Schlamm, Alaphilippe und van Gaal

Sport / 29.07.2019 • 18:40 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Kolumbianer Egan Bernal zeigte seine Klasse und konnte mit erst 22 Jahren den Toursieg feiern.apa/Afp/marco bertorello
Der Kolumbianer Egan Bernal zeigte seine Klasse und konnte mit erst 22 Jahren den Toursieg feiern.apa/Afp/marco bertorello

Die Tour de France bot auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Höhepunkte.

Paris C‘est fini! Drei Wochen Tour de France sind geschafft, knapp 3400 Kilometer hat das Peloton absolviert. In Egan Bernal gibt es erstmals in der Tour-Geschichte einen Sieger aus Kolumbien. Ein Rückblick auf die Schlaglichter der 106. Frankreich-Rundfahrt:

WER SEIN RAD LIEBT, SCHIEBT: Die 24 Prozent Steigung in La Planche des Belles Filles waren zu viel für den Deutschen André Greipel. Auf den letzten Metern der steilen Schlussrampe in den Vogesen musste der 37 Jahre alte Sprint-Routinier absteigen und sein Rad über die Ziellinie tragen.

ATTACKE AM TOURMALET: Eine Attacke einen Kilometer vor dem Zielstrich am legendären Tourmalet? Der in Lochau lebende Deutsche Emanuel Buchmann hat sich getraut. Der 26 Jahre alte Bora-hansgrohe-Profi trat aus der Spitzengruppe an und fuhr auf Sieg – am Ende reichte es zu Platz vier, auch einen Tag darauf in Foix Prat d‘Albis wurde Buchmann noch einmal Vierter.

THIBAUTS TRÄNEN: Der erste französische Tour-Sieg seit Bernard Hinault 1985 war zum Greifen nahe. Doch dann kam Hoffnungsträger Thibaut Pinot ein Muskelfaserriss im linken Oberschenkel dazwischen. Der Kapitän des Groupama-FDJ-Teams musste die Rundfahrt mit Tränen beenden, nachdem er in den Pyrenäen noch mit einem Sieg am Tourmalet geglänzt hatte.

NATIONALHELD ALAPHILIPPE: Aus Klassikerspezialist Julian Alaphilippe wurde in den vergangenen Wochen eine Art Nationalheld. 14 Tage fuhr der 27-Jährige in Gelb, tapfer verteidigte er es durch die Pyrenäen, bis er es am Iseran verlor. Die Herzen seiner Landsleute eroberte Alaphilippe trotzdem: Als ein kleiner Junge in der Kälte von Valloire fror, schenkte der Radprofi diesem sein Gelbes Trikot als Jacke.

SCHLAMM STATT SPEKTAKEL: Und plötzlich war Pause bei der Tour de France. Auf der 19. Etappe musste erstmals seit 1996 wieder ein Teilstück massiv verkürzt werden. Heftige Regen- und Hagelschauer sowie eine Schlammlawine machten die Abfahrt vom Col de l’Iseran unbefahrbar. Auch am Folgetag, einer 130 Kilometer langen Etappe von Albertville nach Val Thorens, spielte das Wetter nicht mit: Wegen Erdrutschen wurde der Kurs auf 59,5 Kilometer verkürzt.

VAN GAALS TÄGLICHE RATION: Der Tag im Teamwagen des niederländischen Radsport-Rennstalls Jumbo-Visma wurde für den früheren Fußball-Coach Louis van Gaal zu einem besonderen Spaß. Auf einem Video ist zu sehen, wie dem 67 Jahre alten Niederländer drei Hamburger ins Auto gereicht werden: Der „Tulpengeneral“ verteilte großzügig an seine Mitinsassen, mit dem Lachen hörte er gar nicht mehr auf.

KOLUMBIENS KLETTERASS: Im zarten Alter von 22 Jahren krönte sich Egan Bernal zum jüngsten TdF-Sieger in der Nachkriegsgeschichte, erstmals schaffte es ein Kolumbianer ganz nach oben. Im Vorjahr noch Helfer von Vierfach-Champion Chris Froome und dem späteren Gewinner Geraint Thomas, stellte er heuer seine herausragenden Kletterqualitäten eindrucksvoll unter Beweis.

MÜHLBERGER UND KONRAD: Die Österreicher landeten auf den Plätzen 25 und 35. Auch wenn sich Konrad mehr erwartet hatte und von Rückenproblemen nach einem Sturz gebremst wurde, leisteten die beiden wichtige Helferdienste in ihrem Bora-Team und konnten sich auf manchen Etappen gut in Szene setzen. Auch ihnen war es schließlich zu verdanken, dass Bora-Teammanager Ralph Denk „besonders stolz auf das gesamte Team“ sein durfte: Emanuel Buchmann wurde Vierter und lässt Deutschland wieder von einem Gesamtsieger träumen. „Er wird definitiv einmal ein Star werden“, sagte Mühlberger.

Ein Muskelfaserriss machte Pinots Hoffnung auf den Toursieg zunichte. AFP
Ein Muskelfaserriss machte Pinots
Hoffnung auf den Toursieg zunichte. AFP
Landete auf dem 25. Endrang und war somit bester österreichischer Starter bei der diesjährigen Tour de France: Gregor Mühlberger (vorne).Reuters
Landete auf dem 25. Endrang und war somit bester österreichischer Starter bei der diesjährigen Tour de France: Gregor Mühlberger (vorne).Reuters