Zeichen für Muster als Thiem-Berater stehen gut

Sport / 14.11.2019 • 22:43 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Thiem und Muster beim Stadthallenturnier in WienAPA
Thiem und Muster beim Stadthallenturnier in WienAPA

Thomas Muster fungiert bei ATP-Cup als ÖTV-Teamkapitän und soll Berater von Thiem werden.

London Im Rahmen der ATP Finals in London wurde Thomas Muster als Kapitän Österreichs beim neu geschaffenen ATP Cup präsentiert. Der 52-jährige Steirer äußerte sich über laufende Gespräche als möglicher Berater Thiems. Fixiert ist aber noch nichts.

Sie sind jetzt wieder in einer Funktion ins Tennis zurückgekehrt: Macht das Gusto, im Tennis wieder mehr zu machen?

Muster Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich mache im Hintergrund natürlich einige Dinge. Nico Massu macht seinen Job, es hat jeder in diesem Team seine Aufgabenrolle, die klar verteilt ist. Über den Rest hat man diskutiert, das ist richtig, aber es geht nicht über 30 Wochen. Das wird es bei mir nicht spielen. Die Rolle, die ich vielleicht übernehmen kann, die haben wir eigentlich noch nicht so wirklich fixiert. Wenn es überhaupt so ist, das ist noch immer spekulativ.

Was sagen Sie zum bisherigen London-Auftritt von Thiem?

Muster Die Leistung war dementsprechend gut. Aber völlig egal, ob er gegen Djokovic verloren hätte oder nicht. Es geht um die Art und Weise, wie er gespielt hat. Das ist für mich viel wichtiger, als jetzt das eine oder andere Match zu gewinnen. Das ist oft Tagesverfassung, manchmal auch ein bisserl Glück. Es geht um die Entwicklung seines Spiels und diese Richtung zeigt nach Norden, das ist positiv. Es kann nur ein Ziel geben: Grand Slams und 1000er zu gewinnen, Nummer eins zu werden. In seiner Position, in seinem Alter, mit diesem Zeitfenster, das gegeben ist, ist das realistisch. An dem muss man arbeiten. Nur das kann das Ziel sein.

Wie konkret sind die Pläne über eine Zusammenarbeit mit Thiem?

Muster Es gibt keine Zusammenarbeit. Den ATP Cup haben wir fixiert und wir haben weitere Gespräche, die hinter den Bühnen ablaufen. Es gibt von keiner Seite ein Ja, noch Nein. Es geht darum zu definieren, welche Rolle ich spielen könnte und wie viel Wochen es sein könnten. Es sind Gespräche, wie sinnvoll ist es und in welcher Form. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit dem Halbfinaleinzug beim Masters hat Thiem Sie überflügelt. Das wird Sie aber wohl eher freuen, oder?

Muster Ich bin kein Mensch, der den Anspruch erhebt, sein Leben lang der beste Tennisspieler Österreichs gewesen zu sein. Das liegt mir fern, Neid ist für mich eine Krankheit. Ich hatte viele Angebote in den letzten Jahren, mit Spielern etwas zu machen. Das einzige Interesse, wenn ich eines hätte, wäre, es mit dem Dominic zu machen, weil er Österreicher ist und weil ich sehe, dass er das Potenzial hat, viel besser zu werden als ich. Deswegen gibt es beidseitige Interessen, die müssen aber auch abgestimmt sein und ausdiskutiert werden. Muster lässt zudem wissen: „Das Wort Supercoach hasse ich sowieso.“

Kann Thiem die Big three bald endgültig knacken?

Muster Meiner Meinung nach ist da leistungsmäßig kein Unterschied. Es liegen natürlich einige Grand-Slam-Titel dazwischen. Aber wenn wir vom heutigen Stand ausgehen, gibt es spielerisch von der Qualität her wenig Unterschiede. Es geht ja nur darum, die Leistung, die er immer wieder abruft, das Jahr hin zu erbringen.

Eine eventuelle Hilfe von außen wird wohl kaum so aussehen, dass Sie Thiem nun sagen, wie er sich ans Netz annähern soll?

Muster Das ist nicht der Punkt. Es gibt technische Dinge, es gibt Positionen am Platz, es gibt mentale Dinge – an jeder Schraube kann man drehen. Das Wichtige ist: An welcher Schraube dreht man wann und wo? Natürlich die Situationen zu erkennen, das muss man sich auch erarbeiten und ausprobieren.

Es geht wohl nicht nur um Hilfe in Roland Garros?

Muster Es geht um eine allgemeine übergeordnete Geschichte, die man diskutiert. Da gibt es ganz viele Bereiche. Das ist manchmal auch viel Erfahrung oder Gefühl, das man eigentlich nur hat, wenn man es selber erlebt hat. Deswegen gibt es viele Spieler, die auf Grand-Slam-Sieger zurückgreifen, die genau diese paar Dinge auch erkennen. Ich bin nicht der Einzige, der das kann. Das muss nicht ich sein. Aber es hat jetzt im zwischenmenschlichen Bereich und in den letzten Wochen ganz gut funktioniert. Es hat mit Dominic keine wirklichen Gespräche gegeben, sondern mit dem Vater. Ich bin nicht der Mensch, der mit jedem im Team alles besprechen muss. Da geht es um ganz klare Aufgabenverteilungen, wer was macht.

War die Entscheidung Thiems, sich dieses Jahr mit Trainer und Manager neu aufzustellen, gerade richtig?

Muster Man darf nicht wegdiskutieren, dass Günter Bresnik einen großen Anteil an dem hat, was wir heute von Dominic sehen. Aber es kommen Momente, wo man sich nach so einer langen Partnerschaft entfernt, aber nicht auseinanderlebt. Dominic ist ein Typ, der nach mehr strebt. Vielleicht hat er gesehen, sein Potenzial besser auszuschöpfen, wenn er andere Instrumente bedient. Dann war das in dem Abschnitt für ihn goldrichtig. Man hat Verbesserungen gesehen, aber man darf deswegen nicht unfair gegenüber Bresnik sein.