„Unser Ziel ist das Play-off, was sonst?“

Sport / 10.11.2019 • 19:04 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der neue DEC-Trainer Kai Suikkanen will seinen Plan mit den Bulldogs konsequent durchziehen.VN-Stiplovsek
Der neue DEC-Trainer Kai Suikkanen will seinen Plan mit den Bulldogs konsequent durchziehen.VN-Stiplovsek

Das Erfolgsrezept für Kai Suikkanen, den neuen Bulldogs-Trainer, ist harte Arbeit.

Dornbirn Der Finne Kai Suikkanen übernahm vor nicht einmal zwei Wochen das Dornbirner Eishockeyteam. Für den Nachfolger des glücklosen Jussi Tupamäki ist mit den Bulldogs noch alles möglich. Wie schon vor zwei Jahren in Bozen, als er die Südtiroler vom letzten Platz bis zum Meistertitel führte, ist der Schlüssel die Qualifikationsrunde im Februar. Darauf will er die Messestädter optimal vorbereiten.

Wie waren die ersten Tage in Dornbirn?

Suikkanen Von der Stadt selbst habe ich noch nicht viel gesehen. Ich war die meiste Zeit hier im Stadion und habe versucht, mir einen Überblick zu verschaffen. Ich kenne mittlerweile die Namen der Spieler, aber bei einigen habe ich noch das falsche Gesicht dazu im Kopf. Es brauchte noch etwas Zeit.

Ist es Ihnen wichtig, dass Sie auch die Gegend kennen lernen, in der Sie als Trainer arbeiten?

Suikkanen Verstehen Sie mich nicht falsch, aber ein Coach befindet sich normalerweise in der Nähe der Eisfläche. Sightseeing werde ich dann mit meiner Familie machen, wenn sie mich besuchen kommt.

Gleich mehrere Bulldogs-Spieler kommen in dieser Saison aus Ihrer Heimat Finnland. Ist das ein Vorteil bei der Eingewöhnung?

Suikkanen Das ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich geht so die Eingewöhnung schneller, aber andrerseits zählt, was am Eis passiert. Aber grundsätzlich ist es mir egal, woher ein Spieler kommt. Viel wichtiger ist es, dass er die Dinge umsetzt, die ich vorgebe.

Sprechen Sie Deutsch?

Suikkanen Nein, die Sprache, die im Eishockey jeder versteht, ist Englisch.

Was ist Ihr erster Eindruck von der Mannschaft?

Suikkanen Vier Spieler sind mit ihren Nationalteams unterwegs, zudem sind einige Spieler verletzt. Ich wollte die Länderspielpause eigentlich anders nutzen, um mir hier ein besseres Bild zu machen. Ich kann also noch nicht allzu viel dazu sagen. Grundsätzlich glaube ich, dass wir gute Spieler haben auch wenn die Tabelle was anderes sagt. Ich habe einen Plan mit dieser Mannschaft, und den versuche ich umzusetzen.

Wie lautet dieser Plan für die Bulldogs?

Suikkanen Natürlich soll möglichst schnell die Niederlagenserie zu Ende gehen. Aber das ist nur der erste Schritt. Die entscheidende Phase beginnt für uns im Februar mit den zehn Spielen in der Qualifikationsrunde. Bis dahin heißt es üben, üben, üben, damit wir dafür bereit sind.

Erinnert Sie die Situation von Dornbirn an Ihr Engagement in Bozen? Damals waren die Südtiroler am letzten Platz, als Sie Ihre Arbeit aufgenommen haben.

Suikkanen Die Ausgangsposition mag eine ähnliche sein, aber jedes Team ist anders. Mit Bozen konnten wir uns von Spiel zu Spiel steigern und haben es dann bis ins Play-off geschafft. Dann wurden die Karten nochmals neu gemischt.

Das Saisonziel von Dornbirn sind also die Play-offs?

Suikkanen Was sonst? Ich bin zu alt für irgendwelche Spielchen. Ich möchte gewinnen und wir werden alles tun, um die letzten Acht zu erreichen. Aber zuerst müssen wir besser werden, um dann eine realistische Chance zu haben.

Welches Spielsystem verfolgen Sie?

Suikkanen Wer den Puck kontrolliert, kontrolliert das Spiel. Der Schlüssel dazu ist die Abwehrarbeit. Ich war selbst ein Stürmer, aber ich habe erst als Trainer verstanden, dass der Erfolg über eine gute Verteidigungsarbeit führt. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei natürlich der Torhüter.

Rasmus Rinne fällt mehrere Monate verletzt aus, was bedeutet das für ihr Konzept?

Suikkanen Dass wir möglichst schnell einen guten Torhüter finden müssen.

Für was können Sie sich neben Eishockey noch begeistern?

Suikkanen Mich interessieren alle möglichen Sportarten, aber ich bin ein Fan der Leichtathletik. Zudem bin ich ein leidenschaftlicher Leser von Biografien. Da kann man viel für den eigenen Bereich lernen.

Sie haben auch als Eishockeyexperte für finnische TV-Stationen gearbeitet. Was war der größte Unterschied zum Trainerjob?

Suikkanen Ich hatte keinen Druck, gewinnen zu müssen. Außerdem konnte ich ohne Probleme die Trainer kritisieren (lacht). Das hat Spaß gemacht, aber es ist auch eine sehr anstrengende Arbeit. In wenigen Sekunden eine Eishockeyszene zu erklären, ist herausfordernd.

Wie beschreiben Sie sich selbst als Trainer?

Suikkanen Ich spreche die Dinge direkt an. Das gefällt nicht jedem, aber ich halte nichts davon, wenn man hinter dem Rücken herummauschelt. Das war noch nie meine Art. Zudem erwarte ich mir, dass das Team hart arbeitet. Ich bin nicht nach Dornbirn gekommen, um neue Freunde zu finden. Ich bin hier, um die Bulldogs besser zu machen. Dafür werde ich bezahlt.

Wollten Sie schon immer Eishockeytrainer werden?

Suikkanen Nein, überhaupt nicht. Nach meiner aktiven Karriere als Eishockeyspieler war ich zirka sieben Jahre lang der Manager eines Baseball-Teams in meiner Heimatstadt. Danach leitete ich eine Radiostation. Aber irgendwann fand ich dann doch wieder zum Eishockey zurück und davon bin ich nicht mehr weggekommen.

Können Sie sich ein längeres Engagement in Dornbirn vorstellen?

Suikkanen Alles ist möglich. Ich bin gespannt, ob Sie mir die Frage im Feburar nochmals stellen, sollten wir den Sprung ins Viertelfinale doch nicht schaffen. ABR