„Die Rechnung ist beglichen“

Sport / 27.09.2019 • 22:15 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Nach knapp sieben Jahren endet die Ära Zellhofer beim SCR Altach.

Altach Die Vorarlberger Nachrichten berichteten in der letzten Ausgabe von der bevorstehenden Trennung des SCR Altach von seinem Geschäftsführer Sport, Georg Zellhofer. Wenige Stunden später sandte der Klub eine Mitteilung aus, dass die Trennung auch offiziell vollzogen ist. Zellhofer wird in den nächsten Tagen sein Büro räumen und in die Heimat Linz reisen.

Herr Zellhofer, wie gehen Sie mit der Trennung um?

Zellhofer Es geht mir gut dabei. Denn am Ende war es eine Entscheidungsfindung, bei der sowohl der Verein als auch ich hoch erhobenen Hauptes den Besprechungsraum verlassen konnten. Natürlich ist nach dieser langen Zeit auch Wehmut dabei, aber ich kann nur sagen: Ich bin noch nie nach so einem Gespräch so leicht durch die Tür gegangen. Weil wir uns absolut im Guten getrennt haben. Wir alle, Präsident Peter Pfanner, Vizepräsident Werner Gunz und ich, können uns als Freunde trennen und uns auch in Zukunft in die Augen schauen.

Wie kam es überhaupt zu der Entscheidungsfindung, die Zusammenarbeit mit Ihnen als Geschäftsführer zu beenden?

Zellhofer Nach der letzten Transferperiode im Sommer haben wir uns zusammengesetzt und über die Zukunft der Mannschaft und des Klubs gesprochen. Über Ziele und Ausrichtungen. Und da habe ich gespürt, dass die Chemie nicht mehr so da war, wie es schon mal gewesen ist. Was aber kein Vorwurf ist, ich fühlte eben, dass sich nach langer Zeit vieles abgenützt hatte. Dass das Führungsduo Pfanner/Gunz auf neue Impulse setzen möchte. Was ich dann auch so akzeptiert habe. In den letzten Wochen galt es eben ein Szenario auszuarbeiten, in dem ich eben schon vor Ablauf meines Vertrags (bis Sommer 2020) aufhöre.

Ist für Sie der Zeitpunkt nicht etwas überraschend gekommen?

Zellhofer Im Nachhinein betrachtet ist der jetzige Zeitpunkt der beste. Die nächste Transferperiode steht an, in Wahrheit beginnen die sportlichen Planungen schon jetzt. Und dazu braucht man als Klub einen Sportdirektor, der auch voll handlungsfähig ist, Entscheidungen treffen kann und darf. Umgekehrt will man als Sportdirektor ja auch volle Rückendeckung des Vorstandes bei Entscheidungen spüren. Es hätte keinem etwas gebracht, wenn ich jetzt noch bis nächsten Sommer im Büro gesessen wäre, und in Wahrheit hätte ich nichts zu entscheiden gehabt. So geben wir uns eben jetzt die Hand und beenden die Zusammenarbeit.

Ich höre da sogar etwas Zufriedenheit heraus.

Zellhofer Absolut. Denn man muss aufpassen, wann man Abschied nimmt. Bei dem Szenario jetzt konnte ich ja auch den Zeitpunkt der Trennung mitbestimmen. Und wenn schon Trennung, dann bitte sauber. Dafür haben wir alle zu lange und zu gut zusammengearbeitet.

Was bleibt Ihnen von den knapp sieben Jahren Altach im Kopf?

Zellhofer Ich kann mich gut erinnern, dass ich bei meinen Antritt 2013 zu Christoph Längle (Geschäftsführer Finanzen) gesagt habe, dass ich nach dem Abstieg mit dem SCRA aus der Bundesliga 2009 als Trainer noch eine Rechnung offen habe. Den Klub wieder in die höchste Spielklasse Österreichs zurückführen möchte. Und ich denke, das ist eindrucksvoll gelungen. Dass es am Ende fast sieben Jahre in Altach waren, damit habe ich nicht gerechnet. Umso mehr bin ich dem Klub zu Dank verpflichtet, mir die Chance gegeben zu haben, als Sportdirektor zu arbeiten.

Was würden Sie als Höhepunkte Ihrer Amtszeit sehen?

Zellhofer Da gab es viele (lacht). Der Bundesligaaufstieg, der Winterkönig 2016 und dann natürlich das zweimalige Auftreten in der Europa-League-Qualifikation. Es war ja auch unser Ziel, einmal im Flieger zu sitzen und zu einem internationalen Spiel zu fliegen. Dazu der Stadionausbau und der neue Trainingscampus. Alles Dinge, bei denen ich involviert war. Ich vergleiche die Zeit hier mit damals in Pasching, als ich den Klub aus der sechsten Liga in den Europacup geführt habe. Das war, wie eben jetzt Altach, eine richtige Herzensangelegenheit.

Und Rückschläge?

Zellhofer Vielleicht habe ich bei Trainerbestellungen nicht immer das beste Händchen bewiesen. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir immer eine qualitativ starke Mannschaft in Altach hatten. Nur eben manchmal etwas weniger erfolgreich. Das Einzige, was mich vielleicht in der Zeit hier gestört hat, war die manchmal zu große Erwartungshaltung. In meinen Augen war ein achter Platz keine schlechte Sache. Man darf nie vergessen, woher der SCR Altach kommt. Wir haben jeden Klub, auch RB Salzburg, besiegen können. Aber zur Normalität kann das nicht werden.

Was bringt nun die Zukunft?

Zellhofer Jetzt erst einmal durchschnaufen. Ich habe jetzt im Fußball jede Position hinter mir. Ich war Spieler, Trainer und Sportdirektor, habe auf allen Positionen viel gelernt. Ich kann mir schon vorstellen, nochmal als Coach zu arbeiten. Denn die Arbeit mit jungen Menschen macht mir richtig Spaß. Aber wo oder wann, das steht noch in den Sternen. Fakt: Ich mache nur mehr das, wozu ich richtig Lust habe.