Thiem macht ein Häkchen

04.08.2019 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hurra die Gams! Dominic Thiem kann fünf Jahre nach seinem ersten Endspiel in Kitzbühel jubeln. Thomas Muster gewann 1993 als letzter Österreicher. gepa
Hurra die Gams! Dominic Thiem kann fünf Jahre nach seinem ersten Endspiel in Kitzbühel jubeln. Thomas Muster gewann 1993 als letzter Österreicher. gepa

Nach dem Heimsieg in Kitzbühel liegt der Fokus jetzt auf Hartplatz.

Kitzbühel Das Match noch in den Knochen, die La-Ola-Welle der Zuschauer in Erinnerung und die Bundeshymne noch in den Ohren. Dominic Thiem hat sich selten über einen Titel so gefreut wie in Kitzbühel. Er hat vielleicht ein kleineres Turnier gewonnen, doch die Bedeutung für einen Sportler, im eigenen Land zu triumphieren, wurde jedem klar. Es gibt eben keine Selbstverständlichkeit des Siegens.

„Man ist nie zufrieden“

Als Nummer vier der Welt mit dem Heimvorteil im Rücken ist man sozusagen zum Siegen verdammt. Und doch ist es so schwer, diesen Herzenswunsch auch in die Tat umzusetzen. Thiem ist in seinem zweiten Endspiel beim Generali Open gelungen, was zum Beispiel auch seinem Coach Nicolas Massu in dessen Heimatstadt Vina del Mar in zwei Finali nicht gelungen ist. Vielleicht deshalb, aber auch weil er vor 15 Jahren auch als Spieler die „Goldene Gams“ gewonnen hat, war der Chilene so emotional für seinen Schützling. Thiem kann unter das Thema „Heimsieg“ ein Häkchen machen.

„Freudentränen sind immer schön. Der Nico ist selbst auf der Gams, das ist natürlich sehr speziell, mit dem Trainer auf einem Pokal zu stehen“, freute sich Thiem auch für den Südamerikaner. Die herausragende Stimmung im Stadion dankte der Niederösterreicher seinen Fans mit dem Triumph. „Das Turnier hat einen einmaligen Stellenwert und wir werden alles dafür machen, dass es für eine lange Zeit so bleibt“, versprach Thiem.

Massu bestätigte, wie schwer es ist, gerade zu Hause ganz oben zu stehen. „Ich habe in meiner Heimatstadt zwei Finali gespielt und beide verloren. Du bist Favorit, willst es so sehr gewinnen und dann ist es gar nicht so einfach.“ Massu hofft, dass sein Schützling den Level halten kann: „Er hat ein großartiges Jahr, aber wir müssen fokussiert bleiben.“

Als sich der Adrenalinpegel bei Österreichs Tennis-Star langsam senkte, dachte er freilich auch schon an die unmittelbare und auch fernere Zukunft. „Das Arge und auch Interessante am Tennis ist, dass man nie mit irgendwas zufrieden ist. Nächstes Jahr, wenn ich hierherkomme, will ich den Titel verteidigen. Und die Anspannung wird um keinen Deut geringer sein.“

In der gerade im Tennis fast schon erbarmungslosen Hatz zwischen verschiedenen Kontinenten, Zeitzonen und Belägen ging es für Thiem schon gestern weiter nach Kanada zum Hartplatz-Masters-1000 in Montreal. Seine Form vor Beginn der nächsten Saisonphase stuft er als gut ein. „Ich habe jetzt nicht mein absolut bestes Tennis gespielt in der Woche, aber ich war voll fokussiert, die ganze Zeit. Das ist ein ganz wichtiger Teil.“ Das Spiel auf Hardcourt sei nun anders. „Jetzt ist es vorbei mit dem so weit von hinten retournieren. Ich muss natürlich wieder näher zur Linie wandern, mehr nachgehen.“ Und schon hat er wieder neue Ziele. Der Start in Kanada gegen den Sieger aus Denis Shapovalov oder Pierre-Hugues Herbert ist ihm sicher. „Ich habe in Kanada noch nie eine Partie gewonnen, das will ich einmal ändern.“ “

„Es ist absolut unglaublich, einer meiner größten Träume ist in Erfüllung gegangen.“

Tennis

Generali Open Kitzbühel (586.140 Dollar)

Einzel, Finale Thiem (AUT/1) – Ramos-Vinolas (ESP) 7:6(0), 6:1

Doppel, Finale Oswald/Polasek (AUT/SVK/2) – Gille/Vliegen (BEL/4) 6:4, 6:4