Alarmstufe rot bei Ferrari

Sport / 17.11.2019 • 21:39 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Max Verstappen verwertete seine Pole Position in Sao Paulo zum Sieg.Reuters
Max Verstappen verwertete seine Pole Position in Sao Paulo zum Sieg.Reuters

Beim Verstappen-Sieg in Brasilien gab es großen Ärger zwischen Leclerc und Vettel.

Sao Paulo Drama zum Dienstjubiläum: In seinem 100. Rennen für Ferrari ist der Zoff zwischen Sebastian Vettel und Teamkollege Charles Leclerc eskaliert. Beim Triumph von Polesetter Max Verstappen in Sao Paulo bauten Vettel und Leclerc im Kampf um Platz vier einen Crash und sorgten so für Alarmstufe Rot bei der Scuderia. „Mein Gott, muss das sein“, schrie Vettel völlig frustriert am Funk. Und Leclerc meinte: „Was zur Hölle macht er?“

Während Vettel und Ferrari nach dem Titel-K.o. im Duell mit Weltmeister Lewis Hamilton damit am Tiefpunkt der Saison angekommen sind, jubelte Verstappen über seinen dritten Saisonsieg. Der Niederländer setzte sich bei dem turbulenten Großen Preis von Brasilien vor Pierre Gasly (Toro Rosso) und Hamilton durch. Dem Engländer drohte allerdings noch eine Zeitstrafe, weil er auf den letzten Kilometern mit Alex Albon im zweiten Red Bull kollidiert war.

Vettel beschädigte bei dem Ferrari-Drama den Vorderreifen von Leclerc, der Heppenheimer schlitzte sich den Hinterreifen auf. Und so waren die Männer in Rot die Deppen von Brasilien.

Spannung zum Ende hin

Nach einem lange wenig spektakulären Rennen sorgten erst Safety-Car-Phasen und der Vettel-Leclerc-Unfall kurz vor Schluss dann für mächtig Spannung. Im Chaos behielt Verstappen die Nerven, der Niederländer verschaffte sich zudem Genugtuung für seine Pleite im Vorjahr. Damals vergab der 22-Jährige noch den schon sicher geglaubten Sieg in Sao Paulo nach einem Unfall mit dem überrundeten Esteban Ocon. Diesmal aber war Verstappen nicht zu schlagen und verbesserte sich im WM-Klassement auf Rang drei. Nico Hülkenberg, der in Brasilien sein Formel-1-Aus für 2020 bestätigte, wurde im Renault Zwölfter.

„Ich bin vorsichtig optimistisch“, hatte Vettel noch vor dem Rennen gesagt, musste dann aber gleich beim Start den ersten Dämpfer einstecken. Hamilton bremste bei der nur 195 Meter langen Anfahrt auf die erste Kurve einen Tick später und konnte sich so an Vettel vorbeidrängeln. An der Spitze behielt Verstappen die Nerven, der 22-Jährige konnte sich in der Folge etwas von Hamilton absetzen. Dahinter versuchte Vettel zu folgen, doch das Tempo von Verstappen und Hamilton konnte er nicht mitgehen.

Und während vorne zunächst relativ wenig passierte, pflügte Leclerc durch das Mittelfeld. Der Monegasse kassierte ein Auto nach dem anderen und war schon nach zehn Runden auf Platz sechs angekommen.

Wichtiger Wechsel

Hamilton holte sich dann als Erster neue Reifen ab, die Strategie ging auf, der 34-Jährige ging an Verstappen vorbei. Der Niederländer verlor aber auch wichtige Zeit, als er am Ende der Boxengasse von Robert Kubica behindert wurde. Doch mit ordentlich Wut im Bauch überholte er Hamilton am Ende der Start- und Zielgeraden wieder, dieser wunderte sich über das Manöver am Funk: „Habe ich Motorenprobleme?“

Und während Verstappen und Hamilton noch einmal die Soft-Reifen montieren ließen, setzte Vettel auf die härtere Medium-Variante. Damit war klar: Verstappen und Hamilton würden noch einmal die Box ansteuern müssen. Zur Hälfte des Rennens drehte Verstappen weiter als Führender seine Runde, dahinter lauerten Hamilton und Vettel. Hamilton wechselte dann erneut vor Verstappen die Reifen, doch diesmal ging auch bei dem Supertalent alles glatt und er blieb vor dem Champion.

Die Ereignisse zum Schluss wirbelten dann alles noch einmal durcheinander. „Jedes Jahr passiert hier etwas“, hatte Vettel vor dem Rennen gesagt und er sollte recht behalten: „Der Ort hat einen Hang zum Drama.“

„Jedes Jahr passiert hier etwas. Der Ort hat einen Hang zum Drama.“

Grand Prix von Brasilien 1. Max Verstappen Niederlande/Red Bull 1:33:14,678 2. Pierre Gasly Frankreich/Toro Rosso + 6,007 3. Lewis Hamilton Großbritannien/Mercedes + 6,139 4. Carlos Sainz Jr. Spanien/McLaren + 8,896 5. Kimi Räikkönen Finnalnd/Alfa Romeo + 9,452 6. Antonio Giovinazzi + 10,201 Italien/Alfa Romeo 7. Daniel Ricciardo + 10,541 Australien/Renault 8. Lando Norris + 11,204 Großbritannien/McLaren 9. Sergio Perez + 11,529 Mexiko/Racing Point 10. Daniil Kwjat +11,931 Russland/Toro Rosso WM-Stand 1. Lewis Hamilton 396 Punkte Großbritannien/Mercedes 2. Valtteri Bottas 314 Finnland/Mercedes 3. Max Verstappen 260 Niederlande/Red Bull 4. Charles Leclerc 249 Monaco/Ferrari 5. Sebastian Vettel 230 Deutschland/Ferrari Konstrukteurs-WM 1. Mercedes 710, 2. Ferrari 479, 3. Red Bull 391, 4. McLaren 137, 5. Renault 83, 6. Toro Rosso 83 Startaufstellung 1. Verstappen (Red Bull) 1.07,508 Minuten, 2. Vettel (Ferrari) +0,123, 3. Hamilton (Mercedes) +0,191, 4. Bottas (Mercedes), 5. Albon (Red Bull), 6. Gasly (Toro Rosso), 7. Grosjean (Alfa Romeo), 8. Räikkönen (Alfa Romeo), 9. Magnussen (Haas), 10. Norris (McLaren), 11. Ricciardo (Renault), 12. Giovinazzi (Alfa Romeo), 13. Hülkenberg (Renault), 14. Leclerc*, 15. Perez (Racing Point), 16. Kwiat (Toro Rosso), 17. Stroll (Racing Point), 18. Russell (Williams), 19. Kubica (Williams), 20. Sainz (McLaren). *10 Plätze nach hinten versetzt (Wechsel von Motorenkomponenten) Nächster Lauf Abu Dhabi 1. Dezember (letztes Rennen)

Weltmeisterschaft 2019 im Überblick