Der Tanz auf der Rasierklinge

Sport / 21.11.2019 • 20:08 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Goalie Ralf-Patrick Häusle war der einzige Lichtblick im Bregenzer Team bei der bitteren 18:23-Derbyniederlage gegen den Alpla HC Hard.GEPA
Goalie Ralf-Patrick Häusle war der einzige Lichtblick im Bregenzer Team bei der bitteren 18:23-Derbyniederlage gegen den Alpla HC Hard.GEPA

Bregenz vor Gang in die Abstiegsrunde. Hard bestätigt im Derby Aufwärtstrend.

Bregenz, Hard Das 94. Ländle-Derby hat bei Bregenz Handball nicht nur durch die Tatsache, dass man mit 18 geworfenen Toren einen historischen Tiefstand verbuchte, tiefe Spuren hinterlassen. Fünf Spiele vor Ende des Grunddurchganges in der Spusu Liga 2019/20 droht dem Rekordmeister der erstmalige Gang in die Abstiegsrunde, wie Cheftrainer Markus Burger nach einer schlaflosen Nacht unmissverständlich bestätigt: „So kann und darf man sich nicht präsentieren. Wir haben jetzt in drei Tagen mit dem 21:31 im Europacup gegen Valur Reykjavik und dem 18:23 gegen Hard den spürbaren Aufwärtstrend der letzten Wochen sprichwörtlich mit einem Schlag zunichte gemacht.“

Burger stellt Charakterfrage

Vor allem die Art und Weise, wie sich seine Mannschaft im Nachbarschaftsduell gegen Hard präsentiert hat, entsprach in keiner Weise den Vorstellungen des 55-Jährigen: „Ich bin richtig sauer, wie ich es schon lange nicht mehr war. Da war überhaupt kein Aufbäumen erkennbar. Insgesamt 20 Fehlwürfe, elf technische Fehler und gerade einmal 18 Tore – mit so einer Statistik gewinnt man kein Spiel. Schon gar nicht, wenn auch die kämpferische Leistung nicht passt. Da lasse ich die zusätzliche Belastung durch die Europacupspiele nicht als Entschuldigung gelten. Viel eher stellt sich für mich hier die Charakterfrage, ob verschiedene Spieler den notwendigen Qualitätsanspruch besitzen und generell bereit sind, der Mannschaft zu helfen oder es überhaupt wollen.“

Klassenerhalt auch ein Thema

Für Burger ist klar, dass der Einzug in die Meisterrunde zwar rein rechnerisch noch möglich ist, nach Lage der Dinge aber in sehr weite Ferne gerückt. „Das Prinzip Hoffnung lebt zwar noch, doch es käme einem kleinen Wunder gleich, wenn uns bei der extremen Dichte der um die Plätze kämpfenden Teams noch der Vorstoß gelingen würde. Schon eher müssen wir uns damit auseinandersetzen, welche Maßnahmen zu setzen sind, damit wir möglichst schnell in die richtige Spur finden. Auf uns wartet ein Tanz auf der Rasierklinge auf mehreren Ebenen und auch das Thema Klassenerhalt darf nicht außer Acht gelassen werden.“

Rückendeckung erhält Burger von Bregenz-Sportdirektor Björn Tyrner: „Im Prinzip ist jetzt genau das eingetreten, was wir zu Saisonbeginn vermeiden wollten. Allen Beteiligten war klar, dass wir in personeller Hinsicht nicht viel Spielraum haben. Durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Ante Esegovic und Marko Coric und einige unglückliche Niederlagen hat sich die Lage dann aber verschärft und wir sind immer mehr unter Druck geraten. Doch ich wehre mich, alles negativ zu sehen. Die derzeitige Situation ist eine Verkettung einiger Umstände, hat aber nichts mit der Person von Markus Burger als Trainer zu tun. Deshalb gibt es aus meiner Sicht keinen Grund, seine Position in Frage zu stellen“, betont Tyrner. „Da das Play-off aus eigener Kraft nicht mehr zu schaffen ist, müssen wir realistisch betrachtet ein neues Ziel setzen. Egal ob in der Meister- oder Abstiegsrunde, die Viertelfinalserie darf nicht ohne uns über die Bühne gehen. Mit dem Abstieg wollen wir nichts zu tun bekommen.“

