Nadal triumphierte im Tennis-Thriller

Sport / 09.09.2019 • 20:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rafael Nadal ließ nach dem Gewinn seines 19. Grand-Slam-Titels seinen Emotionen freien Lauf.AP
Rafael Nadal ließ nach dem Gewinn seines 19. Grand-Slam-Titels seinen Emotionen freien Lauf.AP

Fast fünf Stunden dauerte das Finale der US Open.

New York Als ein Zusammenschnitt seiner nunmehr 19 Grand-Slam-Siege über die Videoleinwände des Arthur-Ashe-Stadiums flimmerte, übermannten selbst den sonst so beherrschten Rafael Nadal die Gefühle. Tränen kullerten dem völlig abgekämpften Matador über die Wangen, schluchzend vergrub er sein Gesicht in den Händen, während „Rafa, Rafa“-Sprechchöre durch die mächtige Arena schallten.

Der ganze Druck der Final-Schlacht bei den US Open fiel in diesem Moment vom weinenden Superstar ab. „Das ist eine der emotionalsten Nächte meiner Tenniskarriere“, sagte der Spanier anschließend, immer noch mit feuchten Augen. „Normalerweise versuche ich, diese Emotionen zurückzuhalten, aber in diesem Moment war es unmöglich.“ Nur der Schweizer Roger Federer hat bislang einmal mehr bei einem der vier wichtigsten Turniere der Welt gewonnen, Novak Djokovic lauert mit 16 Titeln knapp dahinter.

Vollkommen entkräftet war Nadal zuvor auf den Court der größten Tennisarena der Welt geplumpst, alle Viere von sich gestreckt, nachdem er den beinahe unbeugsamen Russen Daniil Medwedew in epischen 4:50 Stunden mit 7:5, 6:3, 5:7, 4:6, 6:4 niedergekämpft hatte. Wie zwei Boxer nach einem schonungslosen Schlagabtausch fielen sich die Helden der Nacht anschließend in die Arme. Nadal hatte zwar seinen 19. Grand-Slam-Titel gewonnen, den vierten in New York, doch Gewinner waren beide.

Lange Serie

Bei den letzten zwölf Grand-Slam-Turnieren hieß der Sieger immer entweder Djokovic, Nadal oder Federer. Drei lange Jahre konnte niemand in diesen Kreis einbrechen. Der letzte Champion, der nicht aus dem Kreis der großen drei kam, war der Schweizer Stan Wawrinka bei den US Open 2016. Beim diesjährigen New Yorker Turnier hätte der Sieger fast Medwedew geheißen. Denn nachdem Nadal zweieinhalb Sätze lang relativ unspektakulär auf seinen vierten Triumph bei den US Open zusteuerte, begann der Russe plötzlich Alles oder Nichts zu spielen. „Im dritten Satz habe ich mir schon Gedanken gemacht, was ich gleich bei der Siegerehrung als Verlierer so sage“, so Medwedew nach der Partie. „Aber die Fans haben mich so laut unterstützt, dass ich einfach weiter um jeden Punkt gekämpft habe.“ Wie aus dem Nichts holte sich Medwedew den dritten Durchgang und zwang Nadal sogar in den Entscheidungssatz. Die Fans tobten, Nadal wackelte. Mehrere Strafen wegen Zeitspiels musste der Spanier hinnehmen, doch genau daraus zog er Energie für die Wende. Mit dem dritten Matchball machte er alles klar und ließ sich dann völlig erschöpft auf den Boden fallen.