„Werde mich da wieder rausboxen“

Sport / 19.09.2019 • 18:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sebastian Vettel gewann bereits vier Mal in Singapur. Aber 2017 und 2018 wurde er entzaubert. ap
Sebastian Vettel gewann bereits vier Mal in Singapur. Aber 2017 und 2018 wurde er entzaubert. ap

In Singapur muss Sebastian Vettel im Stallduell mit Charles Leclerc die Kurve kriegen.

Singapur Zumindest außerhalb des Rennwagens kommt Charles Leclerc für Sebastian Vettel immer noch genau zur rechten Zeit. „Ich bin eh fertig. Es wäre unhöflich, ihn warten zu lassen“, feixte Vettel, als sein aufmüpfiger Teamkollege gestern ein paar Minuten zu früh zu seiner Pressekonferenz erschien – und der angezählte Ferrari-Starpilot Vettel die Steilvorlage nutzte, um das lästige Frage-Antwort-Spiel vorzeitig zu beenden.

Die zuletzt stotternde Zusammenarbeit der beiden Teamkollegen war auch vor dem Großen Preis von Singapur (Sonntag, 14.10 Uhr) das große Thema. Und besonders Vettel hatte keine Lust, ausgiebig Stellung zu beziehen. „Das gab‘s“, erklärte der viermalige Formel-1-Weltmeister schmallippig auf die Frage, ob nach den Vorkommnissen beim Qualifying von Monza vor zwei Wochen ein Gespräch zwischen den beiden Ferrari-Piloten stattgefunden habe.

Solche Phasen gehören dazu

Leclerc hatte Vettel im Kampf um die Startplätze für den Großen Preis von Italien nicht den vereinbarten Windschatten gespendet. Während der 21-jährige Monegasse von der Pole Position ins Ferrari-Heimrennen ging und gewann, musste Vettel den Lauf von Rang vier angehen. Gestern erklärte er lapidar: „Der Samstag ist mit dem Ende des Qualifyings abgewunken worden. Das lässt sich nicht mehr revidieren.“ Der stets diplomatische Leclerc beteuerte abermals, er habe dies „nicht gewollt“ und fügte an: „Teamplayer zu sein, zahlt sich auf lange Sicht immer aus.“ Überhaupt, als Nummer eins im Team fühle er sich nicht: „Ich weiß nicht, ob es von außen anders aussieht. Intern ist es sehr ausbalanciert.“

Die Ergebnisse allerdings sprachen zuletzt klar für Leclerc. Der Youngster entschied die letzten sieben Qualifying-Duelle für sich, fuhr in Spa und Monza die bislang einzigen Ferrari-Siege der Saison ein und überflügelte seinen deutlich erfahreneren Teamkollegen Vettel als nunmehr WM-Vierter auch in der Fahrer-Wertung (182:169 Punkte).

Vettel, auf den nach seinem Dreher und Platz 13
in Monza teils vernichtende

Kritik einprasselte, sieht sich allerdings keineswegs am Tiefpunkt der Karriere angelangt. „Nein!“, antwortete der 52-malige Grand-Prix-Gewinner auf eine entsprechende Frage und fügte an: „Solche Phasen gehören dazu. Ich habe mich in der Vergangenheit da rausgeboxt, das werde ich auch dieses Mal schaffen.“ In der Entwicklung des Autos werde es „früher oder später klick“ machen, äußerte der seit 23 Rennen sieglose Hesse.

Aus seiner Sicht kann das gar nicht früh genug passieren. Leclerc kommt mit dem instabilen Heck des SF90H deutlich besser zurecht. Neue Aerodynamik-Teile in Singapur können, so hofft Vettel, „uns ein Stück nach vorn bringen“.

Viermal gewann der Deutsche in den verwinkelten Straßen der Löwenstadt, mit dieser Marke kann nur der Weltmeister und klare WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton im Mercedes mithalten.

Für Vettel läutete das 2017er-Rennen in
Singapur

buchstäblich

mit einem lauten Knall das Ende seiner WM-Titelhoff-

nungen ein: Von der Pole Position aus kollidierte der Ferrari-Star noch vor der ersten Kurve mit seinem damaligen Teamkollegen Kimi Räikkönen und Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Das Trio schied aus, Hamilton erbte die Führung, holte sich den Sieg und anschließend auch die Weltmeisterschaft.

Auch 2018 galt Ferrari mit seinem heißen WM-Kandidaten Vettel als Favorit in Singapur, doch die Scuderia wählte das völlig falsche Setup. Hamilton holte sich mit einer Traumrunde die Pole und gewann ungefährdet. Vettel wurde nur Dritter und bekam in der WM anschließend kein Bein mehr auf den Boden.

Leclerc abhängen

Ausgerechnet hier muss er nun die Wende einläuten, um die bohrenden Nachfragen zu seinem Befinden und seiner Zukunft abzustellen. Der Sieg in Singapur dürfte angesichts der Streckencharakteristik nur über Mercedes und Red Bull führen. Doch für Vettel wäre schon ein Zieleinlauf vor Leclerc ein großer Erfolg.

Formel 1

Grand Prix von Singapur

Heute

1. freies Training  10.30 Uhr

2. freies Training 14.30 Uhr

Samstag

3. freies Training 12.00 Uhr

Qualifikation 15.00 Uhr

Sonntag

Formel-1-GP von Singapur 14.10 Uhr

Fernsehen: ORF 1, RTL, SRF, Sky live