Sechs Rohdiamanten glänzen in Altach

12.08.2019 • 18:35 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Georg Zellhofer, Geschäftsführer Sport, erklärt, wie viel Talent im jungen Teamgerüst steckt.

Altach „Der Umbruch hat funktioniert“, stellt Georg Zellhofer fest. Auch wenn Cashpoint SCR Altach nach drei Runden erst bei drei Punkten steht, ist für den Sportdirektor klar, dass die Verjüngungskur geglückt ist. Nur 23,8 Jahre waren die Startelf-Spieler der Vorarlberger beim Duell mit Rapid im Schnitt alt. Doch elf Wochen zuvor waren es beim selben Duell in Hütteldorf noch 25,7 Jahre. „Wenn sie gut genug sind, sind sie auch alt genug“, stellt Alex Pastoor nüchtern fest.

Verantwortung wahrnehmen

Klar ist: Altachs halbes Team besteht aus extrem talentierten Rohdiamanten. Was man zu einem guten Teil der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit Red Bull Salzburg zu verdanken hat. Was mit Dimitri Oberlin so grandios begann, hat mit den geliehenen Mergim Berisha und Ousmane Diakité eine erfolgreiche Fortsetzung erfahren. „Wir haben gegenüber Red Bull eine große Verantwortung, weil wir diese Spieler mit Spielpraxis weiterbringen wollen. Dafür ist unser Klub perfekt. Im familiären Umfeld fühlen sich die Spieler sehr wohl, lernen aber gleichzeitig, selbstständig zu sein“, so Zellhofer. Aber auch sonst hat der Klub bei Talenten ein gutes Händchen. Aktuell sind gleich sechs, die als Leistungsträger die Elf bereichern, erst 19 bis 22 Jahre alt. Den VN erklärt Zellhofer, was sie auszeichnet:

Ousmane Diakité (19) „Ein Wahnsinn. Der kann auch Champions League spielen. Ein Topspieler, der alles hat. Nach dem Southampton- Spiel hat mich Ralph Hasenhüttl gefragt, wer das ist.“ Zellhofer fiel er schon bei Liefering auf. „Er hat mich fasziniert. Ich hatte vorher noch nie einen 18-Jährigen mit diesem Potenzial gesehen. Nur mit der Aggressivität hatte er noch Probleme, da hat er die eine oder andere Rote gesehen.“ Gegen Rapid war er der beste Feldspieler am Platz. „Er ist auch deshalb so zwingend, weil er zum Beispiel mit Fischer, Guem, Meilinger oder Berisha tolle Anspielstationen hat. Ich sehe noch Luft nach oben“, sagt Coach Alex Pastoor. Klingt nach einer Warnung an die Konkurrenz.

Samuel Oum Gouet (21) „Extrem laufstark. Überall am Platz unterwegs. Ein super Bursche mit Charakter. Teamplayer und Vorbild. So einen Profi habe ich in meinen 40 Jahren im Profigeschäft selten geksehen, so wie er das Training ernst nimmt, davor und danach an sich arbeitet oder nach Verletzungen. Unglaublich. Eine große Aktie für Altach.“ Einer, der wie die anderen unter Pastoor aber gefordert wird, sich noch weiterzuentwickeln. Zellhofer: „Alex will, dass er noch mehr in die Spielmacherrolle reinkommt. Vielleicht ist der letzte Pass noch etwas verbesserungswürdig.“

Mergim Berisha (21) Zwölf Scorerpunkte (8 Tore/4 Vorlagen) aus den bisherigen 18 Ligaspielen für Alt­ach sind eine starke Bilanz. Aber wer Berisha zusieht, weiß, da geht noch mehr. Zellhofer: „Er bringt als Stürmer alles mit: technisch, läuferisch, einen guten Schuss, tolle Freistoßtechnik, Kopfballspiel. Und er ist ein absoluter Knipser. In dieser Liga kann er in einer Saison eine zweistellige Zahl Tore schießen, da zählt er zu den Top-3-Stürmern.“ Nur Druck darf er sich nicht zu viel machen. „Vielleicht ist er manchmal mit sich zu unzufrieden. Er könnte noch öfter einfach den Ball halten und verteilen.“

Emir Karic (22) Auch Altachs Linksaußen beeindruckt Zellhofer von der Einstellung: „So dynamisch wie er nach vorne geht, da sieht man die Red-Bull-Gene. Emir gibt nie auf, lebt Fußball. Er gibt immer alles. Selbst wenn ihm einer aufs Bein steigt oder ihn Krämpfe plagen, kann er sich immer überwinden. Das sind Spieler, die du gern hast. “ Mankos? „Vielleicht noch der letzte Pass, die letzte Entscheidung. Aber vom Engagement und Können – pfoa!“

Manuel Thurnwald (21) „Ein für mich besonders interessanter Spieler, weil er als Allrounder viele Positionen ausfüllen kann. Wegen seiner Körpergröße wird er vielleicht etwas unterschätzt. Er hat dafür aber eine sehr gute Sprungkraft, antizipiert gut. Im Spiel gegen Rapid war er am Anfang sichtlich nervös, dann hat er aber richtig gut gespielt. Für uns in Altach sind Spieler wie er enorm wichtig.“

Anderson (21) Auch Altachs blutjunger Rechtsverteidiger wird Spiel für Spiel auffälliger. „Sehr aggressiv, läuft viel, bringt sich gut ein und hat nach vorne sehr gute Momente“, lobt Zellhofer den Brasilianer. „Einer, der auch gerne und gut Deutsch lernt. Man merkt, dass er es ernst nimmt. Ein 100-prozentiger Trainierer, demütig und super Kumpeltyp. Ein sehr interessanter Spieler. Der wird nicht lange in Alt­ach sein.“ Das trifft wohl auf alle zu, die sich bei Altach ins Rampenlicht spielen. Aber wenn das passiert, kann man sich sicher sein, dass Zellhofer schon am nächsten Talent dran ist.

„Ich hatte vorher noch nie einen 18-Jährigen mit diesem Potenzial gesehen.“

Beine hoch! Ousmane Diakité (großes Bild) und Samuel Oum Gouet zeigen nicht nur ihre akrobatischen Künste, sondern können auch sehr gut mit dem Ball umgehen.gepa/2
Beine hoch! Ousmane Diakité (großes Bild) und Samuel Oum Gouet zeigen nicht nur ihre akrobatischen Künste, sondern können auch sehr gut mit dem Ball umgehen.gepa/2