Alice im Wunderland

Sport / 27.10.2019 • 19:59 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Erster Sieg mit 17 Jahren, heute muss Alice Robinson wieder in die Schule. apa
Erster Sieg mit 17 Jahren, heute muss Alice Robinson wieder in die Schule. apa

Alice Robinson sorgte mit Sölden-Sieg für Knalleffekt.

Sölden Mit nur 24 Jahren von der eigenen Vergangenheit eingeholt zu werden, geschieht nicht oft. Mikaela Shiffrin ist das in der Person von Alice Robinson passiert. Wie sie selbst Ende 2012 in Aare gewann die Neuseeländerin nun in Sölden mit erst 17 Jahren sensationell ihr erstes Weltcuprennen. „Es ist wie eine Zeitreise“, fühlte sich die geschlagene Favoritin erinnert. „Ein Super-Job von Alice!“

Die im Vorfeld in Sölden aufgetauchte Frage, wer den Ski-Superstar aus den USA im Riesentorlauf schlagen könne, beantwortete sich gleich auf dem Rettenbach-Gletscher. Nach Platz zwei zur Halbzeit genügte dem Sensations-Teenager im Finale die 14. Laufzeit, um Shiffrin (18.) noch um sechs Hundertstel abzufangen. Es war der erst sechste Weltcupsieg für Neuseeland, der erste im Riesentorlauf. Für die anderen hatten Annelise Coberger (1) bzw. die für Neuseeland fahrende Salzburgerin Claudia Riegler (4) jeweils im Slalom gesorgt.

„Bloooooooody awesooooome“, postete Riegler auf Facebook. „Ich bin immer noch geschockt“, meinte Robinson bei der Pressekonferenz. „Es wird bestimmt eine Zeit dauern, bis das sinkt“, ergänzte die 17-Jährige, die in Sydney geboren, aber mit vier Jahren nach Neuseeland übersiedelt und dort in Queenstown aufgewachsen ist.

Angriff war das Rezept

Ihr Premierensieg wird immer verbunden sein mit dem Halbfinal-Aus der All Blacks bei der Rugby-WM in Japan. „Darüber bin ich total traurig. Umso mehr hoffe ich, dass mein Sieg für positive News sorgt“, sagte Robinson. Im Finale habe sie nicht mehr taktiert. „Es war so eng, ich konnte nur angreifen.“

So groß die Überraschung auch war, die wirklich ganz große Sensation ist der Sieg Robinsons nicht. Denn der Teenager hatte schon bei der WM in Schweden mit Laufbestzeit im zweiten RTL-Durchgang sowie dann Platz zwei beim Weltcup-Finale in Soldeu – hinter Shiffrin – sein Riesen-Potenzial aufgezeigt. Dazwischen war Robinson mit über einer Sekunde Vorsprung Junioren-Weltmeisterin im RTL geworden.

Seit diesem Oktober ist sie deshalb auch im Athleten-Projekt von Red Bull, teilt sich dort den Physio-Therapeuten mit Henrik Kristoffersen und bekommt auch Hilfe beim Organisieren ihrer Europa-Basis in Italien. Ihr Head-Coach Chris Knight hat früher US-Asse wie Julia Mancuso oder Lindsey Vonn trainiert. „Selbst wenn ich ganz weit greife, sehe ich keine fünf Läuferinnen, die so einen Schwung fahren können wie Alice“, lautet das Urteil von Robert Trenkwalder.