Der Tanz mit den ganz Großen

Sport / 08.11.2019 • 22:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Roger Federer und Novak Djokovic warten in Gruppe B - Dominic Thiem wird beim ATP-Finale in London sein bestes Tennis zeigen müssen.apa
Roger Federer und Novak Djokovic warten in Gruppe B – Dominic Thiem wird beim ATP-Finale in London sein bestes Tennis zeigen müssen.apa

Auf Dominic Thiem warten beim ATP-Finale in der Gruppe B mit Federer und Djokovic hohe Hürden.

London Er ist zum vierten Mal im Konzert der Großen dabei, doch 2019 Mal fühlt er sich trotz einer „Hammergruppe“ reif für mehr: Dominic Thiem startet am Sonntag bei den mit neun Millionen Dollar dotierten ATP Finals in London in der Gruppe „Björn Borg“ gleich einmal gegen Roger Federer. In seinem Pool befindet sich auch noch Novak Djokovic, also zwei von drei Tennis-Allzeitgrößen, sowie Matteo Berrettini (Ita).

Start gegen Federer

In seinen bisherigen drei Auftritten in der imposanten O2-Arena in Ost-London hat Thiem zwar jeweils ein Gruppenmatch gewonnen, den Aufstieg ins Semifinale aber verpasst. Nun kommt der 26-jährige Niederösterreicher aber gut in Form wie nie in dieser Saisonphase nach England. „Der große Unterschied zu den letzten Jahren, in denen immer das Qualifizieren das oberste Ziel war, ist: die Qualifikation war heuer schon relativ bald mehr oder weniger gesichert“, ergänzte Thiem-Manager Herwig Straka.

Mit den 1000 Punkten vom ersten Masters-1000-Titel in Indian Wells und dem neuerlichen French-Open-Finale hatte Thiem dieses Jahr eine ausgezeichnete Basis gelegt. „Daher hat er sich früh zum Ziel gesetzt, dass er weit kommt. Das ist ein Riesenunterschied in der Einstellung. Deswegen erhoffen wir uns, dass mehr rausschaut.“

Hinzu kommt, dass Thiem nicht nur mit fünf Turniersiegen und sogar beiden Heim-Titeln in Kitzbühel und Wien nach London kommt: Drei seiner fünf Siegerschecks hat der Lichtenwörther, der wohl zu Unrecht von vielen als Sandplatzspezialist bezeichnet wurde, auf Hardcourt (Indian Wells, Peking, Wien) geholt. Das sieht auch Straka so. „Ich glaube, Hartplatz war immer ein bisschen sein Belag. Der einzige Belag, der ein bisschen hinterherhinkt, ist Rasen“, so der Steirer.

Thiem selbst hat großen Respekt vor seinen Gegnern, aber er möchte eindeutig mehr als zuvor. „In den ersten zwei Jahren und letztes Jahr vielleicht auch ein bisserl, war ich schon sehr glücklich, dass ich dabei bin und hab dann dort nicht mehr so viel auf die Ergebnisse geschaut. Das ist dieses Jahr definitiv anders“, erklärte Thiem nach der Auslosung. „Ich will unbedingt das Ziel erreichen, ins Halbfinale zu kommen.“

Doch in seiner Gruppe stehen aus internationaler Sicht natürlich Federer und Djokovic im Mittelpunkt. Der 20-fache bzw. der 16-fache Major-Sieger sind die Favoriten auf die zwei Halbfinal-Plätze aus dem stärkeren Pool. Thiem könnte am Sonntag (21 Uhr MEZ/live ServusTV, Sky) gegen Federer mit dem fünften Sieg im siebten Duell mit dem Schweizer die Basis legen, dies zu verhindern.

Erstmals seit vier Jahren und zum siebten Mal insgesamt sind die „big three“ Federer, Djokovic und Rafael Nadal wieder gesammelt beim Saison-Showdown der acht besten Spieler des Jahres. Hinter dem Spanier steht allerdings ein Fragezeichen nach einer zuletzt in Paris erlittenen Bauchmuskelzerrung. Nadal hat dennoch die Führung in der ATP-Weltrangliste übernommen. Novak Djokovic muss in London unabhängig vom Mallorquiner ausgezeichnet spielen, um sich den lukrativen Nummer-1-Thron per Jahresende zum bereits sechsten Mal zu sichern.

Europäer unter sich

Selbst wenn Nadal nicht einmal ein Einzel in der Gruppe „Andre Agassi“ mit Titelverteidiger Alexander Zverev (Ger), Aufsteiger Daniil Medwedew (Rus) und Stefanos Tsitsipas (Gre) gewinnt (oder er nicht antreten kann), braucht der 32-jährige Serbe zwei Round-Robin-Siege (je 200 Punkte wert) und zumindest den Finaleinzug. Djokovic könnte mit einem Titel wie zuletzt in Paris-Bercy übrigens mit Rekordhalter Federer (6 Siege bei ATP Finals) gleichziehen.

Doch selbst wenn er ausfallen sollte, so steht auch etwas anderes fest: Der erste Ersatzmann wäre sein Landsmann Roberto Bautista Agut. Damit sind erstmals beim Masters nur Spieler vom alten Kontinent dabei.

Tennis

ATP-World Tour Finals

Vorrunde Gruppe B „Björn Borg“ Sonntag

Djokovic (SRB) – Berrettini (ITA) 15.00 Uhr

Federer (SUI) – Thiem (AUT) 21.00 Uhr

Vorrunde Gruppe A „Andre Agassi“ Montag

Medwedew (RUS) – Tsitsipas (GRE) 15.00 Uhr

Nadal (ESP) – Zverev (GER) 21.00 Uhr