WM-Party muss noch warten

Sport / 27.10.2019 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gedränge nach dem Start beim Grand Prix in Mexiko-Stadt. Lewis Hamilton musste über den Umweg Wiese zurück ins Rennen. gepa
Gedränge nach dem Start beim Grand Prix in Mexiko-Stadt. Lewis Hamilton musste über den Umweg Wiese zurück ins Rennen. gepa

Sieg in Mexiko für Lewis Hamilton, der Titel ist aber zum Austin-GP verschoben.

Mexiko-Stadt Mexiko-Sieg, aber noch keine WM-Party: Lewis Hamilton muss mindestens noch eine Woche auf den Gewinn seiner sechsten Weltmeisterschaft warten. Der Mercedes-Star feierte beim Großen Preis von Mexiko zwar seinen zehnten Saisonsieg und tat damit sein Bestes für eine große Fiesta, doch sein Teamkollege Valtteri Bottas wahrte durch Rang drei noch einmal seine minimale rechnerische Chance auf die Krone, und wieder einmal stand Ferrari den Silberpfeilen Pate.

„Wir haben es durchgezogen“

Die aus Reihe eins gestartete Scuderia erreichte im Autodromo Hermanos Rodriguez nach wieder einmal zweifelhaften strategischen Entscheidungen nur den zweiten Platz durch Sebastian Vettel und den vierten durch Pole-Setter Charles Leclerc. „Mir ist egal, dass ich noch warten muss, ich liebe Racing und ich nehme einfach ein Rennen nach dem anderen“, sagte Hamilton. „Das ist ein unglaubliches Ergebnis, wir wussten, dass es ein schwieriges Rennen für uns sein würde, aber wir haben es durchgezogen.“

Hamilton reist nach seinem 83. Karrieresieg, der gleichbedeutend ist mit dem 100. Formel-1-Erfolg von Mercedes als Werksteam, mit einem Polster von 74 Punkten zu seinem Lieblingsrennen in Austin am Sonntag. Ein achter Platz genügt dem Briten, um auf dem Circuit of the Americas seine sechste WM aus eigener Kraft zu sichern – und bis auf einen Titel an Rekordweltmeister Michael Schumacher heranzurücken.

„Es ist egal, wo ich es schaffe. Hauptsache, ich schaffe es“, hatte Hamilton erklärt. Optimistisch, dass er in Mexiko gewinnen könnte, war er sowieso nicht. Besonders im Vorjahr kam Serien-Teamweltmeister Mercedes mit den besonderen Bedingungen auf mehr als 2200 Metern überhaupt nicht zurecht. Hamilton sprach deswegen vom „härtesten Rennen des Jahres für uns“. Doch Mercedes steigerte sich von Tag zu Tag und ließ die stärker eingeschätzten Ferraris dank der besseren Reifenstrategie hinter sich.

Großer Verlierer war Max Verstappen. Der Mexiko-Sieger von 2017 und 2018 verlor zunächst nachträglich seine Pole Position, weil er unter gelber Flagge die Bestzeit gefahren war, anstatt deutlich zu verlangsamen. Nach zwei frühen Scharmützeln im Rennen kam der Red-Bull-Pilot nicht über Rang sechs hinaus.

Zum vierten Mal in dieser Saison starteten beide Ferrari aus Reihe eins, allerdings wurde diese Ausgangsposition nur in Belgien durch Leclerc zum Sieg veredelt. Auch dieses Mal verhedderte sich der Vettel-Rennstall. Als die Ampel erlosch, hielten sich die beiden roten Rennwagen aus den Turbulenzen heraus. Vettel aber ließ Hamilton nur wenig Platz, wodurch dessen Mercedes mit zwei Reifen aufs Gras musste.

Reifenpoker um den Sieg

In der ersten Kurve berührten sich Hamilton und Verstappen, Alex Albon im zweiten Red Bull war der Nutznießer und übernahm Rang drei. Verstappen fiel auf Rang acht zurück, wenig später schlitzte er sich beim Überholversuch gegen Bottas den rechten Hinterreifen auf und kam als Letzter auf die Strecke zurück.

An der Spitze entwickelte sich mit dem ersten Boxenstopp von Leclerc nach 16 der 71 Runden ein Reifenpoker. Während Ferrari den Monegassen damit auf eine Zwei-Stopp-Strategie setzte, versuchten die beiden Mercedes und auch Vettel, das Rennen in der eigentlich Reifen fressenden Höhe von Mexiko-Stadt, mit nur einem Boxenstopp zu beenden.