Der Videobeweis

Sport / 18.10.2019 • 22:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Nun steht es definitiv fest: Der Videobeweis kommt mit März 2021 auch in der heimischen Bundesliga zum Einsatz. Der Beschluss dazu wurde diese Woche einstimmig von den Bundesliga-klubs getroffen und mit großer Freude unter uns Schiedsrichtern aufgenommen. Denn um international als Österreicher überhaupt noch eine Rolle im Schiedsrichterwesen zu spielen, ist der VAR (Video Assistant Referee) Pflicht. In der Champions League schon ein fixer Bestandteil, kommt er demnächst auch in der Europa League und in den Qualifikationsspielen zur Europa- und Weltmeisterschaft zum Einsatz. Und wer als VAR keine Einsätze vorweisen kann, kommt bei diesen Spielen auch nicht mehr zum Zug.

Intensive Ausbildungszeit

Was das für das österreichische Schiedsrichterwesen bedeutet, kann man sich relativ leicht ausmalen. Zumal der VAR sozusagen Neuland für die heimischen Bundesligaschiedsrichter ist. Wer die Deutsche Bundesliga, die italienische Serie A, die spanische La Liga oder die englische Premier League verfolgt, der weiß das rechteckige Handzeichen der Schiedsrichters zu deuten. Aber es steckt weit mehr dahinter. Für uns in Österreich beginnt die Ausbildung zum VAR im Jänner 2020.

Nachdem feststeht, welcher Anbieter zum Zug kommt, beginnt für uns die mehrwöchige Ausbildung. Diese läuft über mehrere Module und wird nicht nur schriftlich festgehalten, sondern auch bildlich. Die gesamte Ausbildung muss nachweislich dokumentiert und dem International Football Association Board (IFAB) übermittelt werden. Die Grundlage für den VAR bildet das fast 60 Seiten umfassende VAR-Protokoll, das es zu lernen gilt. In diesem Protokoll ist alles Relevante niedergeschrieben. Wann und bei welchen Szenarien darf der VAR überhaupt eingreifen? Diese Frage lässt sich noch einfach beantworten. Bei Toren, Elfmeter, Roten Karten und Verwechslung von Spielern bei Gelber oder Roter Karte.

Elfmeter? Ja oder Nein?

Der Videobeweis soll mehr Gerechtigkeit im Fußball bringen. Aber tut er das wirklich? Alles, was messbar ist, lässt keine Zweifel am Ergebnis aufkommen. Abseitstore wird es mit dem VAR nicht mehr geben. Mit den kalibrierten Linien erkennt man schnell, ob ein strafbares Abseits vorlag oder nicht. Ob es nun aber ein Foulspiel war, das zum Elfer geführt hat, das bleibt immer noch im Ermessen des Schiedsrichters und somit eine Diskussionsgrundlage für jeden Fußballfan. Klar ist zudem auch: Der VAR darf nur eingreifen, wenn die Entscheidung dazu „klar und offensichtlich“ falsch war. Also wird er bei all jenen Elfmeterpfiffen, bei denen ein Zuschauer sagt: „Für mich ist es ein Elfer“, der andere: „Für mich ist es kein Elfer“, nicht eingreifen. Und Elfmeter können nun mal Spiele entscheiden.

Letztentscheidung beim Referee

Interessant wird es für den Schiedsrichter im Feld. Wie wirkt sich das Einschreiten des VAR auf seine Leistung am Platz aus? Wenn er schon zweimal vom VAR korrigiert wurde, dann ist das Selbstvertrauen wohl im Keller. Es braucht starke Persönlichkeiten, um in solchen Situationen das Spiel in geordneten Bahnen über die Bühne zu bringen. Schließlich ist der VAR nur eine Unterstützung des Schiedsrichters und sollte für diesen nicht die Entscheidungen übernehmen. Man darf nicht vergessen, die Letzt-entscheidung hat immer noch der Schiedsrichter im Feld. Egal was ihm der VAR einflüstert. Der Schiedsrichter hat die Möglichkeit, jede Entscheidung, die er laut VAR ändern sollte, in der Review-Area am Spielfeldrand anzusehen und gemäß den Bildern und seiner Einschätzung abzuändern. Bis dahin ist es noch ein intensiver, arbeitsreicher Schulungsaufwand, den wir Schiedsrichter betreiben müssen. Eines will ich aber verdeutlichen: Wir stehen klar hinter dem VAR und freuen uns auf März 2021, wenn es endlich losgeht.

„Man darf nicht vergessen, dass die Letztentscheidung am Feld immer noch der Schiedsrichter hat.“

Robert
Schörgenhofer

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Robert Schörgenhofer (46) ist
aktiver Bundesliga-Schiedsrichter