Achtsamkeit erzeugen

Sport / 23.10.2019 • 20:27 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Warben gemeinsam für mehr Aufmerksamkeit: Michael Zangerl, Horst Lumper und Barbara Schöbi-Fink (v. l.).Mayer
Warben gemeinsam für mehr Aufmerksamkeit: Michael Zangerl, Horst Lumper und Barbara Schöbi-Fink (v. l.).Mayer

Präventionsvideos sollen sexuellen Machtmissbrauch enttabuisieren.

Hohenems Das Thema „sexueller Machtmissbrauch“, der Umgang damit und eine mögliche Sensibilisierung in der Prävention sorgt für ungewöhnlich großen Andrang in der Geschäftsstelle des Vorarlberger Fußballverbandes (VFV). Zusammen mit dem Sportreferat des Landes Vorarlberg hat sich der Verband einen Projekt gewidmet, das im Nachwuchssport eine Kultur des Hinsehens installieren soll. Entstanden sind drei Filme, gemacht speziell einer für Kinder, einer für Trainerinnen bzw. Trainer und ein dritter für die Eltern. Für VFV-Präsident Dr. Horst Lumper eine wichtige Thematik, nicht allein im Fußball. Der offene Umgang damit und eine Null-Tolerenz-Politik sind ihm diesbezüglich sehr wichtig. Deshalb scheut er sich auch nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. „Ja, es hat Vorfälle gegeben“, spricht er über diesbezügliche Ereignisse im Fußball. Nichts Dramatisches sei es gewesen, dennoch sei man seitens des Verbandes sensibilisiert. „Wir achten sehr genau darauf.“ Seit gut zehn Jahren, so VFV-Sportdirektor, arbeite man in der Nachwuchstrainerausbildung auch mit Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch zusammen. Seine Botschaft lautet deshalb: „Befasst euch mit dem Thema, verschließt nicht die Augen.“

Erschreckende Zahlen

Die statistischen Zahlen bezüglich sexueller Übergriffe sind erschreckend. 7500 Mädchen und 2500 Burschen sind in Österreich betroffen, aber nur 700 Anzeigen liegen vor. In Deutschland geht man davon aus, dass zumindest ein Kind in jeder Schulklasse diese schlimme Erfahrung gemacht hat. Gerade Vertrauenspersonen kommt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zu. Seitens des Fußballverbandes versucht man nun, mit den entstandenen Filmen die Basis für eine gute Gesprächskultur. Keineswegs soll damit jedoch der Eindruck entstehen, wonach es gefährlich wäre, Kinder in einen Sportverein zu bringen. Vielmehr sei die Motivation darin zu sehen, nicht auf einen Anlassfall warten zu wollen. Gerade deshalb würde man beim Fußballverband vor einer Nachwuchstrainerausbildung auch genau hinschauen, ob denn die Interessierten auch befähigt sich, im Kinderfußball zu trainieren. „Ausschließen lässt sich nichts“, weiß Michael Zangerl, Leiter des Sportreferats des Landes. Eine gewisse Achtsamkeit, eine sogenannte Aufmerksamkeitskultur sei deshalb umso wichtiger. Mit den Videos habe man nun einen ersten, „wichtigen Schritt“ gesetzt, ist sich Lumper sicher. Deshalb werde man im Verband die Filme auch ganz offensiv bewerben und einsetzen. Präsident Lumper will diese auch bei seinen Landesverbandkollegen und im ÖFB bewerben.

„Das Trainerwesen hat sich verändert. Zu sensibilisieren ist deshalb sehr wichtig.

Die Videos zum Thema „sexueller Machtmissbrauch“ gibt es auf VN.at zum Nachsehen