Ski alpin: Liensberger fehlt in Sölden

Sport / 23.10.2019 • 23:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Beim Weltcupauftakt am Wochenende in Sölden ist Katharina Liensberger nur in der Zuschauerrolle. GEPA
Beim Weltcupauftakt am Wochenende in Sölden ist Katharina Liensberger nur in der Zuschauerrolle. GEPA

Der Österreichische Skiverband beharrt auf einem Vertrag mit ihrem ehemaligen Ausrüster Rossignol.

Schwarzach Das Materialproblem bei Katharina Liensberger wartet immer noch auf eine Lösung, die Vorarlbergerin bekommt beim Weltcup-Auftakt am Samstag in Sölden im Riesentorlauf vom Österreichischen Skiverband (ÖSV) keinen Startplatz. Der Skiverband gab Liensberger nun biszum 15. November Zeit, einen neuen Mehrjahresvertrag mit Rossignol abzuschließen. Die Team-Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hat sich aber nach Auslaufen des Rossignol-Kontrakts im Mai an Kästle gebunden.

ÖSV besteht auf neuem Vertrag

ÖSV-Sportdirektor Toni Giger erklärte in einer Aussendung des Skiverbandes: „Sie hat bis heute 12 Uhr nicht die notwendigen Ausrüstungsverträge beim Austria Skipool vorgelegt. Daher kann ihr der ÖSV beim Weltcup-Riesentorlauf am Samstag in Sölden keinen Startplatz gewähren. Sobald der Ausrüstungsvertrag dem Austria Skipool vorliegt, wird der ÖSV sie für die kommenden Weltcup-Rennen nominieren“, so Giger weiter.
Vertragsprobleme hin oder her. Liensberger wäre wohl so oder so nicht an den Start gegangen. Der psychische Druck war zuletzt zu groß geworden, ein Renneinsatz nicht zu verantworten. Mit dem Material, das sie zuletzt im Training zur Verfügung hatte, wäre die 22-Jährige nicht in der Verfassung gewesen, rennmäßig Ski zu fahren. Im Training fehlten der Göfnerin mehr als drei Sekunden auf die Besten. Beim den Zeitläufen in Neuseeland im August war Liensberger mit dem Kästle-Ski am schnellsten unterwegs.
Kein Wort verliert der Skiverband weiterhin darüber, dass man sich die Probleme selbst eingebrockt hat. Dafür wühlt man in Verträgen und Klauseln, versucht mit immer neuen Spitzfindigkeiten aus der Nummer rauszukommen. Liensberger hatte sich beim Skipool (ASP) abgesichert, nachdem absehbar war, dass sie einen neuen Schuh benötigen werde. Der ASP soll bereit gewesen sein, die Verwendung der Schuhe zu regeln. Liensberger vertraute auch der Zusage, dass gekaufte Schuhe im Rennbetrieb verwendet werden können. Lange war nach Intervention der Mutterfirma Rossignol dann nicht bereit, Liensberger auf ihrem Schuhmaterial starten zu lassen. Ein fast fertiger Deal mit einem anderen Schuhhersteller (Dalbello) kam dann trotz intensiver Vorarbeiten nicht zustande.

Vertrauensverlust ist da

Der Vertrauensverlust in den Skiverband ist mittlerweile so groß, dass ein Szenario immer näher rückt: Liensberger verzichtet auf die Saison, sucht um die Freigabe für einen anderen Skiverband an, der mit Tschechien gefunden werden könnte. Über Tomas Nemec, den tschechischen Mehrheitseigentümer ihres Skiherstellers Kästle und auch Masters-Rennläufer, könnten entsprechende Schritte eingeleitet werden.
Die Unterstützung für Liensberger in Vorarlberg bleibt, meist mit dem Hinweis auf die Komplexität der Sache, überschaubar. Das Land Vorarlberg unterstützt in vielen Facetten die Skifahrer, wie im Training oder bei der Rehabilitation. „Wir erkundigen uns regelmäßig nach der Situation, in erster Linie beim Vorarlberger Skiverband“, sagt Michael Zangerl, Leiter des Sportreferats zur Causa Liensberger. „Direkt haben wir aber keine Handhabe. Es gibt die Autonomie des Sports, wir können dem Verband nicht sagen, was er zu tun hat. Wir kennen die Verträge nicht, können es juristisch nicht klären. Es ist uns aber ein Anliegen, das Katharina ungestört Skifahren kann.“

Guter Dinge

Auch beim Skiverband sind Lösungsversuche überschaubar. „Von unserer Seite ist es nur möglich, beide Seiten zusammenzubringen“, sagt Präsident Walter Hlebayna. „Das tun wir. Wir haben aber keine Einsicht in Verträge, wissen im Detail nicht, was passiert ist.“
Optimistisch gibt man sich bei Liensbergers Kopfsponsor Rauch. „Wir sind Partner vom Skiverband und von Liensberger“, sagt Marketingchef Daniel Wüstner. „Und wir sind noch immer guter Dinge und hoffen, dass sich die Geschichte in Wohlgefallen auflöst.“