Showdown bei der WM in Japan

Sport / 02.08.2019 • 17:55 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
David Bargehr (r.) und Lukas Mähr freuen sich auf die WM: „Das Wasser hat eine super Qualität, zum Segeln fantastisch.“ störkle
David Bargehr (r.) und Lukas Mähr freuen sich auf die WM: „Das Wasser hat eine super Qualität, zum Segeln fantastisch.“ störkle

David Bargehr und Lukas Mähr kämpfen im Olympiarevier in der 470er-Klasse um das begehrte Nationenticket.

Bregenz Ein Jahr Vorbereitung. Und das nahezu täglich. Den Segelsport in seiner umfassenden Art zu erfassen, ist schwierig, aber am Ende ist es ein Dreiergespann aus Boot, Körper und Geist, das den Unterschied ausmacht. Der 470er genießt seit 1976 den olympischen Status und wird ab 2024 nicht mehr als reines Herren- oder Damenboot im Rennen sein, sondern als Mixed-Klasse an den Start gehen. Es ist und bleibt aber ein technisch sehr umfassendes und komplexes Boot. Kleinste Details entscheiden oft über Sieg oder Niederlage, in die Einstellungen des Mastes werden Stunden investiert, ebenso ist die Auswahl der richtigen Segel eine wahre Wissenschaft. Jede kleine Schnur, jeder Bändsel und jede Schot ist millimetergenau abgemessen, gespleißt, vernäht und am Ende verjüngt, um Gewicht zu sparen.

Bronze als Ausrufezeichen

Der Körper ist das Kapital jedes Seglers. Er steuert das Boot, arbeitet mit dem Gewicht am Trimm, stellt die Segel ein und ist das Gegengewicht zum Wind. Hunderte Stunden jedes Jahr verbringen David Bargehr und Lukas Mähr in den Kraftkammern des Olympiazentrums in Dornbirn und in Wiener Neustadt. Dazu kommen Physiotherapieeinheiten, Massagen, Untersuchungen bei Ärzten, Gespräche über Ernährung, Schlaf und Wohlbefinden sowie Regelkundeseminare, um immer am aktuellen Stand zu bleiben, bis hin zu genauen Analysen der Meteorologie in jedem Revier, in dem gesegelt wird. Tägliches Training, oft zwei Einheiten, 365 Tage im Jahr. Über Sieg oder Niederlage entscheidet aber am Ende auch oft der Geist. Die beiden Spitzenathleten sind oft mehrere Stunden am Tag am Wasser, mehrere Wettfahrten werden gesegelt. Sich zwischendurch neu zu fokussieren, das vielleicht in der vorigen Wettfahrt schlechte Ergebnis muss vergessen werden. Sich neu zu orientieren und zu ordnen, ist das Gebot der Stunde. Hier wird oft mit Hilfe eines Mental-Coaches versucht, das letzte Quäntchen an Vorteil herauszuholen.

Bargehr und Mähr kennen sich seit Kindheitstagen. Aufgewachsen in Bregenz, haben beide im Yacht Club Bregenz zum Segelsport gefunden und sind über den Landesverband schnell ins Nationalteam aufgenommen worden. Seitdem ging es immer weiter bergauf, nationale und internationale Titel folgten. Bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften gab es Top-Platzierungen. Mit der historischen Bronzemedaille bei der WM 2017 wurde ein starkes Ausrufezeichen gesetzt. Im letzten Jahr sollte bei den Titelkämpfen im dänischen Aarhus das Nationenticket für die Olympischen Spiele 2020 in Japan ersegelt werden. Doch es kam anders, der Einzug ins Medal-Race der besten Zehn wurde verpasst, das Nationenticket rückte in weite Ferne. „Nach Aarhus waren wir enttäuscht und frustriert, weil am Ende nicht viel gefehlt hat, um das Ticket zu sichern“, so Steuermann David Bargehr. „Das Ziel hat sich aber nicht geändert, wir wollen bei den Olympischen Spielen 2020 für Österreich an den Start gehen.“

Seit Aarhus laufen die Uhren anders. Der Fokus wurde ganz auf die morgen in Japan beginnende WM gelegt. Hier werden vier weitere Nationentickets für die Olympischen Spiele vergeben. Mit Gastgeber Japan und Australien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Neuseeland, Spanien, Schweden sowie den USA haben neun Nationen ihren Startplatz bereits sicher.

Eine eigene kleine Trainingsbasis wurde in Split, Kroatien, eingerichtet. Es folgten Trainingsaufenthalte in Miami Anfang des Jahres, gefolgt von den europäischen Regatten und wiederum einem langen Trainingsblock in Kroatien. Partnerschaften mit anderen Teams und einem renommierten Segelmacher aus Japan wurden ins Leben gerufen. Die körperliche Fitness wurde ausgebaut, spezielle Ernährungskonzepte entworfen, um perfekt vorbereitet zu sein.

„Wir haben seit Dänemark nur das eine Ziel: möglichst perfekt und bestens vorbereitet bei der WM anzutreten. David und ich sind gut vorbereitet, jetzt wird es Zeit, dass es losgeht. Wir sind bereit“, gibt sich Vorschoter Mähr kämpferisch.

Große Hitze

Der erste dreiwöchige Trainingsblock in Japan Anfang Juli 2019 wurde erfolgreich beendet, dann ging es für beide Sportler eine Woche zurück in die Heimat. Abschalten, zur Ruhe kommen, Kraft tanken und sich sammeln war die Devise. Der Schlafrhythmus wurde nach der japanischen Zeit beibehalten, um möglichst wenig Kraft für die neuerliche Umstellung aufzubringen zu müssen, denn die Bucht von Enoshima, das Olympiarevier von 2020, ist gerade jetzt ein anstrengendes Pflaster: „Die Hitze kostet sehr viel Kraft, es hat über 30 Grad, bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Wir sind aber schnell wieder in den Rhythmus gekommen und hatten gute Einheiten am Wasser“, so Lukas Mähr. Heute startet die Vermessung, am Sonntag sind die ersten Wettfahrten geplant.

„Wir wollen bei den Sommerspielen 2020 für Österreich an den Start gehen.“

Segeln

470er-WM Enoshima 2. bis 9. August

Programm

Heute

Vermessung, Training, Eröffnung

Sonntag, Montag

Qualifikationsrennen

Dienstag – Donnestag

Qualifikation Finalserien

Freitag

Qualifikation Finalserien, Mediallenrennen

Kritierien Olympia-Teilnahme 2020

Gesetzt: Japan als Gastgeber

Acht Tickets 2018 in Aarhus vergeben:

Australien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Neuseeland, Spanien, Schweden, USA

In Japan gibt es für die vier bestplatzierten Nationen, die bisher leer ausgegangen sind, Tickets. Ein Restplatz ist 2020 für Europa noch zu haben. Nur 19 Boote stark wird das Olympia-Feld sein, 2016 waren es noch 26