Diana Langes-Swarovski: „Manchmal weine ich auch“

Sport / 31.07.2019 • 19:00 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Wattens-Klubchefin Diana Langes-Swarovski ist nicht nur ein positiver Mensch, sondern zeigt auch gerne ihre Emotionen. gepa
Wattens-Klubchefin Diana Langes-Swarovski ist nicht nur ein positiver Mensch, sondern zeigt auch gerne ihre Emotionen. gepa

Geerdet, aber selbstbewusst und gerne auch emotional – so erobert Diana Langes-Swarovski die Bundesliga.

Wattens Die Augen funkeln, mit Leib und Seele spürt sie die 90 Minuten. So erlebt man die Klubchefin des Bundesliga-Neulings WSG Wattens in den heimischen Stadien. Doch das ehemalige Model hat auch ein anderes Gesicht. Dazu gehört auch ihr Engagement für wohltätige Zwecke. Derzeit aber ist Diana Langes-Swarovski als Fußball-Präsidentin in aller Munde. Allein ihr Name verleiht der Bundesliga Glamour und sorgt somit auch international für positive Schlagzeilen. Am Samstag (17 Uhr) nun gastiert ihre Mannschaft in der Cashpoint Arena. Mit den VN sprach die Tirolerin, die ihre eigene Parfümlinie vertreibt, über sportliche Saisonziele ebenso wie über ihre persönliche Gefühlswelt und ihre ganz besondere Beziehung zum Cashpoint SCR Altach.

Das erste Mal in der Bundesligageschichte heißt das Westderby Altach vs WSG Tirol. Wie klingt das in den Ohren der WSG-Präsidentin?

Die Formulierung „das erste Mal der Geschichte“ klingt für mich spannend, herausfordernd und nach „gemmas an! A new first time!“.

Der 3:1-Heimsieg gegen Austria Wien ist wohl mehr als Sie zum Start der Bundesligasaison erwarten durften. Welche Rolle trauen Sie der Mannschaft insgesamt zu?

Es wäre natürlich überheblich zu sagen, dass mir der Auftaktsieg vollkommen klar war, aber ganz ehrlich: Zugetraut habe ich es unserer Mannschaft schon. Und ich traue ihr zu, dass sie immer wieder über sich hinauswächst.

Das erste Ziel eines Aufsteigers bleibt aber wohl der Klassenerhalt?

Bescheiden gesprochen, ja. Das ist für uns, die so viel Energie in den Aufstieg gesteckt haben, der Hauptfokus.

Der Aufstieg von Wattens und der gleichzeitige Abstieg von Wacker hatte im Tirol im Vorfeld der Saison für viele Nebengeräusche gesorgt. Sie sind durchaus selbstbewusst, auch gegenüber der Politik, aufgetreten. Glauben Sie, dass man vor der Leistung der Mannschaft und gegegenüber dem Klub den nötigen Respekt hat vermissen lassen?

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mir eine gewisse Fairness in der Aufteilung der Zuwendungen gefehlt hat. Jetzt haben wir es aus ur-eigener Kraft geschafft. Aber ich sehe genau das als Signal, das wir Tiroler uns eben nie geschlagen geben, nie aufgeben, egal wie klein wir sind, sondern dass wir mit geballtem Willen alles erreichen können.

Die Heimspiele werden derzeit am Tivoli ausgetragen, weil das Ger-not-Langes-Stadion in Wattens runderneuert wird. Wann wird es für die Ligaspiele bezugsfertig sein?

Das wird sich vermutlich in dieser Saison noch nicht spielen. Aber wir arbeiten eng mit der Gemeinde Wattens zusammen, es gibt Pläne.

Wird man Sie beim Westderby in Altach im Stadion antreffen?

Ich bin noch nicht sicher. Ich bin am liebsten live dabei, aber im Moment jongliere ich mit so vielen Terminen, und die Familie hat bei mir auch immer einen hohen Stellenwert.

Wie erleben Sie ein Fußballspiel? Sind Sie eher der ruhige Typ oder können Sie emotional werden?

Das sollte inzwischen bekannt sein. Mich hält während der 90 Minuten nichts auf den Sitzen, geschweige denn hinter Fenstern. Ich sitze auf der Tribüne, schreie, fluche und weine auch mal.

Gab es zu Beginn Ihrer Präsidentschaft auch kritische Stimmen? Gerade weil Sie eine Frau sind?

Kritische Stimmen gibt es immer, manche zielen auch gerne auf das Frau-Sein ab, aber die ignoriere ich. Ich nehme Kritik an, wenn sie konstruktiv ist und uns neue Ansätze aufzeigt.

Andererseits tragen Sie mit Swarovski einen berühmten Namen. Das kann durchaus hilfreich sein?

