„Riesenschritt in die richtige Richtung“

Sport / 18.11.2019 • 21:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Dominic Thiem hat im Finish des Jahres seinen Verdienst gewaltig in die Höhe geschraubt und knackt demnächst die 20-Millionen-Euro-Marke an Karrierepreisgeld.AFP
Dominic Thiem hat im Finish des Jahres seinen Verdienst gewaltig in die Höhe geschraubt und knackt demnächst die 20-Millionen-Euro-Marke an Karrierepreisgeld.AFP

2020 wird Dominic Thiem weniger Turniere spielen und Saisonplanung rund um die Grand Slams ausrichten.

London Österreich fehlt bei der dieswöchigen Premiere des Davis-Cup-Finalturniers in Madrid. Damit ist die Saison auch für den aktuell erfolgreichsten rot-weiß-roten Sportler vorbei: Dominic Thiem reiste trotz der knappen Finalniederlage gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas mit vielen neuen Erkenntnissen und gestiegenem Selbstvertrauen von den ATP Finals in London in den wohlverdienten Urlaub. Mit im Gepäck: 1,302 Mill. Dollar Preisgeld und weitere 800 Weltranglistenpunkte als Basis für 2020. Mit diesen 800 Zählern hat Thiem sein Konto auf 5825 Punkte aufgestockt und ist in die Top 4 zurückgekehrt. Ein wichtiger Vorteil für die Setzung bei den Australian Open. So kann er nicht vor dem Halbfinale auf die Big three (Anm. Nadal, Djokovic und Federer) treffen. Auf den drittplatzierten Roger Federer fehlen ihm 765 Punkte, Stefanos Tsitsipas hält als Sechster bei 5300 Punkten. Vor dem London-Sieger noch der Russe Daniil Medwedew (5705).

Positive Erkenntnisse

Vielleicht wird Thiem 2020 in einer verkühlten Situation dann anders auftreten. Denn die richtige Denkweise kann auch einen angeschlagenen Spieler zu einem gefährlichen machen. Vor dem 6:7-, 6:3-, 7:6-Sieg über Novak Djokovic hatte Thiem nach dem Aufwachen schon an eine Heimreise wegen seiner starken Verkühlung gedacht. Doch dann zeigte er eine solche Leistung. „Das ist auch eine Sache, die mich sehr glücklich macht und zuversichtlich, falls das in der Zukunft wieder passiert. Ich habe mir selber bewiesen, dass es auch so geht“, stellte Thiem fest. Mitnehmen von seinem ersten Endspiel beim ATP-Saison-Showdown wird er aber auch die Bestätigung seiner Steigerung auf Hartplatz in diesem Jahr. Den ersten seiner insgesamt fünf 2019-Triumphe bei einem Masters-1000-Turnier im März in Indian Wells wollte er da gar nicht ganz oben hinstellen. „Weil dort der Hartplatz sehr langsam ist, fast wie auf Sand. Aber in Wien, Peking oder hier in London hab ich wirklich gut gespielt: Das sind alles Beläge, auf denen ich in der Vergangenheit große Probleme gehabt habe. Ich habe einen Riesenschritt in die richtige Richtung gemacht“, ist Thiem überzeugt. „Ich gehe mit einem sehr guten Gefühl in die Saisonvorbereitung. Weil ich genau weiß, was ich trainieren muss und was ich verbessern muss. Ich hoffe, dass ich da noch einen Schritt nach vorne mache und voll ready bin, wenn es in Australien losgeht.“

2020 will Thiem weniger Turniere spielen und die Saisonplanung rund um die größten Turniere ausrichten. Das soll auch helfen, die Achillesferse Thiems, seine Anfälligkeit für virale Infekte, einzudämmen. Thiem selbst bemühte sich, das Thema auch runterzuspielen. „Wenn ich ehrlich bin, bin ich echt glücklich mit meinem Körper und wie er ist. Auch ein Djokovic war in Paris verkühlt, so wie hier auch sehr viele Spieler. Der Mensch ist halt hin und wieder krank“, sagte Thiem und erinnert auch an die Belastungen gerade im Tennis, wo die Spieler die ganze Welt bereisen und in kürzester Zeit Jetlag, Zeitzonen- und Klimawechsel verkraften müssen. „Es läuft für den Lebensstil, den ich führe, eh sehr gut. Wir sind die ganze Zeit an der Grenze mit dem harten Training und den Reisen. Mit einer etwas besseren Planung glaube ich, dass ich da vor allem bei den großen Turnieren keine Ausfälle mehr haben werde.“ Kurz wird 2020 die Rasensaison, außer Thiem scheidet in Paris früh aus. Der volle Fokus liegt auf den French Open. Aktuell ist wie dieses Jahr nur Wimbledon selbst eingeplant.

638.000 Euro aus ATP-Bonuspool

2019 war auch in Sachen erspieltem Salär ein Rekordjahr für den 26-Jährigen. Zu den umgerechnet 6,44 Millionen Euro an Preisgeld erhält Thiem Ende Jänner 2020 als Vierter im ATP-Abschlussranking aus dem Bonuspool der Association of Tennis Professionals (ATP) noch einmal 638.000 Euro. Mit 7,12 Millionen Euro hat der French-Open-Finalist 2019 fast ein Drittel seines Gesamteinkommens an Preisgeldern erspielt und knackt demnächst die 20-Millionen-Euro-Marke an Karrierepreisgeld. Im Vergleich dazu, inflationär nicht bereinigt, Thomas Musters Einkommen an Preisgeldern von 11,08 Mill. Euro.

Während es sich bei all den Beträgen um Summen vor Abzug der Steuern handelt, wird Thiems Einkommen durch Sponsoren wie Bank Austria, Rolex, Kia, Red Bull und Ausrüster-Verträge mit adidas und Babolat garniert. 2019 hat Thiem nicht nur auf dem Platz seine Position in die Riege der Tennis-Großverdiener bestätigt.