Verstappen behielt im Regenchaos den Durchblick

Sport / 28.07.2019 • 20:20 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Wetter war der Verbündete von Max Verstappen, der Niederländer feierte im Red Bull in Hockenheim seinen zweiten Saisonerfolg. apa
Das Wetter war der Verbündete von Max Verstappen, der Niederländer feierte im Red Bull in Hockenheim seinen zweiten Saisonerfolg. apa

Red-Bull-Pilot gewann in Hockenheim vor Vettel und Kwjat, Desaster für Mercedes.

Hockenheim Max Verstappen hat einen Monat nach Österreich auch den Formel-1-Grand Prix von Deutschland gewonnen. In einem wegen Regens chaotischen Rennen setzte sich der Red-Bull-Pilot vor dem als 20. von ganz hinten gestarteten Sebastian Vettel (Ferrari) durch, während Mercedes beim Jubiläumsrennen ein Desaster erlitt. Valtteri Bottas crashte im Finish, Weltmeister Lewis Hamilton rückte nach einer Disqualifikation der beiden Alfa-Autos von Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi auf Rang neun vor. Verstappen sorgte nach einem verrückten Rennen mit vielen Ausrutschern und Ausfällen trotz seiner fünf Boxenstopps für den zweiten Nicht-Mercedes-Sieg in diesem Jahr.

Schlechtes Karma

Daniil Kwjat holte in dem turbulenten Rennen, in dem vor allem richtige Reifenentscheidung gefragt war, als Dritter überraschend eine Podiumsplatzierung. Einen Tag nachdem er erstmals Vater geworden war, verhalf der Russe der Scuderia Toro Rosso nach Vettels Sensationssieg 2008 in Monza zum erst zweiten Podestplatz in der Formel-1-WM. „Es war ein Horrorfilm mit ein bisschen was von einer schwarzen Komödie, eine Achterbahnfahrt.“ Zudem jubelte man beim Zweier-Team von Red Bull über Platz sechs für den „Thai“ Alexander Albon.

Toto Wolff hatte trotz Pole für Hamilton und Startplatz drei für Bottas das Unheil beim großen Heimrennen, bei dem man Titelsponsor ist, offenbar kommen gesehen und vor schlechtem Karma gewarnt. Wegen 125 Jahre Motorsport hatte Mercedes in Hockenheim einen wahren History-Zinnober veranstaltet. Am Ende gab es aber nichts zu feiern. „Zumindest hatte das Rennen Unterhaltungswert. Für uns war es aber katastrophal“, sagte der Teamchef. „Unfälle und dann auch noch falsche Entscheidungen, so kann man kein Rennen gewinnen.“

Begonnen hatte der elfte von 22 Saisonläufen mit einer Weltpremiere. Wegen des anfänglichen Regens fuhren zunächst alle Piloten mit Regenreifen hinter dem Safety Car in die Formationsrunde, nach drei Runden hinter Bernd Mayländer gab es auf Anweisung von Neo-Renndirektor Michael Masi aber doch noch einen stehenden Start, was das Rennen von 67 auf 64 Runden verkürzte. Hamilton und Bottas kamen dabei auf feuchter Strecke im Gegensatz zu beiden Red Bulls gut weg.

Der Rest des Nachmittages war aber ein einziges Drunter und Drüber. Zahlreiche Ausrutscher und Unfälle auf der zunächst nassen Piste brachten immer wieder das Safety Car und sorgten für viel Bewegung im Feld. Hamilton schien als Führender lange auf der sicheren Seite zu sein. Der von Platz zwei gestartete Verstappen befand sich immer in Schlagdistanz, hatte aber selbst auch viel Glück. Als man ihm die Medium- statt der Soft-Reifen auf den RB15 montiert hatte, drehte er sich spektakulär, schlug aber nirgendwo an. Ganz im Gegensatz zu Charles Leclerc, der auf Platz vier seinen Ferrari zerstörte.

Dort fand dann auch Hamilton sein Schicksal. Zwar konnte er nach seinem Crash mit kaputtem Flügel weiterfahren, er nahm aber eine verbotene Abkürzung in die Box. Dort hatte die Crew weder Nase noch Reifen parat, was den Briten nach 50 Sekunden Standzeit zurückwarf. Zudem musste er wegen der Abkürzung später eine fünf-Sekunden-Strafe absitzen und drehte sich ein weiteres Mal. Als auch Bottas spektakulär crashte, war für Mercedes der Tag gelaufen.

Von Platz 20 auf zwei

Verstappen hingegen konnte auf immer trockener werdender Strecke seine Führung behaupten und brachte sie letztlich auch ins Ziel. „Es war echt trickreich heute. Es ging vor allem darum, keine Fehler zu machen. Und so ein Rennen zu gewinnen, ist großartig.“ Vettel nutzte die vielen Ausfälle und stieß nach einer unglaublichen Aufholjagd noch bis auf Platz zwei vor. „Es war ein langes Rennen, an manchen Stellen hat es sich angefühlt, als würde es nie enden.“

„Es war echt trickreich heute. Und so ein Rennen zu gewinnen, ist großartig.“

Glück für Lewis Hamilton, er konnte nach einem Ausritt weiterfahren.apa
Glück für Lewis Hamilton, er konnte nach einem Ausritt weiterfahren.apa