„Stillstand ist Rückschritt“

Sport / 16.08.2019 • 20:51 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Den Blick nach vorne gerichtet: Auf Trainer Adi Hütter und seine Eintracht wartet eine spannende Fußballsaison.Hübner
Den Blick nach vorne gerichtet: Auf Trainer Adi Hütter und seine Eintracht wartet eine spannende Fußballsaison.Hübner

Adi Hütter tanzt mit der Eintracht auf drei „Hochzeiten“: Meisterschaft, DFB-Pokal und Europa League.

Markus Krautberger

Frankfurt Trainer Adi Hütter von Bundesligist Eintracht Frankfurt hat vor dem ersten Punktspiel der Saison zugegeben, dass seine Offensivabteilung „noch nicht“ über die Durchschlagskraft verfügt, „die ich mir vorstelle. Wir wissen, dass wir nach vorne noch etwas zu tun haben“, sagte Hütter vor dem Spiel gegen die TSG Hoffenheim am Sonntag (15.30 Uhr/Sky). Die Hessen hatten im Sommer die Leistungsträger Luka Jovic und Sebastien Haller verloren, zudem wird über den Abgang von Ante Rebic spekuliert.

Ungeachtet des Transferausgangs um den kroatischen Vize-Weltmeister rechnet Hütter „eher nicht damit, dass wir noch zwei Stürmer holen“. Das liegt vermutlich auch daran, dass er sein Mittelfeld im Vergleich zur Vorsaison besser aufgestellt sieht. „Wir können mehr Torgefahr aus der zweiten Reihe entwickeln. Dennoch brauchen wir noch den Stürmer, der uns vorne die Tore macht“, sagt Vorarlbergs Trainer des Jahres 2018 vor seiner zweiten Saison mit Eintracht Frankfurt in der deutschen Bundesliga

Wie schwer war es, nach der emotionalen ersten Bundesligasaison so richtig abzuschalten? Oder anders gefragt: Wie leer waren Ihre Akkus? Wie lange hat es gebraucht, diese wieder aufzuladen?

Hütter Die Akkus waren sehr leer, weil es eine sehr intensive Saison war mit vielen emotionalen Höhepunkten. Nach knapp drei Wochen waren die Batterien wieder aufgeladen.

Sie müssen in dieser Saison den Spagat zwischen Europa-League- Qualifikation und Meisterschaft bewältigen. Wie schwierig ist dies?

Hütter Wir mussten die Saison- vorbereitung auf diese Spiele abstimmen und anders steuern, als das letzte Saison der Fall war. Das war und ist eine Herausforderung, die wir bisher aber sehr gut gemeistert haben.

Die Vorbereitung haben Sie mit der Mannschaft in Österreich (Anm. d. Red.: Windischgarsten) absolviert. War der Ort bewusst ausgesucht? Wie verliefen die Tage?

Hütter Ich kenne die Gegebenheiten in Windischgarsten gut, da ich schon mit anderen Mannschaften dort die Vorbereitung absolviert habe. Man weiß von vornherein, was man dort bekommt, nämlich optimale Bedingungen, vom Hotel bis hin zu den Trainingsplätzen. Dementsprechend positiv verliefen dort auch die Trainingstage.

Die Mannschaft hat sich in puncto Namen verändert. Begehrte Spieler haben den Verein verlassen. Wie beurteilen Sie den Wechsel und die bisherigen Transfers?

Hütter Sicherlich haben wir wichtige Spieler nicht mehr dabei, dafür sind aber interessante Neuzugänge mit Qualität dazugekommen, die wir jetzt integrieren. Wir werden wieder eine spannende Mannschaft haben.

Die Eintracht hat in der Vorsaison mit Offensivfußball geglänzt, Sie sind als Trainer mehrmals ausgezeichnet worden. Sind deshalb die Erwartungen gestiegen? Und wie gehen Sie damit um?

Hütter Das mag vielleicht im Umfeld und in der Außenansicht so sein, aber intern wissen wir wo wir stehen und wo wir hingehören. Wir haben zwar eine gute Entwicklung genommen, aber wir geben uns keinen unrealistischen Illusionen hin.

Stecken Sie sich persönlich noch kurz-, mittel- und langfristige Ziele in Ihrer Entwicklung oder ist das im heutigen Profifußball gar nicht mehr möglich, weil alles zu schnelllebig ist?

Hütter Ich beschäftige mich ständig mit mir selber. Das ist mir sehr wichtig. Man hat jeden Tag die Chance sich weiterzuentwickeln. Macht man das nicht, bedeutet das Stillstand. Und Stillstand ist Rückschritt.

Demnächst steht das Play-off für die Europa League an, bei einem Weiterkommen stehen wieder eine Unmenge an Spielen an. Wie anspruchsvoll ist es auch für Sie als Trainer, die Mannschaft immer wieder auf ein Top-Niveau zu bekommen? Worauf gilt es dabei besonders zu achten?

Hütter Man muss die Spieler immer auf das entsprechende Spiel top vorbereiten, physisch wie taktisch. Die Basis dafür erarbeitet man sich in jedem einzelnen Training.

Ungeachtet von Ergebnissen, was ist Ihnen als Trainer in der Arbeit mit der Mannschaft wichtig?

Hütter Mir ist es wichtig, ein gutes professionelles Verhältnis zu den Spielern zu haben, die richtige Mischung zwischen Distanz und Nähe. Was für mich nicht geht, ist, keine Leidenschaft, keine Einstellung zum Beruf zu haben oder sich gegen die Gruppe zu verhalten. Bei mir dürfen die Jungs Fehler machen im Spiel, das gehört dazu. Aber er sollte dann kein zweites Mal vorkommen. Dazu ist mir wichtig, dass die Spieler in jedem Training und jedem Spiel eine Siegermentalität zeigen.

Ein Wort noch zu den Fans der Eintracht. Sie sorgen immer wieder für Gänsehaut-Atmosphäre. Da ist es wohl auch für den Trainer nicht leicht, cool zu bleiben?

Hütter Es macht mich stolz, bei diesem Verein mit diesen Fans Trainer zu sein. Wenn ich ins Stadion hineinkomme und zu meinem Platz gehe, nehme ich diese Atmosphäre immer in mich auf, denn das ist jedes Mal aufs Neue begeisternd, ein cooler Arbeitsplatz. Aber dann schaffe ich es aber schon jedes Mal, mich 100-prozentig auf das Spiel zu konzentrieren.

Ein Jahr Bundesliga ist vorbei: Was sind Ihre Lehren daraus? Was war außer den sportlichen Erfolgen, besonders für Sie (Medien, Leute, Kultur usw.)? In welchen Bereichen haben sich am meisten weiterentwickelt?

Hütter Das gesteigerte Medieninteresse in Deutschland ist sicher etwas ganz Besonderes. Im Umgang mit den Medien habe ich hier in Frankfurt den nächsten Schritt gemacht.

Der 34-jährige Marco Russ wird mindestens sechs Monate ausfallen. apa
Der 34-jährige Marco Russ wird
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