„Alles oder nichts – das ist jetzt das Motto“

Sport / 01.11.2019 • 22:41 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Augen zu und durch“ ist wohl die falsche Herangehensweise für die Altacher beim anstehenden Westderby gegen WSG Tirol. Verteidiger Matthias Maak und Co. sollen jetzt eine Reaktion auf die letzten Wochen zeigen.Gepa
„Augen zu und durch“ ist wohl die falsche Herangehensweise für die Altacher beim anstehenden Westderby gegen WSG Tirol. Verteidiger Matthias Maak und Co. sollen jetzt eine Reaktion auf die letzten Wochen zeigen.Gepa

SCR-Altach-Cheftrainer Alex Pastoor fordert von seinem Team gegen Wattens besondere Einstellung.

Markus Krautberger

Altach Louis van Gaal sprach 2010 als FC-Bayern-Trainer von „Tod oder Gladiolen“. Sein Landsmann und Freund Alex Pastoor spricht heute als Coach des SCR Altach von einem „Do or die“-Match, das ihn und seine Mannschaft am Sonntag (14.30 Uhr) bei der WSG Tirol am Innsbrucker Tivoli erwartet. Der Trainer meint damit vor allem, dass seine Spieler ab sofort eine „Alles oder nichts“-Mentalität an den Tag legen müssen. Und am Ende soll in Tirol möglichst „Alles“ herausschauen, sprich ein Punktegewinn. Mehr kann man dieser Tage von den Rheindörflern wohl gar nicht verlangen. Zu verunsichert agiert das Team rund um Kapitän Martin Kobras seit vielen Wochen. Sechs Niederlagen in den vergangenen sechs Spielen sprechen eine zu deutliche Sprache. Der letzte volle Erfolg glückte am 15. September – 6:0 zu Hause gegen St. Pölten. Seitdem bezog man nur Prügel, 2:18 lautet das Torverhältnis der Altacher. Und nun schlägt Pastoor selbst gegenüber seinen Kickern eine deutlich härtere Tonart an, wenn er meint, „dass die Jungs hier zwar alle in Ordnung sind. Aber wir sind hier nicht beim SCR Altach zusammen, weil wir so nett sind, sondern weil wir Leistung bringen sollen. Und da soll sich jeder Einzelne schleunigst hinterfragen.“ Konkret meint der Coach, dass die Mannschaft in der Defensive und Offensive überhaupt keine Durchschlagskraft hat, „zwischen den beiden Strafräumen spielen wir gefällig mit, aber dort, wo es ums Eingemachte geht, sind wir nicht vorhanden“.

Mentalität ist gefragt

Der 53-Jährige hat in seiner langen Laufbahn als Spieler und Trainer schon ähnliche Talfahrten erlebt, von einem Trick, wie man wieder zurück in die Spur findet, kann er aber auch nicht berichten. „Denn es kommt dabei immer auf die Mentalität der Spieler an. Wie sehr will man aus dieser Spirale rauskommen? Zudem sind wir an einem Punkt angekommen, wo es um das Image des Klubs geht“, spricht der Niederländer Klartext und verweist auch darauf, „dass viele Leute ihr Herzblut in den Klub stecken und den Spielern alles möglich machen“. Die Spieler sollen nun gegen Wattens beginnen, „zurückzuzahlen“, sich ihrer Ehre als Fußballer bewusst werden. Dabei stellt der Coach einigen Spielern, ohne Namen zu nennen, die Rute ins Fenster, wenn er erklärt, „dass es für einige Akteure auch um ihre Karriere geht. Und wenn die Leistung weiter nicht stimmt, werde ich dies auch den Verantwortlichen kundtun.“

Jugend vor

Erste Maßnahmen waren in den letzten Spielen bereits bemerkbar. Junge Talente wie Johannes Tartarotti, Lars Nussbaumer oder Anderson waren immer öfter in der Startformation zu finden. Dieser Linie will Pastoor auch in Zukunft treu bleiben, „weil mir die vermeintlich erfahrenen Akteure auch keine besseren Leistungen garantieren konnten. Deshalb setzte ich darauf, jungen Spielern, von denen der Verein in Zukunft profitieren kann, viele Einsatzminuten zu geben,“ erklärt der Trainer. Verteidiger Emir Karic, der in seiner jungen Laufbahn erstmals mit solch einer Durststrecke konfrontiert ist, appelliert vor dem West-Derby, „dass jeder im Team nun sein Ego hintanstellen muss. Wir haben alle zuletzt wirklich viel falsch gemacht. Jetzt müssen wir uns in den Dienst des Vereins stellen und darum kämpfen, aus dieser Abwärtsspirale wieder rauszukommen – als Mannschaft“.

