Visionen weiter vorantreiben

Sport / 08.10.2019 • 21:10 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gerhard Grafoner möchte auf den positiven Entwicklungen der letzten Jahre weiter aufbauen.Rosenberger
Gerhard Grafoner möchte auf den positiven Entwicklungen der letzten Jahre weiter aufbauen.Rosenberger

Der Harder Gerhard Grafoner ist Präsident des österreichischen Karateverbands.

Schwarzach Gerhard Grafoner, ehemaliger Karateka und haupt­beruflicher Geschäftsführer und Sportdirektor von Karate Vorarlberg, ist seit 13. September Präsident von Karate Austria. Nachdem der Salzburger Christian Reiter aus beruflichen und persönlichen Gründen das Amt niederlegt hat, übernahm nun der 50-jährige Harder das oberste Amt im ÖKB und will den Bundesfachverband weiterentwickeln. Als Basis dafür dient die erfolgreiche Strategie im Vorarlberger Verband.

Sie sind seit dem 13. September Präsident von Karate Austria. Wie waren die ersten Wochen im neuen Amt?

Grafoner Die ersten Wochen waren sehr turbulent und arbeitsreich. Alleine die Aufgabe als Sportchef von Karate Vorarlberg ist schon eine hundertprozentige, aber die Möglichkeit, unseren Verband weiterzuentwickeln, musste ich nutzen. Natürlich gab es da nach der Übergabe einiges aufzuarbeiten.

Mussten Sie lange darüber nachdenken, bevor Sie das Amt angenommen haben?

Grafoner Wir haben uns innerhalb des Präsidiums im Bundesfachverband Gedanken gemacht, wie es weitergehen soll, nachdem uns der bisherige Präsident Christian Reiter mitgeteilt hat, dass er seine Funktion zurückzulegt. Ich hätte mir auch andere Szenarien vorstellen können, aber auf der anderen Seite wollte ich jetzt einfach Verantwortung übernehmen und die Gelegenheit nutzen.

Sie sind weiterhin hauptamtlicher Geschäftsführer und Sportdirektor von Karate Vorarlberg. Lässt sich das mit Ihrem neuen Amt vereinbaren?

Grafoner Es ist schon nochmal ein Mehraufwand. Ich will das Präsidentenamt ja nicht nur besetzen, sondern ich will im Verband ja auch etwas bewegen. Vor meiner Amtsübernahme beim ÖKB hatte ich viele Gespräche mit Peter Karg, Präsident meines Arbeitgebers Karate Vorarlberg. Gemeinsam haben wir uns dazu entschlossen, es so zu machen wie es nun ist. Das Entscheidende ist, dass ich bei Karate Vorarlberg und im Bundesverband ein tolles Team habe. Dies betrifft sowohl den strategischen als auch den operativen Bereich.

Arbeiten Sie von Vorarlberg aus? Das österreichische Verbandsbüro liegt schließlich in St. Pölten.

Grafoner Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich das Amt nicht ohne die Unterstützung meiner Vorstandskollegen in Innerösterreich und von Generalsekretär Ewald Roth übernehmen kann. Es gibt viele Aufgaben, die wir im Team verteilen und die von anderen Präsidiumsmitgliedern erledigt werden. Dank Internet kann ich auch viele Arbeiten von Vorarlberg aus erledigen.

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert, ist er weniger geregelt als davor?

Grafoner Ich hatte vorher schon keinen geregelten Arbeitsalltag, und jetzt ist er noch weniger geregelt. Aber das ist ja auch das Spannende an meinem Beruf und das, was ich liebe. Mein Job ist vielfältig, tagtäglich komme ich in neue Situationen. In den letzten Wochen war ich jetzt natürlich auch viel am Telefonieren und Mailen, vor allem mit Vertretern der Bundesländer.

Wo steht der österreichische Karatesport aktuell und welche Rolle nimmt dabei Vorarlberg ein?

Grafoner Wir sind sehr professionell aufgestellt. Mit Bettina Plank haben wir aus Vorarlberger Sicht eine Athletin mit guten Olympia-Chancen, Gleiches gilt auch für die zwei Salzburger Stefan Pokorny und Alisa Buchinger. In vier Wochen bei der Nachwuchs-WM in Chile haben wir mit Hanna Devigili, der Götznerin, und Patricia Bahledova aus Höchst zwei Fixstarter. Wichtig ist, dass wir die derzeitigen Strukturen auch nach 2020 beibehalten.

Mit welchen Mitteln und Wegen soll dies nach dem möglichen Olympia-Wegfall geschehen?

Grafoner Das ist die große Frage, die es zu klären gilt. Die Bundesländer müssen in der Ausbildung sowie im finanziellen Bereich eine größere Verantwortung übernehmen. Auf jeden Fall würden uns beim Wegfall des Olympiastatus finanzielle Mittel verloren gehen und wir müssten in der Struktur anpassen. Aber es hat auch schon vor der Aufnahme ins olympische Programm funktioniert, und dies wird auch danach so sein. Die Landesverbände werden einfach noch enger zusammenrücken müssen und die gemeinsam erarbeitete Vision verfolgen.

Gibt es noch eine Möglichkeit, dass Karate bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris doch vertreten sein wird?

Grafoner Uns wurde gesagt, dass bei den Sommerspielen 2020 in Tokio eine Evaluierung geplant ist. Da kommen dann verschiedene Kriterien zum tragen, die eine Sportart selbst nur am Rande beeinflussen kann. Wir gehen so an die Sache heran, dass wir planen, was zu tun ist, sollte es wirklich aus dem Olympiaprogramm fallen. Karate ist gemessen an den Aktiven die weltweit elfgrößte Sportart, und es gab auch schon vor dem Status einer olympischen Sportart attraktive Wettkämpfe.

Ist es für Karate Vorarlberg ein Vorteil, dass sie jetzt auch der Karate-Austria-Präsident sind?

Grafoner Wir haben in Vorarlberg in den letzten sieben Jahren eine enorme Entwicklung gemacht. Ich bin dann schon oft auf Widerstand gestoßen, wenn ich meine Ideen im Bundesverband initieren und weiterführen wollte. Jetzt habe ich natürlich die Möglichkeit, etwas zu verändern, mit der Hoffnung, dass die anderen Bundesländer mitmachen. Wenn ein Land sich verbessert, profitieren auch die anderen davon.