Schützenfest mit Testcharakter

Sport / 06.09.2019 • 23:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
China-Legionär Marko Arnautovic (im Bild gegen Torhüter Pavels Steinbors) hätte seinen zwei Treffern durchaus weitere folgen lassen können.Reuters
China-Legionär Marko Arnautovic (im Bild gegen Torhüter Pavels Steinbors) hätte seinen zwei Treffern durchaus weitere folgen lassen können.Reuters

Nach 6:0-Erfolg über Lettland fährt ÖFB-Team als Tabellenzweiter nach Polen.

Salzburg Österreichs Team fährt als Tabellenzweiter zum Duell nach Polen. Ausschlaggebend war der dritte Quali-Sieg in Folge (6:0) gegen ein fußballerisch zweitklassiges Lettland. Und so hatten die 90 Minuten mehr Trainings-, denn EM-Qualifikationscharakter. Einziges Manko: Bei besserer Chancenauswertung hätte die ÖFB-Elf auch das Torkonto auffetten können.

Schnell zeigte sich im Spiel, dass die Frage nach dem Torhüter im ÖFB-Team im Vorfeld hochstilisiert war. Denn Cican Stankovic verbrachte einen geruhsamen Abend in seinem Wohnzimmer. Der Goalie war einer von sieben Spielern in der Startelf, die entweder Red-Bull-Vergangenheit besaßen oder noch in Salzburg spielen. Einzig Aleksandrar Dragovic, Marko Arnautovic, David Alaba und Kapitän Julian Baumgartlinger waren ohne Red-Bull-Geruch.

Früher Führungstreffer

Mit einem Jubiläumstreffer war es China-Legionär Marko Arnautovic, der für eine frühe Führung und klare Verhältnisse am Platz sorgte (7.). Es war Treffer Nummer 25 für den 30-Jährigen. Die Vorarbeit hatte Konrad Laimer durch sein aggressives Pressing am gegnerischen Strafraum geliefert. Der Leipzig-Spieler war überhaupt auffälligster Spieler der ersten Halbzeit, leitete er doch auch das 2:0 durch seinen Klubkollegen Marcel Sabitzer ein. Dieser hatte den Pass durch die Mitte aufgenommen und aus gut 25 Metern getroffen (13.). Ein Tor, bei dem Goalie Pavels Steinbors nicht auf der Höhe schien. Ansonsten aber war der Polen-Legionär Bester seines Teams. Mit guten Paraden gegen Baumgartlinger (12.), Arnautovic (21./31.) oder Lazaro (30.) bewahrte der Routinier seine Mannschaft mehrfach vor einem höheren Rückstand bis zur Pause. Seine Vorderleute wirkten zusehends überfordert, lieferten viele leichte Fehler und waren nie gefährlich.

Nach der Pause bedurfte es gar keiner allzu großen Anstrengung bis zum nächsten Torerfolg. Die Gäste lieferten mit einer ungeschickten „Ringeinlage“ Bogdaskins gegen Lainer, einen Grund für einen Elfmeterpfiff – und Arnautovic ließ sich das Geschenk nicht nehmen. Bombensicher knallte er das Leder unter die Querlatte (52.). Am Charakter des Spiels änderte die 3:0-Führung nichts. Österreich blieb tonangebend, überzeugte zuweilen mit herrlichem Direktspiel, während von den Letten offensiv nichts zu sehen war. Die letzte Konsequenz im Ausnutzen der Möglichkeiten aber wurde auch nach der Pause vermisst. Zudem lagen die Unparteiischen bei zwei Abseitsentscheidungen falsch.

Tor als Krönung

Mit weiteren Toren in der Schlussphase gab es schließlich das verdiente Schützenfest. Mit Stefan Ilsanker, nur Sekunden nach seiner Einwechslung, und Konrad Laimer waren zwei Leipzig-Spieler beteiligt, zudem trug sich auch noch Michael Gregoritsch in die Torschützenliste ein. Pikant: Gleich zweimal wurde der Ball nach einem Pfostenschuss im Netz versenkt. Für Österreichs Nationalmannschaft bleibt damit Salzburg weiter ein guter Boden. Weil man kompakt stand, nie die Ruhe verlor, nie hektisch wurde und am Ende auch konsequent im Abschluss war. Attribute, die es auch für das Polen-Spiel braucht.

„Es macht Spaß, in diesem Team zu spielen, nur so kann man solche Spiele abliefern.“

Einzelbenotung nach dem Schulnotensystem

Stankovic (3): Nie gefordert und bei einem Schuss (30.) auf dem Posten.

Lainer (3): Immer wieder mit dem Versuch, sich offensiv über die Seite einzuschalten. Allzu fiel lief aber nicht über rechts.

Dragovic (3): Kaum einmal defensiv gefordert, blieb aber konsequent auf seiner Position.

Hinteregger (3): Für den Frankfurt-Legionär gilt dasselbe wie für seinen Nebenmann Dragovic. Allerdings versuchte er sich mehr in die Offensive einzubringen.

Ulmer (3): Unauffällig, aber stets auf der Höhe des Geschehens. Versuchte ebenfalls Druck über links zu machen.

Baumgartlinger (2): Absoluter Ruhepol im Mittelfeld. Erstickte im Verband mit Konrad Laimer jeglichen gegnerischen Angriffsversuch. Versuchte auch Spielwitz einzubringen.

Laimer (1): Stark in der Defensive und mit viel Spielübersicht. Vor allem mit seinen Zuspielen in die Offensive brachte er seine Nebenleute oft in Stellung.

Lazaro (2): Nach anfänglichen leichten Problemen lief der Motor des Italien-Legionärs bald wie geschmiert. Stark in Dribblings und Passspiel, manchmal zu verspielt.

Sabitzer (2): Rotierte viel und versuchte in den Abschluss zu kommen. Nicht immer glücklich dabei, aber stets sorgte er für Gefahr.

Alaba (2): Lauffreudig und mannschaftsdienlich. Fühlte sich in seiner Rolle auf der linken Außenbahn sichtlich wohl. Zuweilen schlichen sich Schlampigkeitsfehler ein.

Arnautovic (2): Als zweifacher Torschütze mit der Matchwinner, zudem sorgte er spielerisch immer wieder für Gustostückchen.

Gregoritsch (0): Sorgte durchaus für Schwung und lieferte eine Torvorlage.

Ilsanker (0): Brauchte nicht einmal eine Minute bis zu seinem Pfosten-Kopfball, der zum Eigentor von Goalie Steinbors führte.