Kraftakt, Geburtstagskind und viel Luft nach oben

Sport / 04.08.2019 • 22:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Freude über den Treffer, noch dazu über den spielentscheidenden, ist Jan Zwischenbrugger anzusehen.gepa
Die Freude über den Treffer, noch dazu über den spielentscheidenden, ist Jan Zwischenbrugger anzusehen.gepa

Cashpoint Altach dreht Spiel gegen Aufsteiger WSG Tirol und feiert wichtigen 3:2-Sieg.

Altach Damir Canadi (2016) hatte es getan, Klaus Schmidt (2017) gelang es ebenso und nun hat Alex Pastoor nachgelegt. Der Holländer feierte mit dem Cashpoint SCR Altach einen Sieg im ersten Heimmatch der Saison. Dass die Partie zu einem „Tag der Arbeit“ ausartete, war dem eigenen Zutun ebenso geschuldet, wie der konsequenten Spielweise des Bundesliga-Neulings aus Tirol. Ein „Alter“, weil schon in seiner fünften Saison in Altach, sorgte schließlich für die Erlösung. Mit Wucht köpfelte er das Leder nach einer Eckballvorlage von Marco Meilinger in die Maschen (75.). „Ich habe meinen Manndecker irgendwie abgeschüttelt und den Ball voll getroffen“, sagte er danach irgendwie erleichtert. Nicht nur. Das Wort „Wucht“ gebrauchte auch Gästetrainer Thomas Silberberger, als er nach dem Match davon sprach, dass man heute die „Wucht der Bundesliga“ zu spüren bekommen habe. Zumal für ihn Altach eine Top-Sechs-Mannschaft sei.

Dritter Bundesligatreffer

Für Zwischenbrugger selbst ging mit dem Torerfolg eine lange Durststrecke zu Ende. Als Innenverteidiger gewohnt, Tore zu verhindern, traf er letztmals am 25. November 2017 für Altach, beim 3:0 Heimerfolg über St. Pölten. Es war sein insgesamt erst dritter Bundesligatreffer im 134 BL-Spielen (126 für Altach), nachdem er Ende April beim 3:3 in St. Pölten sein Tordebüt gefeiert hatte. „Natürlich hoffe ich, dass es nicht mehr so lange dauert“, sagte er danach ein wenig schmunzeld. Was für den Schnepfauer aber wichtiger war: „Nach der Niederlage beim LASK haben wir eine gute Reaktion gezeigt. Wir haben heute das Spiel kontrolliert und verdient gewonnen.“ Dass er selbst beim 0:1 ebenfalls die Beine im Spiel hatte, sah der Verteidiger durchaus kritisch. „Da habe ich mich nicht sehr gut angestellt, aber dass er (Anm. d. Red.: Zlatko Dedic) so trifft, ist auch Glück. Aber ich denke ich habe es dann mit meinem Tor gutgemacht.“

Aktivmann Manfred Fischer

Die Vorlage zum 3:2-Endstand war von Geburtstagskind Marco Meilinger gekommen. Der 28-Jährige sprach danach auch von einem „perfekten Geschenk“, auch wenn er sich selbst beschenken hätte können. Nach einem Flankenball von Emir Karic stoppte er sich im 16er den Ball zwar perfekt mit der Brust, sein Linksschuss aber wurde eine sichere Beute von WSG-Torhüter Ferdinand Oswald. „Wenigstens ist mir ein Assist gelungen“, meinte der Offensivmann danach. Zugleich gab er zu: „Wenn du nach 36 Sekunden im Rückstand liegst, dann wirft dir das schon den ganzen Plan über den Haufen.“

Noch einen Schritt weiter ging der vielleicht aktivste Altacher, Manfred Fischer. „Das war natürlich ein Wahnsinn. Da sind dann gleich alle Köpfe unten. All das hatten wir ja in der Vorsaison und deshalb wollten wir unbedingt vermeiden, wieder einem Tor nachzulaufen.“ Als stetiger Antreiber, Torschütze und Vorbereiter war der 23-Jährige aber auch maßgeblich daran beteiligt, dass „man gesehen hat, was wir drauf haben“. Auch wenn er in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit kurz an „Sch . . .“ dachte, weil der Ball ein drittes Mal im SCRA-Tor einschlug. Der Treffer wurde jedoch wegen Behinderung an Goalie und Jubiläumsmann Martin Kobras aberkannt. Vor allem, weil während der Woche Standards der Tiroler ein wichtiger Bestandteil im Training waren.

Ein Tor zum Genießen

Was Fischer und Co. offensiv nicht erst nach Seitenwechsel dann zeitweise auf den Rasen zauberten, war allerdings Fußballlust pur. Etwa beim 2:2-Ausgleich, als der Ball schnell über vier Stationen lief. Von Karic weitergeleitet auf Christian Gebauer, der mit einem öffnenden Pass das Leder überragend in den Lauf von Fischer weiterleitete und Letzterer den Ball zurück auf Mergim Berisha spielte – ein Tor zum Genießen.

All die guten Momente dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass zwei Gegentreffer der Mannschaft viel Arbeit, im Kopf und im körperlichen Bereich, abverlangte. Arbeit, die man laut Trainer Alex Pastoor mehr ins eigene Spiel investieren hätte sollen. Nicht zuletzt deshalb sah der Niederländer noch „viel Luft nach oben“.

„Natürlich hoffe ich nun, dass es bis zum nächsten Tor nicht mehr so lange dauert.“