Die WSG hat Swarovski viel zu verdanken, aber sie hat es als Wattener Verein geschafft, so weit zu kommen. Klar hat der Unternehmergeist, der mir von meinem Vater mitgegeben wurde, unglaublich geholfen und mich immer wieder vorwärts getrieben. Aber wenn wir einen anderen Namen hätten, wäre das vielleicht nicht anders.

Wie interpretieren Sie ihre Rolle als Frau Präsidentin?

Ich stehe für eine großartige Mannschaft, für ein unglaubliches Team, für Menschen, die viel bewegen, für Fans mit viel Liebe im Herzen, für unser Land Tirol. All das hat keinen royalen Titel.

Sie sind Unternehmerin, Klubchefin und Fußball-Botschafterin. Bleibt da noch Zeit für andere Dinge?

Für das, was mir lieb ist, nehme ich mir immer Zeit. Für meine Kinder, meine Eltern, manchmal auch einen Moment für mich.

Sie sagten einmal: „Fußball ist kein Spiel, Fußball ist eine Leidenschaft.“ Was genau meinten Sie damit?

Fußball ist eine Sprache, die überall gesprochen wird und überall auf der Welt die gleichen Emotionen auslöst. Kinder, die im Dreck mit Blechbüchsen spielen, erleben die gleichen Gefühle wie die Fans, deren Mannschaft das entscheidende WM-Tor schießt. Es ist der Kick, den der entscheidende Kick auslöst.

Erinnern Sie sich an den Tag, als Sie erstmals im Fußballstadion saßen?

Nicht mehr ganz genau, ich habe so viele Bilder vor Augen: meinen Vater, Jubel, der Geruch von Gras, rutschende Stollenschuhe, eine Bratwurst in der Hand. All das kann man nicht mit einem genauen Datum versehen.

Zurück zur aktuellen Situation: Viele glauben wohl, dank Swarowski ist Wattens finanziell auf Rosen gebettet. Klären Sie bitte auf: Mit welchem Budget planen Sie für die Saison?

Eine Budgetplanung ist in unserer aktuellen Umbruchphase ein sich immer verändernder Faktor, da wir vor großen Herausforderungen stehen. Wir sind weit davon entfernt auf Rosen gebettet zu sein. Doch wir haben ein großes Sponsoringpotenzial, denn die nationale Erstligabühne ist für Investoren definitiv reizvoller als die zweite Liga.

Sportlich ist der Aufstieg mit einem Namen verbunden: Trainer Thomas Silberberger. Was zeichnet ihn aus?

Man nennt ihn nicht umsonst den „Taktikfuchs“. Er hat immer irgendwo noch ein Ass im Ärmel. Er ist Vollblut-Tiroler, und ein Mensch, auf den man sich zu 100 Prozent verlassen kann.

Es scheint, als hätte er eine Jobgarantie?

Eine Jobgarantie gibt es nie. Jeder hat die Wahl, beruflich zu entscheiden, was für ihn das Beste ist. Aber wir haben schone manche Tiefen zusammen durchgestanden. Im Moment dürfen wir einmal die Höhen genießen.

Wie beurteilen Sie den kommenden Gegner Altach und den sportlichen Aufstieg der Rheindörfler?

Wir begegnen allen Gegnern mit Respekt. Da ich gute, freundschaftliche Kontakte zu Altach pflege, ist die Hochachtung umso größer. Ich hoffe auf ein tolles, formschönes Match.

Sie waren ja auch im Stadion als die Vorarlberger am Tivoli im Europacup gespielt haben.

Ja klar, und ich habe Altach angefeuert.

Trauen Sie sich eine Prognose für das Spiel am Samstag abzugeben?

Im grenzenlosen Vertrauen auf Grün-Weiß: Sieg für uns!

Vielleicht ja doch mit der Präsidentin in der Cashpoint Arena?

Ich weiß noch nicht, wohin mich mein Terminplan zwingt. Aber egal, wo ich bin: Live am Bildschirm bin ich dabei.

Zur Person

Diana Langes-Swarovski

Ihr voller Name ist Diana Fernández de Córdova Hohenlohe Langes-Swarovski. Sie ist die Ur-Enkelin des Firmengründers Daniel Swarovski, Tochter des langjährigen Konzernchefs Gernot Langes-Swarovski und Schwester des aktuellen Chefs Markus Langes-Swarovski

Geboren 1971

Laufbahn beruflich Die Unternehmerin besitzt eine Büffelfarm in Venezuela und hält Anteile an mehreren Unternehmen. Mit Real-Fanatic vertreibt sie eine eigene Parfüm-Linie

Laufbahn sportlich Fungiert seit sechs Jahren als Präsidentin des BL-Klubs WSG Tirol

Familie Mutter zweier Kinder, Joaquin (20) und Maria (18)