Starker Thiem gewinnt gegen Federer

Sport / 10.11.2019 • 23:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Geschafft, die Faust von Dominic Thiem nach dem Auftaktsieg über die Schweizer Tennislegende Roger Federer.Reuters
Geschafft, die Faust von Dominic Thiem nach dem Auftaktsieg über die Schweizer Tennislegende Roger Federer.Reuters

Dominic Thiem feiert zum Auftakt der ATP-Finals einen 7:5, 7:5-Sieg über den Schweizer.

London Der Lichtenwörther startet gleich mit einem Break in die Partie, das sich Federer aber zum 2:2 zurückholt. Thiem breakt Federer zum 6:5 erneut und macht den ersten Satz zu. Im zweiten Durchgang bleiben beide Spieler mit dem Aufschlag lange souverän, bei 5:5 riss aber bei Federer der Faden. Thiem holt sich das Break zu null und serviert im Anschluss aus. Nach Indian Wells und Madrid schlägt Thiem den Schweizer damit im Jahr 2019 zum dritten Mal. Zum ersten Mal startet der Österreicher mit einem Sieg in die ATP Finals.

Vorfreude auf die Pause

Der Weltranglisten-Fünfte und schon 16-fache Turniersieger erstarrt keineswegs mehr vor Ehrfurcht vor den Großen dieses Sports. Einerseits, weil er alle schon mehrmals geschlagen hat, andererseits weil sich teilweise auch Freundschaften mit Federer und Co. entwickelt haben. „Ich bin seit drei, vier Jahren in dem ‚Radl‘ drinnen, und ich genieße es so, wie es ist. Es ist zu einer guten Gewohnheit geworden“, sagte Thiem.

Im Gegenteil: Von noch jüngerer Generation kommt da schon einiges nach. Das ist ihm im Vorfeld von London bei einem Termin mit allen acht diesjährigen Teilnehmern bewusst geworden. „Da habe ich einen komischen Moment erlebt. Als Djokovic, Nadal und Federer wo gesessen sind und wir, die anderen fünf, dann übernehmen mussten. Da war ich der Älteste von den restlichen fünf“, meinte Thiem lachend. Noch immer sind es die „big three“, die sich die Grand-Slam-Titel fast ausschließlich untereinander aufteilen. Thiem stand schon zwei Mal, bei den French Open 2018 und 2019, im Endspiel, jedes Mal war Nadal noch zu stark. Dennoch: Die Wachablöse wird kommen. „Sorgen ums Tennis muss man sich sicher keine machen. Die Spieler, die nachkommen, sind alle sehr attraktiv. Natürlich sollten wir irgendwann damit anfangen, auch ganz große Erfolge zu feiern“, weiß der Niederösterreicher. „Die Wachablöse wird endgültig dann stattfinden, wenn der Erste, der in den Neunzigern geboren ist, ein Grand-Slam-Turnier gewinnt.“ Nichts wäre ihm natürlich lieber, als wenn er selbst, am 3. September 1993 geboren, dieser Mann wäre. Und er pirscht sich immer weiter und kontinuierlich heran. Die Form zum ATP-Saisonfinale war bei Thiem jedenfalls noch nie so gut wie jetzt. „In den letzten drei Jahren bin ich auf einer gewissen Talfahrt hierhergekommen. Das ist halt schon komplett anders dieses Jahr. Sie ist nicht aufsteigend, aber konstant seit dem Laver Cup, das ist ein großer Unterschied“, glaubt Thiem. Dadurch ist auch sein Selbstvertrauen ein ganz anderes.

Auch sonst sind es nur Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen können. So erschien Thiem mit einer Mütze in der meist kühlen Halle zum Interview. Er passt mehr auf sich auf, zu oft hat er sich von Viruserkrankungen zurückwerfen lassen müssen. „Das sind Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe. Ich werde älter und reifer, ich habe sicher auch selbst einige Dummheiten gemacht“, gestand Thiem.

Vorfreude auf die Pause

Doch das ist Geschichte. Das Ende einer Saison, die für Thiem in einen kurzen Urlaub führen wird, steht an. Da wird er Zeit haben, seine Erfolge Revue passieren zu lassen. „Ja, da werde ich mich ein bisserl zurücklehnen und darüber nachdenken, was alles passiert ist. Es waren echt viele schöne Momente dabei, und die zu genießen, das ist schon zu kurz gekommen. Vor allem nach Wien und Kitzbühel, weil es gleich danach voll weitergegangen ist.“

„Ich werde älter und reifer, ich habe sicher auch selbst einige Dummheiten gemacht.“