Altach trauert Sieg bei Rapid Wien nach

Sport / 11.08.2019 • 23:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Ousmane Diakite lieferte eine Topleistung ab, für einen Punkt bei Rapid reichte es dennoch nicht.GEPA

Rheindörfler belohnen sich bei Rapid nicht mit drei Punkten, können aber auf eine Topleistung stolz sein.

Wien Wahrscheinlich liegen immer noch Haarbüschel von Georg Zellhofer auf der Tribüne im Allianz-Stadion. Im Minutentakt musste sich der Sportdirektor die Haare raufen, vergaben seine Altacher beim 1:2 in Hütteldorf doch eine Topchance nach der anderen. „Viermal allein vor Strebinger. Unglaublich“, raunte er in die Stadion-Katakomben. Selten hat man gesehen, wie ein Team mit einer solchen Dominanz als Verlierer vom Platz ging, wie am Samstag die Rheindörfler gegen Rapid. 95 Minuten haben sie bei extrem schwüler Hitze alles aus sich herausgeholt und lagen am Ende ohne einen Punkt in der Tasche auf dem Rasen, während der Gegner trotz erstem Saisonsieg mit Pfiffen von seinen eigenen Fans bedacht wurde.
„Da war viel mehr drinnen. Ein Sieg wäre verdient gewesen. Wir können uns nicht viel vorwerfen. Vor allem in der zweiten Hälfte sind wir zu den viel besseren Chancen gekommen“, bilanzierte ein zerknirschter Mergim Berisha. Er, Fischer und Gebauer hätten Rapid ein halbes Dutzend Tore bescheren können. „Es hat alles gepasst, nur geklingelt hat es nicht. Ich habe auch zwei Hochkaräter versemmelt. Sicher sind wir ein bisschen sauer. Aber wir nehmen unsere Leistung mit, um dann daheim gegen Hartberg einen vollen Erfolg einzufahren“, blickte Christian Gebauer, der den Ball in der 27. Minute zum 1:2 ins Netz drosch, schon wieder nach vorne.

„Es hat alles gepasst, nur geklingelt hat es nicht. Ich habe auch zwei Hochkaräter versemmelt. Sicher sind wir ein bisschen sauer.“

Christian Gebauer, Spieler SCR Altach

Wie schon beim Sieg gegen WSG Tirol bewies Altach große Moral. Alles begann mit einem Dreifachschock. Zuerst verletzte sich Abwehrchef Philipp Netzer beim Aufwärmen, die Diagnose folgt heute nach der MRT. Der erst 21-jährige Manuel Thurnwald musste ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub in der Innenverteidigung einspringen.

Christian gebauer erzielte den 2:1-Anschlusstreffer für die Altacher. GEPA
Christian gebauer erzielte den 2:1-Anschlusstreffer für die Altacher. GEPA
Christian Gebauer im Interview nach dem Spiel.

Zu naiv aufgerückt

Dann lag man durch einen Doppelschlag von „Taxi“ Fountas nach nur elf Minuten 0:2 zurück und Rapid saß scheinbar schon im Taxi zum Kantersieg. „Wir müssen unsere defensiven Aufgaben schneller in Ordnung bringen. Das hat uns gleich zwei Tore gekostet“, kritisierte Trainer Alex Pastoor, um in der Analyse mit den Vorarlberger Nachrichten ins Detail zu gehen. „Rapid hat mit zwei Stürmern und zwei offensiven Mittelfeldspielern begonnen. Da können wir nicht einfach nach vorne laufen, ohne auf alle vier Spieler zu schauen. Wenn wir das schneller erkennen, wäre das nicht passiert, aber das ist Teil des Entwicklungsprozesses.“ Zellhofer sah das genauso: „Es ist ein bisschen naiv, wenn wir so hoch stehen. Da bringen wir uns um die ganze Arbeit. Wir müssen noch schauen, dass die Balance stimmt. So wie wir aber Fußball spielen, wenn wir Ballbesitz haben, das ist voll okay. Da haben wir uns weiterentwickelt.“

Spielerische Dominanz

Man darf bei der berechtigten Kritik nicht vergessen, dass Altach aktuell vier Innenverteidiger ausfallen. Zwischenbrugger wird mit einem leichten Muskelfaserriss wohl die nächste Partie versäumen. „Und mit Zech haben wir im Sommer den schnellsten Innenverteidiger Österreichs verloren, da müssen wir vorsichtiger stehen“, so Zellhofer.

„Mit Zech haben wir im Sommer den schnellsten Innenverteidiger Österreichs verloren, da müssen wir vorsichtiger stehen“

Georg Zellhofer, Sportdirektor SCR Altach

Der Blick nach vorne darf dennoch optimistisch ausfallen, dominierte man Rapid doch in der zweiten Hälfte nach Belieben. 61 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe. Und selbst in den letzten Minuten wurde der Ball nicht blind nach vorne geschossen, sondern mit tollem Kurzpassspiel Chance um Chance herausgespielt. „Ich bin überzeugt, dass wir oben anschließen und es heuer in die Top 6 schaffen. Wir sind extrem ballsicher geworden und über die Moral brauchen wir nicht zu reden“, bilanzierte Gebauer. Sein niederländischer Coach holte ein wenig weiter aus: „1974 war ich sieben Jahre alt, als Johan Cruyff gesagt hat: ´Wir haben besser gespielt, nur Deutschland hat gewonnen.` Kurzfristig ist es scheiße, aber als Trainer musst du immer weiter nach vorne schauen.“ CK

„Kurzfristig ist es scheiße, aber als Trainer musst du immer weiter nach vorne schauen.“

Alex Pastoor, Trainer SCR Altach
Alex Pastoor im Interview nach dem Spiel.
Altachs Kicker konten das Allianz Stadion erhobenen Hauptes verlassen.GEPA
Altachs Kicker konten das Allianz Stadion erhobenen Hauptes verlassen.GEPA

Fussball, Bundesliga

3. Runde

SK Rapid Wien – Cashpoint SCR Altach 2:1 (2:1)

Allianz Stadion, Wien Hütteldorf, 12800 Zuschauer; SR Muckenhammer

Torfolge: 4. 1:0 Fountas, 11. 2:0 Fountas, 27. 2:1 Gebauer

Gelbe Karten: 44. Gebauer (Foulspiel), 47. Berisha (Foulspiel) bzw. 64. Grahovac (Foulspiel).

SK Rapid Wien (3-5-2): Strebinger; Müldür, Dibon, Hofmann; Schick (76. Martic), Murg (88. Badji), Grahovac, Knasmüllner (73. Wunsch), Ullmann, Schobesberger, Fountas

Altach (4-2-3-1): Kobras; Anderson (72. Casar), Thurnwald (88. Schreiner), Maak, Karic; Oum Gouet, Diakite; Meilinger, Fischer, Gebauer (79. Pangop); Berisha