau gut mithalten könnten.“
In einer Sache ist Brajkovic seinen Teamkollegen dank seiner Zeit bei den Dornbirn Lions auf jeden Fall voraus: „Einmal mussten wir mit dem Bus über sechs Stunden lang zu einem Spiel anreisen, weil das Flugzeug nicht verfügbar war. Für viele war das anstrengend, für mich nur ein ganz normaler Arbeitstag wie in Dornbirn“, lacht Brajkovic. ER