Es gibt noch reichlich Tickets für Tokio

Sport / 19.07.2019 • 19:39 Uhr / 8 Minuten Lesezeit

ÖOC-Präsident Karl Stoss rechnet bei den Sommerspielen 2020 mit drei bis fünf Medaillen, zehn Aktive haben einen Quotenplatz.

Wien Die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sind gegenüber Rio um fünf Sportarten, viele Frauen- und Mixed-Bewerbe sowie Medaillenentscheidungen angewachsen. Österreichs Team soll zumindest gleich groß sein wie 2016 mit 71 Athleten (34 Frauen/37 Männer). Ein Jahr vor den Sommerspielen sind von zehn Sportlern erst ein paar Quotenplätze erobert worden, es bieten sich aber noch viele Möglichkeiten.

Von 24. Juli bis zum 9. August 2020 sind in Tokio 339 Medaillenentscheidungen in 33 Sportarten geplant, 165 für Herren, 156 für Damen und 18 im Mixed. In Japan sind Karate, Skateboard, Sportklettern und Surfen neu im Programm, Baseball/Softball kehrt zurück, mit Ausnahme der Ballsportart hat Österreich in allen anderen Teilnahme-Ambitionen.

Chancen in den neuen Sportarten

2016 in Brasilien hatten Thomas Zajac/Tanja Frank mit Bronze im Nacra 17 die einzige österreichische Medaille geholt, vier Jahre zuvor in London war man sogar gänzlich ohne Podestplatz geblieben. „Klar ist, wir wollen nicht bis zum 13. Wettkampftag bis zur ersten Medaille warten müssen wie in Rio oder gar leer ausgehen wie 1964 bzw. 2012 in London“, sagte ÖOC-Präsident Karl Stoss. „Mit Klettern und Karate sind zwei neue Sportarten im Programm, in denen wir zur absoluten Weltklasse bzw. zu den Medaillenanwärtern zählen. Dazu kommen eine Reihe von anderen Hoffnungen – in der Leichtathletik, im Judo, im Rudern und im Segeln, um nur einige zu nennen. Eine Zahl zwischen drei und fünf Medaillen ist realistisch.“

Qualifiziert sind in der Leichtathletik bereits Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger, die Siebenkämpferinnen Verena Preiner und Ivona Dadic sowie Marathonläufer Lemawork Ketema, die jeweils Limits erfüllt haben. Mit Erbringung einer „Olympic Qualifying Time“ (OQT) haben Schwimmer ihr Fix-Ticket, Marlene Kahler hat das über 1500 m Kraul bereits in der Tasche. Quotenplätze für Österreich geholt haben auch schon die Segler Frank/Lorena Abicht mit Silber 2018 bei der WM vor Aarhus in der 49er-FX-Klasse und Zajac/Barbara Matz in der gemischten Klasse Nacra 17 Foiling sowie Schütze Martin Strempfl mit dem Luftgewehr. Aus dem Vorarlberger Lager ist Thomas Mathis ein heißes Eisen. „Über eine Nominierung zureden, dafür ist es aber einfach noch zu früh“, sagt Nationaltrainer Wolfram Waibel jun. „Es geht beispielsweise bei der EM ebenso um Quotenplätze wie beim European Tournament und beim Weltcup im Rio.“ Marlene Pribitzer ist mit dem Luftgewehr ebenfalls eine Kandidatin, Aussenseiterchancen werden Patrick Diem und Sheileen Waibel zugebilligt.

Das ÖOC hofft bis zum Ende der Qualifikationsfristen aber auf eine ähnlich große Mannschaft wie 2016. „Derzeit haben wir zehn Athletinnen und Athleten fix. Mit Juli 2020 sollen es – wenn es nach den Hochrechnungen der Verbände geht – rund 75 sein. Das wäre über dem langjährigen Durchschnitt. Noch wichtiger ist für uns aber, dass auch die Qualität stimmt. Wir sind da sehr zuversichtlich: Ich glaube, unser Aufgebot für 2020 wird, auf die Klasse bezogen, das stärkste Team seit Langem sein“, gab sich ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel zuversichtlich.

Titelkämpfe entscheiden

Spannend wird es für viele österreichische Topathleten heuer noch bei Weltmeisterschaften, wo es um direkte Quotenplätze geht. So etwa ab Sonntag für die Schwimmer in Gwangju oder die von Magdalena Lobnig angeführten Ruderer im August in Linz/Ottensheim. Im Segeln mit David Bargehr/Lukas Mähr, Benjamin Bildstein/David Hussl und Co. wird das Abschneiden bei den Welttitelkämpfen ebenso entscheidend wie für die von Martina Kuenz angeführten Ringer. Verbandsintern werden im Turnen Vinzenz Höck (Kunstturnen), Nicol Ruprecht (Rhythmische Gymnastik) und Benjamin Wizani (Trampolin) die größten Chancen zugerechnet.