Wichtige Dinge erfüllt

Wesentlich entspannter die Stimmung bei den im Derby siegreichen Roten Teufeln vom Bodensee, wie Alpla-HC-Hard-Cheftrainer Klaus Gärtner bestätigt: „Dass wir drei Tage nach der 18:34-Niederlage in Spanien bei Cuenca nicht vor Selbstvertrauen sprühen werden, war mir klar. Doch die Mannschaft hat eine klare Reaktion zeigt und mit dem Start-Ziel-Sieg wichtige zwei Punkte eingefahren. Dies war unser Ziel und mir wichtig, und es hat eine nebensächliche Bedeutung, ob Personen das Niveau des Spiels als nicht hochklassig beurteilen. Was vielmehr zählt, ist die Tatsache, dass wir nach einigen schwächeren Partien, zum Teil auch auf die zusätzliche Belastung und die Anzahl der vielen verletzten Spieler zurückzuführen, uns zurückgemeldet haben.“

In den verbleibenden vier Partien des Grunddurchganges will man nun die Marschrichtung beibehalten, sich die bestmögliche Ausgangslage schaffen, um dann im Februar mit frischen Kräften in der zweiten Phase der Meisterschaft neu durchzustarten. VN-JD

„Aus meiner Sicht besteht kein Grund, Markus Burger als Trainer in Frage zu stellen.“

Handball

Spusu Liga der Männer 2019/20

Hauptrunde

Tabelle  1. HC Fivers WAT Margareten 13  10  0  3  397:335  +62  20

  2. Alpla HC Hard 14  9  0  5  380:358  +22 18

  3. SC Ferlach 13  8  1  4  351:348  +3  17

  4. UHK Krems (M) 12  7  1  4  342:323  +19 15

  5. Schwaz Handball Tirol  13  7  0  6  337:343  -6  14

  6. HSG Graz 13  6  0  7  373:368  +5  12

  7. SG Handball West Wien 13  6  0  7  339:339  +/-0  12

  8. Bregenz Handball 13  5  0  8  318:336  -18 10

  9. HC Linz 13  3  2  8  365:379  -14  8

 10. HSG Bärnbach/Köflach 13  2  0  11  298:371  -73  4

Erklärung: Die Top-5-Klubs nach dem Grunddurchgang bestreiten ab Februar die Bonusrunde (mit halbierter Punkteanzahl). Bei Punktegleichstand von zwei oder mehreren Mannschaften entscheiden die direkten Duelle über die Platzierung.

Restprogramm Alpla HC Hard

Alpla HC Hard – SG Handball West Wien 30. 11., 19 Uhr (HR: 24:27)

SC Ferlach – Alpla HC Hard 7. 12., 19 Uhr (HR: 30:27)

Alpla HC Hard – UH Krems 13. 12., 19 Uhr (HR: 23:19)

Schwaz Handball Tirol – Alpla HC Hard 15. 12., 17 Uhr (HR: 27:26)

Restprogramm Bregenz Handball

HSG Bärnbach/Köflach – Bregenz Handball 29. 11., 19 Uhr (HR: 29:24)

UHK Krems – Bregenz Handball 3. 12., 19 Uhr (HR: 32:25)

Bregenz Handball – HC Fivers WAT Margareten 6. 12., 19 Uhr (HR: 24:27)

HSG Graz – Bregenz Handball 13. 12., 19 Uhr (HR: 23:25)

Bregenz Handball – HC Linz 15. 12., 19 Uhr (HR: 31:26)