Schanzenprojekt Hohenems: Wenig Geld, viel Herzblut

Sport / 31.07.2019 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hans Krojer (l.) und Mitstreiter Florian Straub legen für die Premierensprünge auf der Schanzenanlage in Hohenems die Matten aus. krh

Hans Krojer ist der Vater des neuen Freestylezentrums in den Rheinauen.

Hohenems Wenig Geld, aber viel Herzblut steckt im neuen Vorarlberger Freestylezentrum im Erholungsgebiet Rheinauen in Hohenems, bei dem heute mit etwas Verspätung der Spatenstich erfolgt. Zumindest ein Teil der Anlage ist für den Trainingsbetrieb schon bereit. „Auf zwei der vier Schanzen können wir ab Freitag springen“, sagt Professor Hans Krojer (63), der Mastermind hinter dem Projekt. Die beiden größeren Bakken sollen, so der Lehrer für Sport, Geografie und Wirtschaftskunde am Sportgymnasium in Dornbirn, zu Sommerbeginn 2020 ihre Jungfernsprünge bekommen.
Organisatorisch, aber auch finanziell, ist Krojer mit seinem Vorhaben an die Grenzen gegangen. „Es mussten fünf Bewilligungen her, dank der guten Zusammenarbeit mit der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn konnten wir zu Ostern mit dem Bau beginnen.“ Die Pläne für die Schanzen wurden von Architekt Gerhard Zweier umgesetzt, er arbeitete auch die Verträge mit den Behörden des Landes aus.

Das Budget ist ausgereizt

Die Wasserschanzenanlage ist mit rund 55.000 Euro budgetiert. Rund 30.000 Euro sind bereits investiert, Krojer selbst hat einen Teil aus der Privatschatulle beigesteuert. „Die Matten haben zuletzt mit 8000 Euro das Budget belastet. Ich muss jetzt wieder warten, bis sich jemand bereit erklärt, Rechnungen zu übernehmen.“ Einiges konnte auch an Sachleistungen erbracht werden. So stellte das Kieswerk Kopf Material verbilligt zur Verfügung, Firmen wie Meusburger oder Head haben ebenfalls ein Scherflein beigesteuert. Vom Land Vorarlberg wurde die Mehrwertsteuer rückerstattet, Förderungen fließen aktuell keine. Die Stadt Hohenems habe die elektrischen Voraussetzungen geschaffen, die Stromzufuhr sei gratis. Dankbar ist der 63-Jährige für die Zusammenarbeit mit der Rheinauen GmbH: „Geschäftsführer Ewald Petritsch hat immer ein offenes Ohr für uns.“

Schanzen für jedermann

Mit einer Handvoll Helfer unter der Aufsicht seines deutschen Mitstreiters Florian Straub hat Krojer den alten Freestyle-Hügel im Freizeitareal zur größten Wasserschanzenanlage im Bodenseeraum ausgebaut. Neben den Vorarlberger Athleten, aktuell umfasst der VSV-Kader acht Freestyler, sind auch Sportler aus dem bayrischen Raum und der nahen Schweiz zum Training eingeladen. „Wir bieten die Einstiegsmöglichkeiten, können von der Grundtechnik bis zum Dreifachsalto alles trainieren“, erklärt der ehemalige Freestyle-Nationaltrainer. Für einen Weltcupbewerb sei der Hügel in den Rheinauen, den er für zehn Jahre gepachtet hat, zu klein. „Da würde man einen Zwölf-Meter-Turm benötigen, wir haben aber nur sechs Meter zur Verfügung.“ Zu Sommerbeginn 2020 ist die Eröffnung mit einem ersten Wettkampf geplant.
Der umtriebige Pädagoge, im Skiverband Referatsleiter für die Sparte Freestyle, möchte auch das breite Publikum oder Badegäste für seine Schanzen begeistern. „Jugendliche können mit Zustimmung der Eltern die Anlage benutzen.“ Daneben wird es neben dem Hügel eine Matte für Anfänger und Schnuppertrainings geben. „Wir wollen ein echter Treffpunkt für Freestyle-Interessierte werden.“ Dem gebürtigen Niederösterreicher schwebt auch ein bundesweites Schulprojekt für den Freestylesport vor, mit Meisterschaften am Ende des Schuljahrs auf den Ländle-Schanzen.
Das größte Plus der eigenen Anlage? „Wir müssen für das Training nicht mehr stundenlange Fahrten auf uns nehmen und viel Geld ausgeben. In Hohenems sind in einer Woche 500 Sprünge möglich, zusammen mit dem Bödele hat der Vorarlberger Skiverband jetzt ein Ganzjahresprojekt für den Freestylesport.“