Wie sehr der Stuhl des Trainers selbst wackelt, bleibt abzuwarten. Bis dato gab es von Neo-Sportdirektor Christian Möckel keine offizielle Aussage – weder zur Performance der Mannschaft noch zum Job des Trainers. Ein Vakuum, das der Verein nach der Trennung von Georg Zellhofer selbst herbeiführte, da Möckel erst seit dem 1. November offiziell tätig ist. Dafür soll der Sportdirektor letzte Woche in Liechtenstein gesehen worden sein – mit einem deutschen Trainer.

„Wir sind hier nicht in Altach weil wir so nett sind, sondern weil wir Leistung zeigen sollen.“

SCRA-Goalie Martin Kobras hatte in den letzten Wochen kein leichtes Leben.gepa
SCRA-Goalie Martin Kobras hatte in den letzten Wochen kein leichtes Leben.gepa

Fußball, tipico Bundesliga 2019/20

13. Spieltag

SK Sturm Graz – Wolfsberger AC heute

Merkur Arena, 17 Uhr, SR Schörgenhofer (V) SKY SPORT AUSTRIA (LIVE)

SK Rapid Wien – SKN St. Pölten heute

Allianz Stadion, 17 Uhr, SR Schüttengruber (OÖ) SKY sport Austria (live)

SV Mattersburg – FC RB Salzburg heute

Profertil Arena, 17 Uhr, SR Ciochirca (ST) SKY sport Austria (live)

WSG Tirol – Cashpoint SCR Altach Sonntag

Tivoli Stadion Tirol, 14.30 Uhr, SR Ebner (OÖ) SKY SPORT AUSTRIA (live)

FC Admira Wacker Mödling – TSV Hartberg Sonntag

BSFZ Arena, 14.30 Uhr, SR Felix Ouschan (V) SKY sport Austria (live)

LASK Linz – FK Austria Wien Sonntag

Pasching, Raiffeisen Arena, 17 Uhr, SR Eisner (ST) SKY SPORT AUSTRIA (live)

Tabelle

 1. FC RB Salzburg 12 10 2 0 50:12 + 38 32

 2. LASK Linz 12 9 2 1 26: 8 + 18 29

 3. Wolfsberger AC 12 7 3 2 30:13 + 17 24

 4. SK Rapid Wien 12 6 3 3 25:17 +  8 21

 5. SK Sturm Graz 12 6 2 4 20:11 +  9 20

 6. TSV Hartberg 12 5 3 4 24:24 +/-  0 18

 7. FK Austria Wien 12 3 3 6 17:25 –  7 12

 8. WSG Tirol 12 3 3 6 16:23 –  7 12

 9. SV Mattersburg 12 3 1 8 17:35 – 18 10

10. FC Admira W. Mödling 12 2 3 7 14:31 – 17 9

11. Cashpoint SCR Altach 12 2 1 9 17:31 – 14 7

12. SKN St. Pölten 12 1 4 7 6:33 – 27 7

Teamnews

WSG TIROL

AUFSTELLUNG (4-4-2) Oswald; Neurauter, Hager, Gugganig, Buchacher; Toplitsch, Svoboda, Rieder, Pranter; Yeboah, Dedic

Ersatz Grünwald; Santin, Mader, Nitzlnader, Adjei, Jurdik

Es fehlen Cabrera (Schulter-OP), Jauregui (Schambeinentzündung)

CASHPOINT SCR ALTACH

AUFSTELLUNG (4-4-1-1) Kobras; Oum Gouet, Anderson, Maak, Karic; Jamnig, Zwischenbrugger, L. Nussbaumer, Tartarotti; Fischer; M. Berisha

Ersatz Durakovic; Schmiedl, Gebauer, Sam, Pangop, Schreiner, Gschweidl

Es fehlen Thurnwald (Wadenblessur), Netzer (Hüftoperation), Meilinger (Schienbeinbruch), Diakite (Knieverletzung)