„Niki würde seine Kappe ziehen“

04.08.2019 • 17:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Strategie von Mercedes beim Grand Prix von Ungarn wurde belohnt. Mit einem frischen Reifensatz schob sich Lewis Hamilton in der 67. von 70 Runden an Max Verstappen vorbei.ap
Die Strategie von Mercedes beim Grand Prix von Ungarn wurde belohnt. Mit einem frischen Reifensatz schob sich Lewis Hamilton in der 67. von 70 Runden an Max Verstappen vorbei.ap

Lewis Hamilton ringt beim Grand Prix in Ungarn Max Verstappen nieder.

Budapest Sebastian Vettel fügte sich nach dem atemberaubenden Showdown von König Lewis Hamilton und Kronprinz Max Verstappen klaglos in die Rolle des Statisten. „Ich bin ja froh, dass ich überhaupt ein bisschen Champagner bekomme“, sagte der Ferrari-Star mit einem gequälten Lächeln – und überließ die Formel-1-Bühne am Hungaroring den Männern des Tages.

Mercedes riskierte

Hamilton im Mercedes hatte kurz vorher den nächsten Angriff des erneut herausragenden Red-Bull-Piloten Verstappen abgeschmettert. Drei Runden vor Schluss schob er sich auch dank einer taktischen Meisterleistung der Mercedes-Kommandozentrale noch am Niederländer vorbei und holte damit den Sieg beim Großen Preis von Ungarn, dem letzten Rennen vor der Sommerpause. „Ich bin müde“, sagte ein völlig ausgelaugter Hamilton nach 70 Runden in der Hitze vor den Toren Budapests, „aber so soll es ja auch sein. Es war schwierig, an Max vorbeizukommen, er hat gut verteidigt, jede Runde war eine Qualifying-Runde.“ Mit Blick auf den verstorbenen Team-Aufsichtsrat Niki Lauda fügte er an: „Wenn er heute hier wäre, dann würde er seine Kappe ziehen.“

Das galt für Hamiltons Leistung ebenso wie für die der Mercedes-Strategen, die sich scheinbar gegen die Vernunft und für einen zweiten Boxenstopp Hamiltons entschieden – und damit am Ende alles gewannen. „Wir enden als Zweiter, oder wir riskieren es“, fasste Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff die Gedanken der Taktiker zusammen: „Lewis war nicht überzeugt, aber dann haben wir ihm gesagt: Es geht sich auf jeden Fall aus.“ Und so kam es dann auch.

Vettel fuhr ein recht einsames Rennen, verdrängte in der Schlussphase aber seinen Teamkollegen Charles Leclerc noch von Rang drei: „Wir haben heute eins auf die Mütze bekommen, es ist bitter, wenn so viel fehlt im Rennen. Wir alle brauchen jetzt diese Sommerpause, um unsere Batterien aufzuladen. Wir müssen uns aber auch Gedanken machen.“

Verstappen hatte sich mit der ersten Pole Position seiner Karriere beste Voraussetzungen geschaffen, und im Rennen sah es lange auch sehr gut für ihn aus. Gleich beim Start versuchten zwar beide Mercedes-Fahrer mit aggressiven Manövern ihr Glück, doch Verstappen gab sich keine Blöße. Stattdessen beharkten sich die beiden silbernen Autos, und Bottas war der große Verlierer: Er fiel zurück, im Duell mit Leclerc nahm dann sein Frontflügel Schaden – Bottas musste an die Box und war raus aus dem Rennen um die Spitze.

Vorne wehrte Verstappen eine erste Attacke von Hamilton noch ab. Mercedes setzte nun auf den überraschenden nächsten Stopp, Hamilton musste bei noch 20 Runden etwa 20 Sekunden aufholen. „Ich weiß nicht, ob das der richtige Move war“, funkte er – doch der Kommandostand sollte recht behalten, Hamilton war mit frischen Reifen der große Sieger des Showdowns.

„Das ist alles super- ruhig abgelaufen, wie bei einem Flieger im Cockpit.“

Lewis Hamilton lässt den Siegerjubel heraus, Max Verstappen (l.) und Sebastian Vettel applaudieren. ap
Lewis Hamilton lässt den Siegerjubel heraus, Max Verstappen (l.) und Sebastian Vettel applaudieren. ap