Schnelles Ende nach 170 Tagen

Sport / 05.11.2019 • 20:03 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Am Ende war wenig von Aufbruchsstimmung beim Club zu spüren, vor allem der Zorn der Fans richtete sich dabei gegen Cheftrainer Damir Canadi.Zink
Am Ende war wenig von Aufbruchsstimmung beim Club zu spüren, vor allem der Zorn der Fans richtete sich dabei gegen Cheftrainer Damir Canadi.Zink

Der 1. FC Nürnberg trennt sich vom Trainerduo Damir Canadi/Eric Orie.

Nürnberg Robert Palikuca wirkte müde, als er am Dienstagmorgen um 9.42 Uhr an der Geschäftsstelle des 1. FC Nürnberg vorfuhr. Wie es nach der Pleite beim VfL Bochum in der Trainerfrage weitergehe, wurde der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg gefragt. „Es geht immer weiter!“, sagte er – beim ruhmreichen FCN aber ohne Coach Damir Canadi. Der in Vorarlberg lebende Wiener wurde noch gestern, nur 170 Tage nach seiner Verpflichtung entlassen. Ein einziger Sieg aus den jüngsten neun Pflichtspielen und Tabellenplatz elf waren zu wenig. Für ihn übernimmt zunächst die Club-Legende und U-21-Coach Marek Mintal. Nach der Länderspielpause soll dann im emotionalen Derby in Fürth der neue Cheftrainer – der 58. (!) beim Altmeister seit der Bundesliga-Gründung 1963 – auf der Bank sitzen. „Es gibt noch nichts Konkretes“, sagte Palikuca, er habe sich aber bereits „Gedanken gemacht“ über diese „sehr wichtige Personalie“.

Ehrliches Gespräch

Vorausgegangen war ein laut dem Sportchef „sehr ehrliches Gespräch“ mit Canadi nach dem 1:3 in Bochum, das der Trainer selbst eingefordert hatte. „Damir ist da sehr kritisch mit sich ins Gericht gegangen“, betonte Palikuca: „Ich zolle ihm großen Respekt, dass er die Mannschaft über sich stellt.“ Der 49 Jahre alte Österreicher selbst sprach von einem „offenen Gespräch“. An dessen Ende seien alle der Meinung gewesen, „dass es im Interesse des Vereins ist, der Mannschaft einen neuen Impuls zu geben“. Das soll Interimslösung Mintal tun.

Der Bundesliga-Torschützenkönig der Saison 2004/05 genießt beim Club Kultstatus. 2007 half er unter Trainer Hans Meyer als Torschütze im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart (3:2 n. V.) mit, den bislang letzten Titel an den Valznerweiher zu holen. Seit 2013 ist er bei den Franken als Trainer tätig, mit der 2. Mannschaft belegt er aktuell Platz vier in der Regionalliga Bayern. Dass der 42-Jährige und sein Assistent Ahmet Koc länger als ein Spiel bleiben dürfen, gilt dennoch als ausgeschlossen.

Die aufgebrachten Nürnberger Fans hatten bereits in Bochum Canadis Kopf gefordert und die Mannschaft zum Rapport vor den Gästeblock bestellt. „Die fahren lange hierher, da habe ich volles Verständnis, dass wir nach dem Spiel auf die Fresse kriegen“, sagte Kapitän Hanno Behrens, „so etwas haben sie nicht verdient.“ Allerdings wäre es „zu einfach“, den Negativlauf „am Trainer festzumachen“. Doch der war wie üblich das schwächste Glied in der Kette. Palikuca hatte sich noch auf dem Platz minutenlang mit Behrens besprochen, in der Nacht suchte er den Kontakt zu Aufsichtsratschef Thomas Grethlein – um sich die Entlassung absegnen zu lassen. Zu eklatant waren die Probleme auch in Bochum, wo Canadi eine „desolate“ erste Halbzeit sah. Nachdem der Coach jüngst bereits Berichte über ein gestörtes Binnenklima zwischen ihm und seinen Spielern dementiert hatte, sagte er am Montag: „Am Ende muss ich die Verantwortung übernehmen. So wie es im Fußball nun mal ist.“

Anfang war Zweijahresplanung

Dabei sollte Canadi den Club in einem Zweijahresplan an die Bundesliga heranführen. Diese Zeit aber wurde dem Ex-Altacher nicht gewährt. Dabei war es nicht leicht: 13 Neue mussten integriert werden, darunter auch die beiden Ex-Altacher Nikola Dovedan und Andreas Lukse. Zudem standen Canadi mit seinem Cotrainer Eric Orie und den Spielern Georg Margreitter und Lukas Jäger drei weitere Vorarlberger zur Seite.

„Ich danke dem Verein und seinen Fans für die Zeit hier und wünsche dem Club alles Gute.“

fussball

Die Trainer des 1. FC Nürnberg seit der Erfolgszeit mit Hans Meyer (DFB–Pokalsieg 2007)

Hans Meyer 9.11.2005 – 11.2.2008

Thomas von Heesen 12.2.2008 – 28.8.2008

Michael Oenning 28.8.2008 – 21.12.2009

Dieter Hecking 22.12.2009 – 22.12.2012

Michael Wiesinger/Armin Reutershahn 23.12.2012 – 7.10.2013

Roger Prinzen 8.10.2013 – 21.10.2013

Gertjan Verbeek 22.10.2013 – 23.04.2014

Roger Prinzen 23.4.2014 – 10.5.2014

Valerien Ismael 5.6.2014 – 10.11.2014

Rene Weiler 12.11.2014 – 20.6.2016

Alois Schwartz 25.6.2016 – 7.3.2017

Michael Köllner 7.3.2017 – 12.2.2019

Boris Schommers 12.2.2019 – 18.5.2019

Damir Canadi 19.5.2019 – 5.11.2019

Marek Mintal (vorerst) seit 5.11.2019