„Österreich wird eine gute Figur abgeben“

Sport / 17.10.2019 • 10:00 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
Marc Janko (r.) als Experte für Sky Sport Austria im Gespräch mit Legende Hans Krankl und Moderator Thomas Trukesitz. GEPA

Der ehemalige Torjäger Marc Janko glaubt an ein starkes Nationalteam bei einer möglichen EM-Endrundenteilnahme 2020.

Markus Krautberger

Wien Marc Janko (36) beendete erst im Sommer 2019 seine 16 Jahre lang anhaltende Karriere. Der 70-fache Nationalspieler erzielte 28 Treffer für Österreich und galt schon zu aktiven Zeiten als Mensch, der gern über den Tellerrand blickte. Den Vorarlberger Nachrichten gab der zweifache Vater Einblicke in sein neues Leben abseits des Rasens, vermittelte zudem seinen Eindruck über das österreichische Nationalteam und die teilweise hässlichen Entwicklungen im europäischen Fußball.

Herr Janko, wie geht es Ihnen als Experte bei Sky auf der anderen Seite des Fußballgeschäfts?

Sehr gut. Nach meiner Rückkehr nach Österreich wollte ich sowieso wieder näher an die Bundesliga ran. Da kam die Anfrage von Sky Sport Austria gerade richtig. Ich habe zwar meine Laufbahn beendet, bin aber trotzdem ganz nah am Fußball dran – das hilft mir vielleicht sogar dabei, nicht in das sogenannte „Loch“ nach der Karriere zu fallen (lacht). Zudem kann ich mir ein sehr gutes Bild machen, denn ich möchte über kurz oder lang wieder im Fußball tätig werden – in welcher Weise, lasse ich mir noch offen.

Sie gelten als Sportler und Mensch, der auch über den Tellerrand blickt und seine Meinung öffentlich kundtut. Wie stehen Sie dazu?

Ich habe in der Vergangenheit Aussagen in der Öffentlichkeit keinesfalls mit Hintergrundgedanken getätigt. Wenn mir etwas am Herzen gelegen ist, habe ich es ausgesprochen. Und dabei habe ich schnell festgestellt, dass man es als Mensch, der in der Öffentlichkeit steht, nie allen recht machen kann. Trotzdem werde ich weiter meine Meinung kundtun und ich ch würde mir wünschen, dass es mehr Sportler gibt die sich zu überparteipolitischen aber wichtigen Themen äussern.Nur so weckt man Interesse für diverse Themen und sorgt für einen Diskurs in der Gesellschaft.

Sie haben in vielen verschiedenen Ländern Fußball gespielt. Wo konnten Sie am meisten mitnehmen?

Ich konnte überall etwas lernen. Am schönsten war es für mich und meine Frau wohl in Sydney. Dort hat alles gepasst. Das Wetter, die freundlichen Menschen, die Kulinarik, das kulturelle Angebot. Wir haben es sehr genossen. In Trabzon habe ich meine Voreingenommenheit gegenüber den Türken abgelegt. Denn ich war aus meiner Kindheit etwas geprägt. Ich bin am Stadtrand von Wien aufgewachsen und habe mich als Zehnjähriger oft mit türkischen Gleichaltrigen am Fußballplatz gestritten. Dort bekam ich den Eindruck, dass Türken von Grund auf aggressiv und streitsüchtig sind. Nicht falsch verstehen, aber ich hatte diesen Gedanken lange im Hinterkopf. Aber die Zeit in Trabzon hat mir gezeigt, wie zuvorkommend die Menschen in der Türkei sind. Wie hilfsbereit und mit welcher Freude die Leute dort lieber geben als nehmen. Und das, obwohl der Großteil der Leute dort sehr arm ist. Das hat dann meine Sicht der Dinge verändert. Denn die Menschen waren nicht nur zu mir, dem Fußballer Janko, freundlich, sondern Freunde und Verwandte, die auf Besuch waren, machten dieselben Erfahrungen.

In der Saison 2008/09 feierte Marc Janko gemeinsam mit dem aktuellen FC Bayern-Trainer Niko Kovac (M.)Gepa nicht nur den Meistertitel sondern auch seine 39 erzielten Tore.
In der Saison 2008/09 feierte Marc Janko gemeinsam mit dem aktuellen FC Bayern-Trainer Niko Kovac (M.)Gepa nicht nur den Meistertitel sondern auch seine 39 erzielten Tore.

Wie stehen Sie zu den rassistischen Vorkommnissen rund um das England-Spiel in Bulgarien und den politischen Äußerungen der türkischen Nationalspieler?

Das ist alles sehr bedauernswert. Ich hoffe, dass Rassismus aus den Stadien und generell aus der Gesellschaft schnellstmöglich verschwindet. Aber man sieht, dass Rassismus immer noch Thema ist, einfach eine traurige Sache. Zur Thematik rund um die türkischen Nationalspieler hatte ich immer schon meine Meinung: Es ist nie ein cleverer Schachzug, wenn man sich als Fußballer auf politisches Eis begibt. Aber leider hat die Vergangenheit bewiesen, dass der Sport und der Fußball immer gerne von der Politik instrumentalisiert und missbraucht wurden. Eine Entwicklung, die meiner Meinung nicht gut ist.

Wie haben Sie die letzten beiden Spiele des ÖFB-Teams gesehen?

