Vettel feiert Auferstehung

Sport / 22.09.2019 • 19:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sebastian Vettel und Charles Leclerc feierten in Singapur den ersten Doppelsieg für Ferrari seit zwei Jahren, da gratulierte auch Lewis Hamilton.ap, apa
Sebastian Vettel und Charles Leclerc feierten in Singapur den ersten Doppelsieg für Ferrari seit zwei Jahren, da gratulierte auch Lewis Hamilton.ap, apa

Erster Sieg für den Ferrari-Piloten nach 392 Tagen, Hamilton nur Vierter

Singapur Sebastian Vettel hat im Reifenpoker von Singapur seinen ersten Grand-Prix-Sieg seit 392 Tagen gefeiert – und aus seiner größten sportlichen Krise heraus die Auferstehung in der Formel 1 geschafft. Der angezählte Ex-Champion triumphierte in einer zeitweise unvorhersehbaren Strategieschlacht unter Flutlicht vor seinem wütenden Teamkollegen Charles Leclerc. Der junge Monegasse, zuletzt Sieger in Spa und Monza, fühlte sich vom Team um den Sieg gebracht. Der Machtkampf bei Ferrari dürfte damit endgültig entbrannt sein.

Viel Zusprache

„Ich bin sehr glücklich, das war ein großartiges Rennen“, sagte ein strahlender Vettel: „Die vergangenen Wochen waren nicht einfach für mich, aber ich habe so viel Unterstützung bekommen, so viele Briefe und Nachrichten von Menschen, die mir Mut zugesprochen haben. All das habe ich heute ins Auto gepackt.“

Vettel hatte seit dem Großen Preis von Belgien 2018 auf einen Sieg warten müssen, 23 Mal musste er seither Rückschläge und oft auch eigene Fehler erklären. Für Vettel war es der 53. Formel-1-Erfolg, mit nun fünf Siegen in Singapur ist der viermalige Weltmeister damit Rekordgewinner in der Löwenstadt.

Trotz des dritten Ferrari-Sieges in Folge und des ersten Doppelerfolgs der Scuderia seit Ungarn 2017 bleibt Lewis Hamilton Favorit auf den WM-Titel. Der amtierende Champion im Mercedes verpasste als Vierter zwar das Podest, welches Max Verstappen (Red Bull) komplettierte.

Die Poleposition vom neuen Ferrari-Star Leclerc vor Hamilton und Vettel hatte vor dem 15. Saisonlauf alle überrascht. Ein umfangreiches Aerodynamik-Update katapultierte die 2019 insgesamt enttäuschende Scuderia fast schon sensationell an die Spitze auf einer Strecke, die auf dem Papier vor allem Mercedes liegen sollte.

Nachdem Leclerc beim Start die Führung vor Hamilton und Vettel souverän verteidigte, ließ es der Monegasse auf dem engen Stadtkurs bewusst langsam angehen. Auf diese Weise schonte er die Reifen und minimierte wegen des dicht beisammen liegenden Feldes das Risiko, dass die Konkurrenz versucht, durch einen früheren Boxenstopp an ihm vorbeizukommen. Zwischenzeitlich fuhr der Ferrari-Pilot pro Umlauf 13 Sekunden langsamer als bei seiner Pole-Zeit. Als erster Fahrer aus der Spitzengruppe steuerte Vettel nach 19 Runden die Box an. Der Deutsche legte danach eine Top-Zeit hin – und kam so an Leclerc vorbei, der nur eine Runde später zum Reifenwechsel kam. Leclerc reagierte im Funk fassungslos: „Was zur Hölle?!“ Später polterte er: „Ich verstehe diese Strategie überhaupt nicht.“

Poker mit den Reifen

Der Poker der Top-Teams spitzte sich weiter zu. So verlor Hamilton, der nach Leclercs Reifenwechsel die Führung übernommen hatte, aufgrund plötzlich stark abbauender Pneus so viel Zeit, dass er nach seinem Stopp in Runde 26 hinter Vettel, Leclerc und Verstappen zurückfiel. In Runde 31 überholte Vettel den Italiener Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo, der seine Reifen noch nicht gewechselt hatte, und übernahm die Führung. Das Feld rückte zusammen, als wenig später das Safety-Car ausrückte – wie bei allen vorherigen elf Rennen in Singapur.

Der Ferrari-Kommandostand geriet zunehmend in Sorge und sagte Leclerc vor dem zweiten von drei Re-Starts, er solle „nichts Dummes“ machen. Der gab zurück: „Ich will alles.“ Später erklärte er: „Ich werde nichts Dummes machen oder den Doppelsieg gefährden. Ich denke nur, dass es unfair ist.“