Ferrari braucht einen Schlichter

Sport / 23.09.2019 • 22:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Charles Leclerc fühlte sich in Singapur benachteiligt. ap
Charles Leclerc fühlte sich in Singapur benachteiligt. ap

Explosive Stimmung zwischen Vettel und Leclerc.

Singapur Aufgepumpt mit Sieger-Adrenalin schickte Sebastian Vettel den schmollenden Charles Leclerc mit einer Warnung in die Nacht. „Du irrst dich gewaltig, wenn du jemals denkst, dass du größer als dieses Team bist“, sagte Vettel nach seinem befreienden Erfolg beim Formel-1-Rennen in Singapur – und es gab kaum einen Zweifel, dass der Adressat seiner Worte direkt neben ihm saß. Sein über Platz zwei schwer beleidigter Stallrivale Leclerc hatte da längst den Frieden bei Ferrari in Gefahr gebracht. Der Zweikampf der Piloten um die Vormacht bei der Scuderia droht im Saison-Endspurt zu eskalieren.

Nur mit Mühe wahrte Leclerc beim Jubelbild vor der Ferrari-Garage den schönen Schein und rang sich ein Lächeln ab. Kaum ließen die Fotografen die Kameras sinken, eilte der Monegasse davon. Weil er sich von den Ferrari-Strategen hintergangen fühlte, die Vettel zuerst zum Reifenwechsel und damit zum Sieg gelotst hatten, forderte der 21-Jährige eine Aussprache: „Ich brauche schon noch ein paar Erklärungen, warum diese Entscheidung getroffen wurde.“

Interne Diskussion

Sich einfach wieder hinter dem viermaligen Weltmeister Vettel anzustellen, das ist mit Leclercs brennendem Ehrgeiz nicht vereinbar. Mit zwei Siegen davor in Spa und Monza und der brillanten Fahrt zur Pole Position in Singapur hatte der Wunderknabe den Nummer-1-Status des Deutschen ausradiert. Doch die Abgesänge auf Vettel nach mehr als einem Jahr ohne Erfolg waren verfrüht, dessen etwas glückliche Wiederauferstehung ist für Leclerc schwer zu schlucken.

„Natürlich ist Charles enttäuscht“, sagte Teamchef Mattia Binotto. Er gestand sogar Überlegungen während des Rennens ein, dem Wunsch des nörgelnden Leclerc auf einen Platztausch nachzugeben. „Wir diskutieren immer noch mit unseren Fahrern, ob wir die richtige Wahl getroffen haben oder nicht. Darüber könnte es intern verschiedene Meinungen geben“, sagte Binotto diplomatisch. Der 49-Jährige dürfte jetzt mehr denn je als Schlichter gefordert sein.

Für Vettel und Leclerc geht es in den verbleibenden sechs Saisonläufen auch darum, sich schon für das kommende Jahr als Anführer der nächsten WM-Attacke in Position zu bringen. „Ich bin schon eine Weile bei Ferrari, und wir sind erst wirklich wieder zurück, wenn wir die WM gewinnen“, sagte Vettel.