Rodeln: Frischer Wind im Eiskanal

Sport / 08.11.2019 • 15:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Thomas Steu (vorne) und Lorenz Koller bangen um die Teilnahme beim Weltcupauftakt in Innsbruck-Igls. Letzte Saison holte Österreichs Paradedoppelsitzer drei WM-Medaillen und war Weltcupgesamtzweiter. AP

Jonas und Debütant Yannick Müller fix beim Auftakt dabei. Thomas Steu und Lorenz Koller bangen um Start beim Rodelweltcup in Igls.

Bludenz Obwohl die Rennsaison lediglich von Ende November bis Anfang März dauert, stehen Kunstbahnrodler das gesamte Jahr über unter Strom. Praktisch jeden Tag wird am Material getüftelt, anhand von Videoaufzeichnungen an der optimalen Sitzposition gefeilt oder in der Kraftkammer Gewicht gestemmt, um sich um Hundertstelsekunden zu verbessern. Aktuell flitzen Thomas Steu und die Brüder Jonas und Yannick Müller in Oberhof und kommenden Woche in Altenberg mehrmals täglich durch den Eiskanal, um sich den Feinschliff für die anstehende Weltcupsaison zu holen. Exakt 14 Tage noch, dann beginnt für die drei Bludenzer die Weltcupsaison. Insgesamt zehn Bewerbe in Nordamerika, Kanada, Deutschland, Norwegen, Lettland und Russland stehen auf dem Programm. In ihrer Heimatstadt werden die Kufenspezialisten nur wenige Tage verbringen. „Ich bin seit 2012 dabei und haben mich daran gewöhnt“, betont der 25-jährige Steu vor seiner achten Weltcupperiode.

Nach dem Doppelsieg 2018 wäre es

doppelt bitter, wenn wir beim Heimweltcup

in Innsbruck-Igls passen müssten.

Thomas Steu

Aktuell ist Steu aber als Solist unterwegs, da Teamkollege Lorenz Koller (25) außer Gefecht ist. Bei einem Trainingslauf letzte Woche auf der Olympiabahn in Sotschi, wo Mitte Februar auch die WM ausgetragen wird, zog sich Koller eine Verletzung am rechten Ellbogen zu. „Bei der Untersuchung in Innsbruck wurde eine Knochenabsplitterung festgestellt. Die Fragmente wurden operativ entfernt, doch wann Lorenz wieder einsatzfähig ist, kann erst nach einer Kontrolluntersuchung gesagt werden. Die Ärzte haben von einer Pause zwischen zwei und fünf Wochen gesprochen“, erklärt Steu.

Deshalb steht hinter dem Start beim Weltcupauftakt am 23./24. November in Innsbruck-Igls ein großes Fragezeichen. „Gerade vor dem Heimweltcup ist so ein Missgeschick natürlich doppelt bitter. Speziell am Start ist eine Armverletzung ein großer Nachteil“, so Steu.

Bärenstarke letzte Saison

Nach Gold bei der U-23-WM 2017 und Rang vier bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Sotschi gelang Steu/Koller in der letzten Saison der große Durchbruch im Weltcup. Österreichs Paradeduo glänzte beim Auftakt in Igls mit Siegen im olympischen Doppelsitzer und im Sprint, holte bei der Weltmeisterschaft in Winterberg Silber im Teambewerb und Bronze im olympischen Bewerb und Sprint und musste im Gesamtweltcup als Zweite lediglich den Seriensieger der letzten drei Jahre, Toni Eggert/Sascha Benecken den Vortritt lassen. „Die Trainingsleistungen waren vielversprechend, doch die Verletzung hat die Vorfreude getrübt. Jetzt hoffen wir, dass Lorenz fit wird und wir in Igls dabei sind und dort anschließen können, wo wir aufgehört haben“, betont Steu kämpferisch.

Der regierende Sprintweltmeister Jonas Müller will sich in seiner zweiten kompletten Weltcupsaison auch im olympischen Einsitzer an der erweiterten Weltspitze etablieren. APA

Schritt für Schritt etablieren

Auch Jonas Müller zeigte im letzten Winter ganz groß auf. Der 21-Jährige beendete seine erste komplette Weltcupsaison im Einsitzer auf dem elften Rang und kürte sich in Winterberg zum Sprintweltmeister. „Speziell die WM-Goldene hat mir einen enormen Schub gegeben. Jetzt will ich mich auch im olympischen Einsitzer beweisen. Erklärtes Ziel ist es, im Sprint ganz vorne mitzumischen und im olympischen Bewerb konstant in die Top-Ten-Ränge zu fahren“, betont der HLSZ-sportsoldat. „Österreich hat im Einsitzer fünf Athleten, darunter Olympiasieger David Gleirscher, die allesamt zur erweiterten Weltspitze zählen. Der Konkurrenzkampf ist groß und ich will mich in diesem Topteam beweisen.“

Der 20-jährige Yannick Müller ist vom Ein- in den Doppelsitzer gewechselt und feiert zusammen mit dem Tiroler Armin Frauscher in Innsbruck-Igls sein Weltcupdebüt. GEPA

Seiner ersten Weltcupsaison fiebert Yannick Müller entgegen. Der 20-jährige Bludenzer ist vom Ein- in den Doppelsitzer gewechselt und wird mit dem Tiroler Armin Frauscher (25) das zweite ÖRV-Doppelsitzerduo bilden. Beim Heimbewerb in Igls feiert das neuformierte Duo seine Feuertaufe auf höchster Ebene und will sich so wie es Steu/Koller vor acht Jahren vormachten, Schritt für Schritt an die Weltspitze herantasten.