Die Lizenz zum Dreier werfen

Sport / 17.11.2019 • 19:50 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Brajkovic erkämpfte sich in der ersten Saison mit guten Leistungen das Vertrauen des Trainers.GEPA
Brajkovic erkämpfte sich in der ersten Saison mit guten Leistungen das Vertrauen des Trainers.GEPA

Luka Brajkovic über seine zweite Saison in den USA.

Davidson Für den 20-jährigen Feldkircher Luka Brajkovic ging vor Kurzem seine zweite Saison in der nordamerikanischen College-Basketballliga NCAA los. Mit den Davidson Wildcats ist er wieder in der Atlantic-10-Conference am Start. Dem Team von Trainer Bob McKillop wurde vor der Saison viel zugetraut, der Auftakt verlief mit zwei Niederlagen allerdings etwas holprig. Erst im dritten Saisonspiel gegen die Wilmington Seahawks löste sich mit einem 87:49-Sieg der Knoten. Brajkovic wurde mit seiner neuen persönlichen NCAA-Bestmarke von 21 Punkten Topscorer der Wildcats.

Wie war es nach den Sommerferien ans Davidson College zurückzukehren? Ist die 10.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat North Carolina schon ein Stück Heimat geworden?

Brajkovic Es hat sich auf jeden Fall familiärer angefühlt als noch im letzten Jahr. Auch die Lebenssituation hat sich etwas verbessert. Ich bin umgezogen und wohne jetzt in einem besseren Zimmer, so weit ist also alles perfekt.

Der sportliche Start verlief nicht gut, die ersten zwei Spiele hat das Team verloren. War das überraschend?

Brajkovic Er war absolut nicht gut, es war sehr überraschend! Bei Auburn hatten wir ein Stück weit schon erwartet, dass wir eventuell verlieren könnten, aber gegen Charlotte war es einfach ein mentales Problem unsererseits und die Aufholjagd kam dann zu spät.

Vor der Saison wurde den Wildcats recht viel zugetraut, schaden die Auftaktniederlagen dem Selbstvertrauen, gefährdet es auch irgendwo die großen Ziele?

Brajkovic Ich denke nicht, dass es jetzt die großen Ziele gefährdet. Wir wissen, was wir falsch gemacht haben und arbeiten daran.

An welchen Schrauben wird denn jetzt gedreht?

Brajkovic In der Defense hatten wir Probleme, gerade im Pick and Roll bei den Rotationen. Zu oft haben wir auch offene Dreier zugelassen. Das nächste ist, dass unsere Offensive wieder effizienter wird, die Würfe besser fallen und wir generell schneller spielen.

Gerade Ihnen persönlich ist es weniger gut gelaufen, im ersten Spiel blieben Sie sogar punktelos, wo lag das Problem?

Brajkovic Im ersten Problem hatte ich viele Foulprobleme und konnte deshalb nur knapp zehn Minuten spielen. Das mit den Fouls muss sich auf jeden Fall ändern, da waren zu viele blöde dabei. Im zweiten Spiel hatte ich ja neun Punkte und sechs Rebounds, das war ganz solide, aber da geht noch deutlich mehr. Ich werde auch schauen, dass ich noch etwas aggressiver spiele, mehr werfe und dann sollte es wieder besser laufen.

Im ersten Spiel haben Sie nur einen einzigen Wurf genommen, an was lag das?

Brajkovic Wir haben im Team die Regel, dass man, sobald man in der ersten Hälfte zwei Fouls hat, die restliche Hälfte nicht mehr spielt. Die Gefahr ausgefoult zu werden, ist dann zu hoch. Bei mir war das recht früh der Fall und ich war quasi die ganze erste Hälfte draußen. In der zweiten Hälfte habe ich dann früh das dritte Foul gemacht und habe es einfach nicht geschafft, den Rhythmus zu finden. Das war ein Spiel zum Vergessen.

Im Sommer meinten Sie, dass Sie Ihr eigenes Spiel vor allem mit dem Dreierwurf erweitern wollen – wie steht es um die Wurfentwicklung?

Brajkovic In der Vorbereitung war es so weit gut, in den ersten zwei Saisonspielen hatte ich noch keine Möglichkeit Dreier zu werfen. Aber er ist auf jeden Fall besser als im Vorjahr, ich bin da effizienter geworden.

Dürfen Sie auch schon im Spiel die Dreierwürfe nehmen, oder beschränkt sich das noch auf das Training?

Brajkovic Ich habe auf jeden Fall die Lizenz, Dreier zu werfen, bisher fehlte einfach die Gelegenheit dazu. Im zweiten Spiel war ich viel unter dem Korb. Aber wenn Teams denken, dass sie mich draußen frei stehen lassen können, werde ich auf jeden Fall werfen.

Wie ist denn die aktuelle Konkurrenzsituation auf Ihrer Position?

Brajkovic Ich bin der einzige Big Man im Team, der schon letzte Saison auf diesem Level Erfahrung sammeln konnte. Die Konkurrenz ist schon vorhanden, aber ich habe eigentlich einen festen Platz in der Mannschaft.

Gilt es diese Saison auch ein Stück weit individuell für die Scouts zu glänzen?

Brajkovic Auf jeden Fall! Man will immer so gut spielen, wie nur möglich. Für mich ist es aber wichtig, nicht eigensinnig zu spielen. Ich gebe alles, damit wir als Team so gut wie möglich abschneiden, und wenn ein paar individuelle Spielzüge meinerseits dabei helfen, mache ich das auch gerne. Da kommt im Laufe der Saison definitiv noch genug.

Wie kann man sich Ihre Rolle in dieser Saison vorstellen? Wird es ähnlich wie letzte Saison sein, dass Sie als flexibler Center aufgestellt werden?

Brajkovic Genau, es ist ähnlich wie letzte Saison. Wir spielen im Grunde mit vier Guards und einem Big Man. Das ist die Philosophie vom Trainer, und die macht meiner Meinung nach auch sehr viel Sinn. Unser Spacing am Feld funktioniert sehr gut.

Was sind die kommenden SaisonHighlights?

Brajkovic In knapp einer Woche spielen wir in der Arena der Charlotte Hornets. Das wird auf jeden Fall eine coole Sache, mal in einer NBA-Halle zu spielen, letzte Saison gab es das noch nicht. Außerdem steht demnächst noch ein Turnier in Orlando an, bei dem wir gegen sehr starke Gegner wie Maryland spielen, von dem her wird das auch sicher ein Highlight sein.

Neben dem Basketball, zum Schluss noch eine andere Frage: Wie läuft es in akademischer Hinsicht?

Brajkovic In dieser Hinsicht läuft so weit auch alles gut, aber man muss natürlich schon sehr viel tun. Manchmal ist es sehr stressig, es ist nicht immer leicht. Doch es zahlt sich aus, der Abschluss hier ist sehr viel wert. Bis Ende des Jahres muss ich mich spezialisieren. Ich kann mir vorstellen, dass ich mich dann für Politikwissenschaften oder Psychologie entscheide.