Quotenplätze über Weltranglisten

Viele Quotenplätze werden auch über Weltranglisten vergeben, da müssen die Akteure oftmals bis in den späten Frühling hinaus warten, um Klarheit zu haben. So versucht sich im Badminton Luka Wraber, im Golf schaut es dank Bernd Wiesberger, Christine Wolf und Co. gut aus. Im Triathlon haben Lisa Perterer, Julia Hauser und Luis Knabl so stark gepunktet, dass deren Quotenplätze bereits so gut wie fix sind. Im Tennis wird es schwierig, Dominic Thiem hat seine Teilnahme in Tokio ausgeschlossen, Dennis Novak und das neue Doppel Oliver Marach/Jürgen Melzer brauchen noch gute Resultate.

Im Beach-Volleyball liegen Robin Seidl/Philipp Waller gerade noch auf einem Ticket-Rang, Clemens Doppler/Alexander Horst und Katharina Schützenhöfer/Lena Plesiutschnig müssen sich noch steigern. Chancen auf Quotenplätze gibt es auch über den Continental-Cup und ein Welt-Quali-Turnier. Im Judo darf man laut aktuellem Stand von einem großen Team mit u.a. Michaela Pollerers (bis 70 kg), Stephan Hegyi (über 100), aber auch Laurin Böhler (bis 100) ausgehen. Im Karate schaut es zum Beispiel für Bettina Plank nicht schlecht aus, im Radfahren dürfen sich u.a. die Straßen- und Bahnfahrer gute Chancen ausrechnen.

„Unser Aufgebot für 2020 wird, auf die Klasse bezogen, das stärkste Team seit Langem sein.“

Bettina Plank ist im vorolympischen Jahr in Hochform.gepa
Bettina Plank ist im vorolympischen Jahr in Hochform.gepa
Anfang August geht es für Lukas Mähr und David Bargehr bei der 470er-WM in Japan um ein Olympia-Nationenticket für Österreich.gepa
Anfang August geht es für Lukas Mähr und David Bargehr bei der 470er-WM in Japan um ein Olympia-Nationenticket für Österreich.gepa
Das Visier ist beim Schützen Thomas Mathis auf Tokio eingestellt.apa
Das Visier ist beim Schützen Thomas Mathis auf Tokio eingestellt.apa
Judoka Laurin Böhler hat in der Olympia-Qualifikation gute Chancen.gepa
Judoka Laurin Böhler hat in der Olympia-Qualifikation gute Chancen.gepa

Olympische Sommerspiele 2020

Fix dabei = bereits Quotenplätze oder Limits

So gut wie sicher = liegen im Ranking

aussichtsreich

Möglich = müssen noch Quotenplätze holen bzw. sich in Rankings verbessern

Klein bis unwahrscheinlich = aufgrund der Vorleistungen bzw. harten Ausscheidung kaum Chancen

Fix nicht dabei = letzte Chance vorbei

Badminton möglich

Baseball, Softball fix nicht dabei

Basketball  fix nicht dabei

Basketball, 3 x 3  klein bis

 unwahrscheinlich

Bogenschießen möglich

Boxen möglich

Fechten möglich

Fußball fix nicht dabei

Gewichtheben möglich

Golf so gut wie sicher

Handball klein bis unwahrscheinlich

Hockey klein bis unwahrscheinlich

Judo  so gut wie sicher

Kanu, Wildwasser  möglich

Kanu, Flachwasser möglich

Karate, Kumite möglich

Karate, Kata klein bis unwahrscheinlich

Klettern möglich

Leichtathletik  fix dabei

Moderner Fünfkampf möglich

Radsport, Straße  so gut wie sicher

Radsport, Bahn möglich

Radsport, Mountainbike  möglich

Radsport, BMX  fix nicht dabei

Reiten, Dressur möglich

Reiten, Springreiten möglich

Reiten, Vielseitigkeit möglich

Ringen möglich

Rudern möglich

Rugby fix nicht dabei

Schießen fix dabei

Schwimmen, Langbahn  fix dabei

Schwimmen, Freiwasser möglich

Schwimmen, Wasserspringen  klein bis  unwahrscheinlich

Schwimmen, Synchronschwimmen  möglich

Schwimmen, Wasserball fix nicht dabei

Segeln fix dabei

Skatebording möglich

Surfen möglich

Taekwondo möglich

Tennis möglich

Tischtennis möglich

Triathlon so gut wie sicher

Turnen, Kunstturnen möglich

Turnen, Rhythmische Gymnastik  möglich

Turnen, Trampolinspringen  möglich

Volleyball, Halle  fix nicht dabei

Volleyball,Beach-Volleyball  möglich