BVB-Gastspiel in Altach hat Nachspiel

Sport / 06.08.2019 • 20:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Abpfiff für BVB-Legende Norbert „Nobby“ Dickel (kl. Bild), zumindest vorerst nimmt ihn der Klub aus der Schusslinie.gepa
Abpfiff für BVB-Legende Norbert „Nobby“ Dickel (kl. Bild), zumindest vorerst nimmt ihn der Klub aus der Schusslinie.gepa

Dickel und Owomoyela wegen Hitler-Parodie und „ Itaker“-Sager vom Klub abgestraft.

Dortmund Reinhard Rauball hat Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies nach dessen rassistischer Aussage kritisiert. Jetzt muss sich der Präsident von Borussia Dortmund mit verbalen Entgleisungen von Norbert Dickel und Patrick Owomoyela auseinandersetzen. Den Gegner als „Itaker“ verunglimpft, auf Kosten der Spieler billige Witze gerissen und am Ende sogar Adolf Hitler parodiert: Nach einem geschmacklosen Auftritt von Stadionsprecher Norbert Dickel und Ex-Nationalspieler Patrick Owomoyela hat der BVB ihr Fehlverhalten sanktioniert und dem Duo „unmissverständlich verdeutlicht, dass ihr Versuch, witzig zu sein, vollkommen schiefgelaufen ist, absolut deplatziert war und derlei Äußerungen bei uns keinen Platz haben“. Zudem erhielten Dickel und Owomoyela eine Denkpause. Sie werden in den nächsten Wochen keine Spiele mehr im BVB-Netradio kommentieren.

Plädoyer für Norbert Dickel

In das gleiche Horn bläst Johannes Sturn, Vorstand beim BVB-Fanclub Ösi-Borussen. Er war selbst im Stadion, hat aber erst über die Medien von dem Vorfall erfahren. „Die Äußerungen sind nicht zu tolerieren“, sagt er. Zugleich warnt er davor, aus jedem Thema einen Rassismus-Vorwurf zu stricken. „Ich kenne Nobby persönlich und weiß, dass er und Owomoyela immer für ein Scherzchen zu haben sind. In dem Fall ist der Scherz aber mit Sicherheit nach hinten losgegangen. Sie werden ganz sicher ihre Lehren daraus ziehen. Rassismus hat beim BVB absolut keinen Platz. Das predige ich auch immer wieder im Fanclub. Für Nobby lege ich die Hand ins Feuer, dass das nicht so gemeint war. Er arbeitet ja auch für Organisationen gegen Rassismus.“

Dickel und Owomoyela gaben sich nach den peinlichen Vorkommnissen bei der Übertragung des Testspiels gegen Udinese Calcio am 27. Juli (4:1) in Altach reumütig und entschuldigten sich für ihr Fehlverhalten. Zumal es bereits tags darauf im Trainingslager in Bad Ragaz eine Unterredung mit Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gegeben haben soll. Laut BVB seien sie „zutiefst enttäuscht von sich selbst“ gewesen. „Beide haben ihr Fehlverhalten öffentlich eingestanden und versprochen, dass sich derlei nicht wiederholen wird“, hieß es in der Stellungnahme des Bundesligisten.

Dickel bezeichnete die Spieler des Gegners bei der Übertragung auf dem vereinseigenen Kanal BVB.tv als „Itaker“, Udine-Profi Kevin Lasagna hieß plötzlich Kevin Lasagne. „Wir wollen natürlich niemanden verärgern, falls hier Fans von Udinese Calcio zuhören. Wir machen ja nur Spaß“, sagte Owomoyela während der ersten Halbzeit. Mit dem Spaß war es spätestens in der zweiten Hälfte vorbei, als sich das Duo weiter in Wort und Ton vergriff. Nach einem Unwetter wurde das Spiel in den zweiten 45 Minuten zu einer Wasserschlacht – daraufhin parodierte Owomoyela Hitler und erklärte, dass „große Schlachten geschlagen wurden.“

Owomoyela wurde vor der WM 2006 in Deutschland Opfer einer rassistischen Kampagne der fremdenfeindlichen NPD. Der ehemalige Nationalspieler wurde im DFB-Trikot abgebildet, dazu war zu lesen: „Weiß. Nicht nur eine Trikot-Farbe!“ Von einigen BVB-Fans wurden die Äußerungen des Kommentatoren-Duos heftig kritisiert. Dickel und Owomoyela betonten bei der nächsten Übertrag vom Test in St. Gallen (4:1), dass sie „neben der Spur waren“. Sie versprachen, dass sich so eine Entgleisung nicht wiederholen werde. Das Video des Spiels gegen Udinese Calcio wurde von der BVB-Homepage gelöscht.

„Ihr Versuch, witzig zu sein, ist vollkommen schiefgelaufen, er war absolut deplaziert.“