09.08.2019 • 20:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Altach Rapid! Krise, Rekordmeister, Fanmagnet, Motivation – auf jeden Fall ein Fußballklub, der polarisiert. Das weiß keiner besser als der Ur-Rapidler Manuel Thurnwald. In Hütteldorf wohnhaft, in Hütteldorf fußballerisch groß geworden und seit Mitte Juli ein Altacher. Für den Großstädter durchaus ein kleiner Kulturschock. Darüber spricht er im VN-Podcast „Fantribüne“ – vn.at/fantribuene – ebenso wie über sein schnelles Einleben in der Mannschaft, seine Ziele mit Altach und das Besondere an seinem Exklub. Dass er mit Alex Pastoor einen Trainer hinter sich weiß, der ihm Vertrauen gibt, ihn aber zugleich fordert, hat die sportliche Integration enorm beschleunigt. „Er soll sich noch mehr spezialisieren“, sagt der Coach mit einem vielsagenden Blick in Richtung seines Abwehrspielers. Heißt wohl, seine Qualitäten auf der Außenbahn voll einsetzen.

Kein Blick für die Vergangenheit

Dass er sich gegen Rapid gedulden muss, tut für den 21-Jährigen nichts zur Sache. Trotz des Ausfalls von Jan Zwischenbrugger wird Thurnwald vorerst wohl auf der Bank Platz nehmen. Matthias Maak (27) sollte den 29-jährigen Torschützen gegen die WSG Tirol ersetzen. Mit Florian Jamnig (28), der nach seiner Operation aufgrund eines Nasenbeinbruchs am Mittwoch mit Maske das Training wieder aufnehmen will, fällt ein weiterer Spieler für die heutige (17 Uhr) Partie beim Rekordmeister aus. Und so rückten Matthias Puschl (23) und Lars Nussbaumer (18) in der Kader für das Spiel. Dass Rapid nach einer enttäuschenden Situation das Spielsystem umgestellt hat, macht es für den Trainer nach all seinen sportlichen Berührungen mit den Wienern ein weiteres Mal spannend. Dass er als Spieler (Saison 1999/2000) mit der Austria in drei Begegnungen gegen die Hütteldorfer drei Niederlagen, allesamt zu null, kassiert und dann als Trainer in zwei Aufeinandertreffen im Frühjahr noch ungeschlagen ist, sorgt für zusätzliche Brisanz. Und lässt den 52-jährigen Niederländer ein wenig philosophisch werden. „Wenn die Vergangenheit Garantie gibt, dann ist es gut“, sagt er mit einem Blick auf die Duelle im Abstiegsplay-off. Allerdings sei er ein Typ, der lieber das Hier und Jetzt im Auge hat als die Vergangenheit und betont: „Ich freue mich auf heute.“

Ein Satz, der vielleicht ein wenig belanglos klingen mag, aber exakt die Siegermentalität des Trainers bestens ausdrückt. Pastoor ist kein „Lautsprecher“, aber er bringt es ruhig und bestimmt auf den Punkt. Er selbst bezeichnet sich als positiv kritischen Fußballtrainer, der nicht so schnell zufrieden ist. „Das ist nicht mein Ding“.

Für ihn ist der Fußball durchaus komplex, auch deshalb kommt sein Versuch, ihn einfach zu machen, bei der Mannschaft gut an. So verwundert es nur im ersten Augenblick, wenn er meint: „Ballbesitz ist nicht so wichtig.“ Denn Pastoor liefert im gleichen Atemzug die Erklärung: „Viel wichtiger ist die Kontrolle, mit und ohne Ball. Mit null Kontrolle gewinnt man kein Spiel.“ Diese Komponente gegen Rapid umzusetzen, das sei das Ziel. Dabei vertraut er auf bewährtes Personal („Ich will, dass das Team in der Liga wächst“). Nur eine Verletzung oder „schlechte Moral“ (Pastoor) würde zu Wechseln führen.

„Ich bin nicht so schnell zufrieden, obwohl ich gerne bestätige, was gut war.“

Ein Videointerview mit Trainer Alex Pastoor gibt es auf VN.at zu sehen, auch den Podcast gibt es dazu.