Lautlos in Spielberg

Sport / 07.08.2019 • 21:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die elektrische MotoE-Serie versucht am MotoGP-Wochenende in Spielberg einen Neustart. apa
Die elektrische MotoE-Serie versucht am MotoGP-Wochenende in Spielberg einen Neustart. apa

Der zweite Auftritt der MotoE auf zwei Rädern wird mit Spannung erwartet.

Spielberg Der Red Bull Ring ist am MotoGP-Wochenende auch Schauplatz des zweiten MotoE-Rennens. Nach der wegen eines Sturzes verkürzten Weltpremiere auf dem Sachsenring hofft man in Spielberg auf das erste volle Rennen der neuen, vollelektrischen Zweirad-Serie. Im Gegensatz zur schon fünf Saisonen alten Formel E steht man noch ziemlich am Anfang.

Der MotoGP-Rechteinhaber Dorna hat 2019 den „FIM Enel MotoE World Cup“ gestartet. Der Beginn war freilich bitter. Denn bei den Vorsaisontests in Jerez brannten im März nach einem Kurzschluss sämtliche Rennmotorräder und Ladestationen ab, was einen Millionenschaden erzeugte und eine Kalenderkorrektur der sechs Europa-Rennen notwendig machte. Zudem muss der Strom für die „emissionsfrei“ angedachten Rennen bei den ersten beiden Stationen und damit auch in Spielberg noch mit Dieselgeneratoren erzeugt werden.

Überzeugt werden müssen offenbar auch noch viele Skeptiker. Denn der Aufwand für die kurzen Rennen über 15 Minuten ist enorm. So müssen die Streckenposten speziell geschult werden. Weniger, weil die Energica-Einheitsmotorräder aus Italien dank 110 KW (147 PS) Leistung 250 km/h schnell sind und mit einem Drehmoment von 200 Newtonmeter in drei Sekunden von
null auf 100 beschleunigen. Auch nicht, weil sie mit 260 Kilo um rund 100 Kilo schwerer sind als ein MotoGP-Bike und damit in Wahrheit langsamer als die nur 60 PS starke Moto3.

Gewöhnungsbedürftig

Sie sind aus einem ganz anderen Grund speziell zu behandeln. Wegen ihrer Hochspannungs-Lithiumionen-Batterien müssen für MotoE-Rennen nicht nur die Strecken-Marshalls, sondern auch die Mechaniker speziell geschult werden. Die Boxen müssen mit antistatischen Matten ausgelegt werden, an den feuerhemmenden Wänden hängen Spezial-Feuerlöscher. Mechaniker tragen spezielle Handschuhe, die Feuerwehr hat Sonderdienst. Damit man die praktisch „geräuschlosen Elektrobikes in der Boxeneinfahrt hört, machen sie Piepgeräusche“, erklärt Bradley Smith das gewöhnungsbedürftige Szenario. Im Rennen hört man meist nur das Quietschen der Reifen.

Gefährliche Entsorgung

Der vorjährige KTM-MotoGP-Pilot fährt heuer MotoE und beendete das erste Rennen auf Platz zwei. Smith weiß, dass es in der MotoE wegen der Elektrik heikle Momente geben kann. Deshalb hat jedes im Rennen gestrandete E-Bike eine LED-Anzeige. Bei „Grün“ kann weitergemacht werden, bei „Rot“ lassen die Streckenposten besser die Finger vom Motorrad. Denn im Kern der Batterien kann es bis zu 4000 Grad heiß werden. Dann kommt laut Plan eine Art „Ghostbusters“-Truppe der Dorna und verfrachtet das Motorrad in einen Spezialanhänger, wo brennende Akkus unter sicheren Umständen unter Kontrolle gebracht werden sollen.