Achterbahnfahrt ohne Happy End

Sport / 17.11.2019 • 22:59 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Stefanos Tsitsipas ist der erste griechische Titelträger und mit 21 Jahren der jüngste Sieger seit 18 Jahren bei den ATP Finals.AFP
Stefanos Tsitsipas ist der erste griechische Titelträger und mit 21 Jahren der jüngste Sieger seit 18 Jahren bei den ATP Finals.AFP

Dominic Thiem verpasst mit 7:6, 2:6 und 6:7 gegen Stefanos Tsitsipas Triumph bei ATP Finals in London.

London Kein Happy End hat es für Dominic Thiem bei den ATP Finals in London gegeben. Der 26-jährige Niederösterreicher, der in der Vorrunde Roger Federer und Novak Djokovic der Reihe nach bezwungen hatte, unterlag beim mit 9 Millionen Dollar dotierten Masters dem 21-jährigen Griechen Stefanos Tsitsipas nach 2:35 Stunden mit 7:6(6), 2:6, 6:7(4) und verpasste damit seinen sechsten Saisontitel. Damit kassierte Tsitsipas für den nach den vier Grand-Slam-Turnieren wichtigsten Titel im Profi-Tennis 2,656 Mill. US-Dollar und gesamt 1300 Punkte für die ATP-Rangliste. Thiem blieben immerhin immer noch 1,302 Mill. Dollar und 800 Zähler für das Ranking.

Ein brutales und toughes Gefühl

„Es war ein unglaubliches Match, bravo Stefanos. Stefanos, du verdienst es wirklich, bist ein unglaublicher Spieler“, sagte Thiem noch auf dem Platz sportlich. „Wir sind Teil eines brutalen Sports, wir konnten uns wieder einmal davon überzeugen, wie eng es hergehen kann“, erklärte ein trauriger Thiem. „Ich habe gekämpft, habe 100 Prozent gegeben, aber so ist Tennis. Obwohl es ein brutales und toughes Gefühl gerade ist, habe ich die Woche sehr genossen. Vielen Dank an alle, die das hier möglich machen.“

Thiem schraubte sein Preisgeld allein in dieser Saison auf 7,13 Mill. US-Dollar brutto (6,46 Mill. Euro) und hat nun schon 21,43 Mill. Dollar in seiner Karriere nur an Preisgeld verdient. Schon mit dem Halbfinalsieg über Titelverteidiger Alexander Zverev hatte er sich Rang vier in der ATP-Weltrangliste zum Jahresende gesichert. Ein Vorteil für die Australian Open im Jänner, womit er die Top 3 bis zum Halbfinale vermeiden kann.

Tsitsipas konnte sein Glück kaum fassen. „Ich habe keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, so gut zu spielen. Es war eine großartige Vorstellung, ich habe Dominic nicht viele Möglichkeiten gegeben. Es war ein wenig schwierig mit den Nerven, es war das erste Mal für mich vor so einer Kulisse. Ich bin erleichtert, dass es eine solch außergewöhnliche Performance geworden ist“, freute sich der 21-Jährige. Er kürte sich zum jüngsten Masters-Sieger seit Lleyton Hewitt 2001.

So wie Thiem zuvor bedankte sich Tsitsipas besonders bei den Zuschauern mit vielen Griechen. „Es ist phänomenal, so eine Armee hinter mir zu spüren. Sie stehen wie eine Wand hinter mir, geben mir Motivation und lassen mich hier wie zuhause fühlen.“

1:0-Satzführung im Tiebreak

Das Endspiel verlief von Beginn an bis zum Ende auf des Messers Schneide, doch diesmal endete es nicht zugunsten des Österreichers. Schon Satz eins verlief ausgeglichen, dramatisch und mit Breakbällen auf beiden Seiten. Thiem hatte bei 3:3 zwei, Tsitsipas bei 1:1 einen bzw. später zwei Breakchancen zum 5:3. Auch als Thiem bei 5:6 mit 0:30 in Rückstand geriet, ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen. Das Match ging nach 56 Minuten ins Tiebreak. In diesem gelang Thiem ein schnelles 3:0 und dann eine 5:2-Führung, Tsitsipas gelang das 5:5. Nach 65 Minuten nutzte der Lichtenwörther dann aber seinen zweiten Satzball zum 8:6.

Doch wer gedacht hatte, dass der Finaldebütant aus Griechenland damit gebrochen ist, hatte sich geirrt. Tsitsipas erwischte einen Blitzstart und ging mit zwei Breaks innerhalb von nur 14 Minuten mit 4:0 in Führung. Innerhalb von nur 26 Minuten schaffte Tsitsipas mit 6:2 den Satzausgleich.

Die Entscheidung begann gleich mit Zittern für Thiem, der in einem umkämpften Aufschlag-Game zwei Breakbälle abwehren musste, ehe er 1:0 in Führung ging. Doch Tsitsipas gelang das Break dann doch zum 2:1 und als er sicher auf 3:1 stellte, schienen schon die Weichen auf den Sieg des Youngsters gestellt. Aber Thiem fightete zurück, nutzte die zweite Chance zum Rebreak auf 2:3 und stellte von 1:3 auf 4:3. Und das letzte ATP-Turnier des Jahres wurde dann auch im Tiebreak entschieden. In diesem geriet Thiem mit 1:4 in Rückstand.

Weihnachten in Australien

Für den 26-jährigen Niederösterreicher steht nach der großartigen Woche zum Abschluss des Jahres in London ein rund zweiwöchiger Urlaub auf dem Programm. Bereits Anfang Dezember wird der ÖTV-Star nach Miami reisen, wo er mit Fitnesscoach Duglas Cordero die Saisonvorbereitung beginnen wird.

Bereits am 20. Dezember fliegt Österreichs Tennis-Star nach Australien, wo die Saisonvorbereitung samt Akklimatisierung weiter im Mittelpunkt steht. Schon am 3. Jänner beginnt der neue ATP Cup. Unter der Führung von Thomas Muster, der als Kapitän fungiert – und vielleicht auch bald längerfristig als Berater an Thiems Seite.

In einem packenden und hochklassigen Endspiel bei den ATP Finals in London musste sich Dominic Thiem in einem Dreisatz-Krimi dem Griechen Stefanos Tsitsipas im Entscheidungssatz im Tiebreak 4:7 geschlagen geben. AFP/Reuters
In einem packenden und hochklassigen Endspiel bei den ATP Finals in London musste sich Dominic Thiem in einem Dreisatz-Krimi dem Griechen Stefanos Tsitsipas im Entscheidungssatz im Tiebreak 4:7 geschlagen geben. AFP/Reuters

Tennis

ATP Finals 2019 in London

(9 Millionen Dollar, Hartplatz)

Finale:  Stefanos Tsitsipas – Dominic Thiem 6:7(6), 6:2, 7:6(4)

Halbfinale: Dominic Thiem (Aut/5) – Alexander Zverev (Ger/7) 7:5, 6:3, Stefanos Tsitsipas (Gre/7) – Roger Federer (Sui/3) 6:3,6:4

Doppel, Finale

Finale: Pierre-Hugues Herbert/Nicolas Mahut – Raven Klaasen/Michael Venus 6:3, 6:4

Halbfinale: Pierre-Hugues Herbert/Nicolas Mahut (FRA-7) – Lukasz Kubot/Marcelo Melo (POL/BRA-2) 6:3, 7:6(4); Raven Klaasen/Michael Venus (RSA/NZL-5) – Juan Sebastian Cabal/Robert