„Ich arbeite noch an einem Meisterstück“

Sport / 04.11.2019 • 21:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Weltmeister Lewis Hamilton bekommt vomFeiern nicht genug. ap
Weltmeister Lewis Hamilton bekommt vom

Feiern nicht genug. ap

Lewis Hamilton trennt nur noch ein WM-Titel von Michael Schumacher.

Austin Irgendwann wirkte es, als wäre die britische Flagge ein Körperteil von Lewis Hamilton geworden, so oft und ausdauernd spannte der nun sechsmalige Formel-1-Weltmeister den „Union Jack“ um seine Schultern. Sein vorzeitiger Titelgewinn war keine Überraschung. Doch die Frage, wann der Rekordjäger sich auch noch die wichtigste Bestmarke von Michael Schumacher schnappt, stellte sich in Austin drängender denn je.

So nah und doch weit weg

„Michael zu erreichen, war nie ein Ziel von mir. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals auch nur in seine Nähe kommen würde“, sagte der Mercedes-Star nach seinem eisern erkämpften zweiten Platz beim Großen Preis der USA: „Obwohl seine Rekorde so nah scheinen, sind sie sehr weit weg. Es braucht nochmals eine unglaubliche Leistung.“

Doch wer Hamilton kennt, der seit mehr als zwei Jahren schon der erfolgreichste Qualifyer der Formel-1-Historie ist, der weiß zu gut, dass Schumachers Marke von sieben Weltmeisterschaften schon 2020 ebenso in Gefahr ist wie der Rekord von 91 Siegen. Hamilton steht bei 83 Grand-Prix-Erfolgen, seit 2014 kamen im Schnitt zehn pro Saison dazu.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff verneigte sich entsprechend tief vor dem 34-Jährigen. „Es ist sehr schwer, die Marke von sieben Titeln zu erreichen“, sagte der Österreicher, „aber ich sehe keinen Grund, warum es nicht mit dem siebten Titel klappen sollte, wenn wir ihm das richtige Auto hinstellen.“ Talent treffe bei Hamilton auf „das permanente Streben nach Selbstverbesserung“. Das mache diesen „zum herausragenden Fahrer seiner Generation“, befand Wolff.

Auch die Konkurrenz erkannte Hamiltons abermalige Überlegenheit in diesem Jahr neidlos an. „Lewis war auf einem unglaublichen Level. Ich habe das nicht in jedem Rennen geschafft“, erklärte sein Teamkollege Valtteri Bottas, der trotz seines Sieges in Austin vor den letzten beiden Saisonrennen keine rechnerische Chance mehr auf die WM hat.

Wer aber kann Mercedes und seinen Topstar im nächsten Jahr gefährden und den Schumacher-Rekord vielleicht noch verteidigen? „Wir waren nicht sehr wettbewerbsfähig in den letzten Rennen“, warnte Wolff. Zwar gewannen seine Fahrer die vergangenen vier Rennen, doch tatsächlich rückten Ferrari und Red Bull dem Team-Weltmeister der vergangenen sechs Jahre immer mehr auf die Pelle. Die Silberpfeile sind nur noch Nuancen voraus.

„Bin noch nicht fertig“

Ferrari allerdings schwächelte in Texas massiv. Ob der Grund ein schwieriges Wochenende mit einem Motortausch bei Leclerc und einem verkorksten Rennen bei Vettel war oder aber eine technische Direktive des Weltverbandes FIA zum Benzindurchfluss, darüber gingen die Meinungen im Fahrerlager auseinander.

2021 kommen neue Regeln, die das Feld durcheinanderwirbeln könnten. Vielleicht bedeutet dieser Einschnitt das Ende der Mercedes-Regentschaft. Hamilton ließ diese Frage an seinem großen Tag kalt, mit 34 Jahren ist der einstige Heißsporn auf dem Zenit seiner Leistungsfähigkeit. „Ich war konstant im Qualifying, aber ich hatte nicht mehr die großen Glanzlichter. Trotzdem glaube ich, dass es meine beste Saison war“, sagte Hamilton und ließ einen Satz folgen, der in den Ohren seiner Kontrahenten wie eine Drohung klingen muss: „Ich arbeite noch an einem Meisterstück, ich bin noch nicht fertig.“