ÖOC-Präsident Stoss warnt vor „Vergaben um jeden Preis“

Sport / 03.10.2019 • 18:58 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Doha Man baut in ein offenes Stadion eine Klimaanlage ein und gibt damit für Leichtathletik-Weltmeisterschaften in der Wüste den Startschuss. So weit zur Theorie. In der Praxis gerät die Doha-WM trotz hochklassiger Leistungen zum mittelgroßen Desaster: die Langstreckler laufen in der Mitternachtshitze ums Durchkommen, die Zuschauerplätze bleiben leer. Katar soll trotzdem richtungsweisend sein. „Es ist prinzipiell zu begrüßen, wenn neue Märkte für Sportarten erschlossen werden. Das macht für die Internationalen Sportverbände Sinn, das macht auch für das IOC Sinn. Aber natürlich sollte es nicht um jeden Preis erfolgen“, rät Karl Stoss, der Präsident des Österreichischen Olympischen Komitees und Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee, zur Vorsicht bei Vergaben von Großereignissen.

Ob Marathonläufe um Mitternacht bei 31 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit WM-würdig sind, ist fraglich. „Ob man bei diesen Temperaturen den Athleten einen Marathon zumuten darf, ist eine medizinische Frage“, sagte Stoss. Das geringe Zuschauerinteresse in Katar führt er auf fehlende sportliche Tradition und die Beginnzeiten zurück, die der arbeitenden Bevölkerung nicht entgegenkommen.

„Wir reden von Klimaschutz, wir wissen, dass es eng wird. Und dann gehen wir in ein offenes Stadion, das um fast zwanzig Grad heruntergekühlt wird. Aus Klimasicht ist das ein Wahnsinn“, beleuchtete ÖLV-Präsidentin Sonja Spendelhofer die andere Seite der Medaille. „So ein Scheich belustigt sich mit einer WM doch in erster Linie selber“, schrieb der pensionierte deutsche Diskus-Olympiasieger von 2012, Robert Harting. Mit den Sommerspielen 2020 in Tokio wartet das nächste Großereignis, wo Hitze und Luftfeuchtigkeit ebenfalls die größte Challenge werden. Klimaanlagen in Stadien? Fehlanzeige.