„Ich muss die Klappe halten“

Sport / 26.09.2019 • 19:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Charles Leclerc gibt sich geläutert: „Meine Reaktion am Funk war nicht so, wie sie sein sollte.“ Reuters
Charles Leclerc gibt sich geläutert: „Meine Reaktion am Funk war nicht so, wie sie sein sollte.“ Reuters

Charles Leclerc zeigt nach dem Singapur-Grand-Prix Reue, Sebastian Vettel Nachsicht.

Sotschi Sebastian Vettel zog sogar den großen Michael Schumacher als Beispiel heran, Charles Leclerc kroch effektvoll zu Kreuze – vor dem Großen Preis von Russland wurde der Auftritt der Ferrari-Stars am Donnerstag in Sotschi zum Friedensgipfel. Wenige Tage nach dem Stresstest von Singapur lautete die Botschaft: Nichts ist größer als die Scuderia. Der Erfolg des Rennstalls steht im Mittelpunkt.

„Es gab zu keinem Zeitpunkt Probleme mit Sebastian“, sagte Leclerc, der am vergangenen Sonntag aufgrund der Teamstrategie den Sieg an seinen Stallrivalen verloren und sich im Funk lautstark darüber beschwert hatte.

Nur Siege im Kopf

Diese Reaktion, sagte der 21-Jährige nun, „war überzogen, das zeigt, dass ich noch viel zu lernen habe. Es wird nicht wieder vorkommen. Das Team hatte recht, die Strategie war die richtige.“

Auslöser sei der während des Rennens so hohe Adrenalinspiegel gewesen. „Ich wache morgens auf und denke an Siege, ich gehe abends schlafen und denke an Siege“, sagte Leclerc. „Das ist sehr wichtig für mich. Aber ich muss mich in diesen Situationen besser kontrollieren und einfach die Klappe halten.“

Leclerc hatte in Singapur die Führung verloren, da das Team eine Chance kurzfristig nutzte und Vettel zuerst zum Stopp rief. Letztlich führte das zum ersten Doppelsieg der Scuderia seit mehr als zwei Jahren, Leclerc aber blieb nur Rang zwei.

Vettel zeigte dennoch Verständnis für seinen elf Jahre jüngeren Kollegen. „Ich kann seinen Unmut nachvollziehen“, sagte der viermalige Weltmeister. „Und man sollte Dinge, die am Funk gesagt werden, nicht überbewerten. Emotionen gehören im Sport dazu, sonst könnte man keine Leistung bringen.“

Seit der Sommerpause zeigt sich Ferrari stark verbessert, sodass beide Piloten mit Mercedes-Star Lewis Hamilton um Siege kämpfen können. Da sei dieser Ehrgeiz normal. „Wir beide wollen gewinnen, auf der obersten Stufe ist aber nur Platz für einen“, sagte Vettel.

Zumindest neben der Strecke scheint der Friede bei Ferrari vorerst stabil. Kommen am Sonntag (13.10 Uhr) wieder Emotionen ins Spiel, wird er auf die Probe gestellt. Und ob dann wirklich der Gedanke an die Schumacher-Ära hilft, bleibt abzuwarten. „Nicht mal Michael war als Pilot größer als das Team“, sagte Vettel. „Und der ist schon ziemlich groß.“

Ferraris Leistung in Singapur deutet darauf hin, dass Maranello endlich sein Auto entschlüsselt hat: Seit dem Saisonbeginn wiederholte Teamchef Mattia Binotto, dass das auf geringen Luftwiderstand ausgelegte Konzept des Boliden ein starkes sei, es fehle jedoch die letzte Idee, um ihn auf allen Strecken siegfähig zu machen.