In Anbetracht der Umstände – das Team absolvierte ja zuletzt sechs Finalspiele und stand unter immensem Druck – hat die Foda-Elf die Fast-Quali zur EURO 2020 souverän geschafft. Vielleicht war es für manche Beobachter nicht das große Offensivspektakel, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch dreckige Siege einfahren kann. Das zeugt von Qualität. Das Team ist einfach flexibler, was den Spielstil betrifft, geworden. Und das kann beim Finalturnier noch sehr viel wert sein. Dazu kommt, dass die Breite an starken Spielern im Kader es sogar erlaubt, so wertvolle Spieler wie David Alaba und Marko Arnautovic ohne große Probleme zu ersetzen. Ich glaube, Österreich wird bei der EURO eine gute Figur machen, weil man nicht mehr so ausrechenbar ist wie damals 2016.

Warum haben Sie eigentlich das Angebot des ÖFB eines Abschiedsspiels abgelehnt?

Ganz einfach: Ich habe es als nicht angemessen für mich empfunden. Ich habe 70 Länderspiele gemacht und 28 Tore geschossen – wunderbar. Aber ich denke, ein Abschiedsspiel sollte ein Spieler bekommen, der Außergewöhnliches geleistet hat. Zum Beispiel wenn einer 100 Länderspiele gemacht oder den Torrekord geknackt hat – das sind dann die wahren Ikonen, die sollen dann im Schweinwerferlicht stehen.

Marc Janko erzielte 28 Tore für das ÖFB-Nationalteam. Eines davon 2008 im Rahmen der WM-Qualifikation gegen Frankreich. apa
Marc Janko erzielte 28 Tore für das ÖFB-Nationalteam. Eines davon 2008 im Rahmen der WM-Qualifikation gegen Frankreich. apa

Sie waren zuletzt ganz nah dran an der Champions League. Kam keine Wehmut über das Karriereende auf?

Ich war auf diese Situation im Vorfeld auch gespannt. Aber ehrlich: In keiner Sekunde hat es in mir den Wunsch ausgelöst, wieder zu spielen. Auch nicht, als ich Zlatko Junuzovic an der Anfield Road beim Aufwärmen einen Ball zugespielt habe. Und da habe ich gewusst, dass ich mit dem Schritt im Sommer alles richtig gemacht habe. Ich genieße mein Leben jetzt und baue mir gerade Strukturen für den nächsten Lebensabschnitt auf.

Thema österreichische Bundesliga: Wie sehen Sie diese, vor allem nach der Einführung der Reform?

Naja, der Meister steht schon fest, den Titel wird sich Salzburg holen. Aber dahinter wird es ein spannendes Rennen werden. Genauso wie der Kampf gegen den Abstieg. Und da sorgt ja allein schon der Modus für Brisanz. Die Punkteteilung macht dazu alles noch heißer. Was sich in meinen Augen auf die Weiterentwicklung junger Spieler auswirkt. Denn die werden es schwer haben, sich ihre Sporen in der Bundesliga zu verdienen, weil vor allem nach der Teilung der Punkte großer Druck auf den Vereinen und Trainern lastet. Im Abstiegskampf greift man nicht so leicht auf junge Spieler zurück , sondern wird wohl eher auf Erfahrung setzen. Ob das den österreichischen Fußball auf Dauer weiterbringt, wird die Zeit zeigen.

Mit dem Kolumbianer James und dem Brasilianer Hulk feierte Janko den Meistertitel 2012 in Portugal mit dem FC Porto.AP
Mit dem Kolumbianer James und dem Brasilianer Hulk feierte Janko den Meistertitel 2012 in Portugal mit dem FC Porto.AP

Was fällt Ihnen zum SCR Altach ein?

Ein Verein, der sich in der Bundesliga etabliert hat. Aber die letzte Personalentscheidung bezüglich Georg Zellhofer war für mich etwas unverständlich. Die Aussage der Altacher Vereinsverantwortlichen, dass man die nächsten Schritte für eine Entwicklung setzen will, und dann etwas Funktionierendes ändert, erschließt sich mir nicht. Ich habe beim FC Basel hautnah miterlebt, wie man Dinge, die gut gelaufen sind, willentlich verändert hat. Eine neue Führung installiert, eine neue Philosophie ausgerufen – und prompt wurde man dafür bestraft, weil es eben nicht funktioniert hat. Aber vielleicht straft mich der neue Sportdirektor Christian Möckel Lügen und es geht den Weg, den sich die Altacher vorstellen. Ich wünsche es ihnen.

Zum Abschluss: Wie aktiv bleiben Sie nach dem Karriereende?

Ich möchte fit für das Leben sein, aktiv am Leben meiner zwei Töchter teilnehmen und nicht von der Couch aus delegieren, weil ich mich nicht mehr bewegen kann. Deshalb werde ich mich demnächst wieder etwas mehr um meinen Körper kümmern, denn zuletzt war ich etwas faul. Das hat aber auch mit der Operation an beiden Sprunggelenken zu tun. Sobald ich mich auskuriert habe, werde ich daran arbeiten, dass meine zwei Töchter einen fitten Papa haben, mit dem sie spielen können.

Fussball

Marc Janko

Der 36-Jährige absolvierte in seiner Karriere 439 Bewerbsspiele und erzielte 214 Tore. Der Torjäger arbeitet seit Sommer 2019 für Sky Sport Austria als Experte.

Geboren 25. Juni 1983 in Wien

Laufbahn Admira Wacker, RB Salzburg, Twente Enschede (Ned), FC Porto (Por), Trabzonspor (Tur), FC Sydney (Aus), FC Basel (Sui), Sparta Prag (Cze), FC Lugano (Sui)

Nationalteam 70 Spiele/28 Tore

Familie verheiratet, zwei Töchter