Hütter erlebt Sternstunde gegen Bayern

Sport / 03.11.2019 • 21:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Niko Kovac kostete die 1:5-Pleite in Frankfurt den Job bei den Bayern.Afp
Niko Kovac kostete die 1:5-Pleite in Frankfurt den Job bei den Bayern.Afp

Eintracht Frankfurt demütigt Bayern München mit 5:1 und sorgt für Entlassung von Niko Kovac.

Frankfurt, München Für Eintracht Frankfurt war das 5:1 (2:1) gegen Bayern München eine Sternstunde. „Das ist etwas Besonderes, auch in der Höhe“, sagte Abwehrchef Martin Hinteregger nach dem ersten Bundesligasieg gegen den Rekordmeister seit 2010 mit breitem Grinsen. „Es war ein richtiger Festtag.“ Auch Eintracht-Trainer Adi Hütter war nach dem Fußball-Rausch „stolz und glücklich“, hält den Triumph aber vor allem für das Europa-League-Vorhaben am Donnerstag (18.55 Uhr) bei Standard Lüttich für „eminent“ wichtig. „Wenn wir das Spiel gewinnen, machen wir einen richtig großen Schritt ins Sechzehntelfinale“, sagte der 49-jährige Österreicher. „Natürlich gibt das 5:1 gegen Bayern dafür Selbstvertrauen.“ Schließlich hatten die Hessen gegen die Münchner nach dem DFB-Pokalsieg 2018 in der vergangenen Saison das Gegenteil erlebt. Im Supercup (0:5) und den beiden Liga-Spielen (0:3, 1:5) demütigten sie die Münchner. „1:13-Tore gegen Bayern. Ich weiß also, wie sich so etwas anfühlt“, sagte Hütter nach dem nicht „alltäglichen Sieg“. Den Frankfurtern spielte beim Bayern-Knockout vieles in die Karten. Die frühe Rote Karte für Münchens Innenverteidiger Jérôme Boateng (10. Minute) und die verunsichernde Krisenstimmung beim Topklub von der Isar. Doch die Hütter-Truppe selbst beeindruckte: Clever nutzte sie die Überzahlsituation und inszenierte variantenreich Angriff um Angriff auf das Tor von Bayern-Keeper Manuel Neuer. „Gefühlt ist das Team spielstärker als im letzten Jahr“, befand Eintracht-Dribbler Filip Kostic.

Am Teppich bleiben

Vor 51.500 Zuschauern übernahmen das Toreschießen Kostic (25.), Djibril Sow (33.), David Abraham (49.), Martin Hinteregger (61.) und Goncalo Paciencia (85.). Der Treffer von Robert Lewandowski (37.) zum 1:2-Zwischenstand änderte nichts am Debakel der Bayern. Allerdings muss die heimstärkste Mannschaft der Bundesliga auch in der Fremde besser auftrumpfen. „Wir müssen auswärts gewinnen, um oben dabei zu sein. Da hängen wir hinterher“, forderte Hütter. Er weiß aber nicht nur um dieses Manko, sondern ebenso um die Gefahr, nach so einer Glanztat wie gegen die Bayern an Spannkraft zu verlieren: „Wir müssen kühlen Kopf bewahren und die Kirche im Dorf lassen.“

Am Sonntagabend war Schluss

Der FC Bayern München muss nach dem 1:5-Debakel bei Eintracht Frankfurt die schwerste Niederlage in der deutschen Bundesliga seit über zehn Jahren aufarbeiten. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und der scheidende Präsident Uli Hoeneß hatten ihren schwer angeschlagenen Coach nach der Pleite mit keinem Wort gestärkt. Kovac selbst sagte: „Ich gehe enttäuscht und traurig in den Bus.“ Als er nach der Rückkehr in München mit dem vor der Presse ebenfalls schweigenden Sportdirektor Hasan Salihamidzic angeregt diskutierte, war seine Zukunft so ungewiss wie nie. Der Double-Gewinner verteidigte sich nach der höchsten Liga-Niederlage seit April 2009 vor allen Mikrofonen und im Kreuzverhör der Pressekonferenz. Ob Kovac die kommende englische Woche mit Spielen gegen Olympiakos Piräus und Borussia Dortmund noch als Bayern-Trainer erlebe? „Das weiß ich nicht.“ So, wie seine Antworten klangen, sah Kovac auch aus: schwer gezeichnet, mitgenommen und mit einer großen Portion Ungewissheit über die eigene Zukunft.

Am Sonntagabend war es dann aber gewiß: Der FC Bayern München bestätigte die Trennung von Niko Kovac und seinem Bruder Robert. Der Klub zog damit die Konsequenz aus der 1:5-Pleite. Der 48-jährige Kroate hatte den Job im Sommer 2018 übernommen. Kovac hatte schon direkt nach dem Spiel wenig Zuversicht auf eine Weiterbeschäftigung gezeigt. „Ich weiß, wie das Geschäft läuft. Ich bin nicht naiv oder blauäugig“, sagte er nach der desolaten Vorstellung der Bayern. Bis auf weiteres wird Cotrainer Hans Flick die Mannschaft betreuen.

„Ich bin stolz und glücklich. Aber wir müssen trotzdem die Kirche im Dorf lassen.“